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Neumünster "Eisbären haben keinen Hitzestress"
Region Neumünster "Eisbären haben keinen Hitzestress"
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14:12 25.07.2019
Von Thorsten Geil
Eisbär Vitus knackt eine gefrorene Wassermelone. Tierparkdirektorin Verena Kaspari schaut durch die Panzerglasscheibe.
Eisbär Vitus knackt eine gefrorene Wassermelone. Tierparkdirektorin Verena Kaspari schaut durch die Panzerglasscheibe. Quelle: Thorsten Geil
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Neumünster

Die Tierschutzorganisation hat gefordert, dass Eisbären generell nicht mehr in deutschen Zoos gehalten werden sollen. Der Tierpark Neumünster und die elf anderen Zoos in Deutschland sollten ihre Bären in Einrichtungen in Skandinavien abgeben, wo es kühler sei. Peta fordert die Bundesregierung auf, ein Nachzucht- und Importverbot zu verhängen und die Zoohaltung von Eisbären auslaufen zu lassen. In Gefangenschaft geborene Eisbären können nicht ausgewildert werden.

"Vitus liegt gern in der prallen Sonne"

Verena Kaspari ärgert sich über die ihrer Ansicht nach einseitige und unfaire Peta-Kritik mit falschen Fakten. "Natürlich haben die Bären es lieber kühler, aber das Männchen Vitus hat wegen einer Hormonstörung sehr viel Energie und schwimmt viel. Der legt sich aber auch mal in die pralle Sonne. Das Weibchen Larissa bleibt jetzt gern im kühlen Stall, das kann die alte Dame sich aussuchen", sagte sie.

Zoobären haben weniger Speck und Wolle

Eisbären haben in Freiheit eine dicke Speckschicht, viel Unterwolle und bis zu 15 Zentimeter lange Haare. Das gelte aber nicht für die Eisbären in deutschen Zoos, denn die Tiere passten sich der Umgebung an. "Unsere Bären bekommen auch kein fettes Robbenfleisch wie in der Natur, sondern sie sind sozusagen auf Diät, bekommen adäquates Ersatzfutter mit viel Fisch und Gemüse und sind viel schlanker. In Freiheit wird auch kein Eisbär 29 Jahre alt wie unsere Larissa."

"Eisbären laufen nicht aus Spaß, sondern aus Hunger"

Auch das Tierschützer-Argument, Eisbären bräuchten mehr Platz, weil sie in der Natur täglich zig Kiometer wanderten, weist die bundesweit anerkannte Bären-Expertin Verena Kaspari zurück: "Die laufen nicht aus Spaß so weit über das Packeis, sondern weil sie jagen müssen und sonst sterben würden."

Lieber setzten auch Eisbären sich an einen gedeckten Tisch. Wenn in der Arktis ein toter Wal angeschwemmt werde und der Kadaver die Eisbären anlocke, dann blieben die dort wochenlang, bis alles aufgefressen sei. Dabei schonten sie ihre Energiereserven.

"Meine Bären kommen auf Pfiff"

Vitus und Larissa zeigen nach Aussage von Verena Kaspari auch keine krankhaften Zwangsstörungen, wie Peta den deutschen Zoos generell vorwirft. "Ich habe mit ehemaligen Tanzbären gearbeitet und weiß, wann Bären psychisch angeknackst sind. Dann erreicht sie kein Mensch mehr. Meine Bären kommen auf Pfiff und lassen sich jederzeit in den Stall schicken", sagt sie. Larissa und Vitus würden täglich trainiert und parierten besser als mancher Besucherhund im Tierpark.

Die Eisbären Vitus und Larissa im Tierpark Neumünster sind gesund und munter. Direktorin Verena Kaspari weist die Kritik der Peta-Tierschützer zurück.
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