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Plön Mann schlägt 47-Jährige: 400 Euro Strafe
Region Plön Mann schlägt 47-Jährige: 400 Euro Strafe
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17:25 23.08.2019
Von Hans-Jürgen Schekahn
Das Amtsgericht verhandelte gegen einen 72-Jährigen wegen Körperverletzung.
Das Amtsgericht verhandelte gegen einen 72-Jährigen wegen Körperverletzung. Quelle: Hans-Jürgen Schekahn
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Plön

Zwei unterschiedliche Versionen hörte das Amtsgericht zum Geschehen am 6. Dezember 2017. Der Angeklagte sagte aus, einer der Hunde der Frau wäre auf ihn zu gestürmt. Mit einem kleinen Kick habe er das Tier, von dem er sich bedroht fühlte, beiseite geschubst.

"So schlimm wie Stiefmutter und Schwiegermutter zusammen"

Danach sei die Frau wie eine Furie über ihn hergefallen. „Ich habe nur noch Zähne und die glühenden Augen gesehen.“ Sie habe ihn aus so dichter Entfernung angeschrien, dass er ihre Spucke im Gesicht gefühlt habe. „Das war schlimmer, als wenn eine Stiefmutter und eine Schwiegermutter gemeinsam auf mich losgegangen wären.“ Danach sei er in Richtung seines Hauses gegangen. Plötzlich habe er einen Gegenstand neben dem Kopf gespürt und ihn instinktiv mit der Hand weggeschlagen. Das war das Handy der Hundebesitzerin. Der Schlag des früheren Kampfsportlers traf dabei auch das Kinn der Frau, die zu Boden ging. Er habe sich ansonsten total passiv verhalten und auch nichts zu der Frau gesagt, versicherte der Mann. Die ganze Anschuldigung nannte er „erfunden“. Der Anwalt des Mannes sprach von einem „notwehrähnlichen Verhalten“ seines Mandanten, der den ihm unbekannten Gegenstand neben seinem Kopf weggestoßen habe.

Die Hunde sind "lammfromm", sagt die Besitzerin

Die 47-jährige Hundebesitzerin schilderte den Angeklagten bei dem Zusammentreffen auf dem Wanderweg als aggressiv in Worten und Taten. Ihre nicht angeleinten Retriever seien „lammfromm“ und hätten ihm nie etwas zuleide getan, war sie sich sicher. Nachdem sie ihn wegen des Tritts gegen den Hund zur Rede gestellt hatte, sei sie beschimpft worden. Der Angeklagte soll sie auch einmal geschubst und auch einmal getreten haben, als sie am Boden lag. 

Angst vor Spaziergängen im Dunkeln

Nach dem Schlag habe sie große Angst gehabt. Sie habe sich danach auf einem Grundstück in der Nähe versteckt und von dort aus die Polizei gerufen, die auch wenig später mit zwei Streifenwagen eintraf. „Das ist das Schlimmste für eine Frau, von einem Mann mit der Faust niedergestreckt zu werden.“ Sie gehe seitdem vor Angst nicht mehr im Dunkeln spazieren.

Sie habe ihn mit dem Handy fotografieren wollen. Dann habe sie den Faustschlag gegen das Kinn abbekommen. Die 47-Jährige vermutete allerdings, dass er nur das Handy und nicht primär ihr Gesicht treffen wollte.

Direkte Zeugen für das Geschehen gab es nicht. Die Staatsanwältin: „Es war gar nicht so einfach für uns zu ermitteln, was passiert war.“

 Sie und der Richter kamen aber zu dem Schluss, dass sich der Mann der Körperverletzung schuldig gemacht hatte. Das Urteil lautete auf 40 Tagessätze zu je zehn Euro, zusammen 400 Euro Geldstrafe. Die Zeugin habe glaubhaft schildern können, was geschehen ist, so der Richter. Auch belegten Fotos das vom Schlag rötlich gefärbte Kinn der Frau, die sich laut Mediziner auch Nasenbluten, Prellungen und einen Bluterguss zugezogen hatte.

Michael Felke 23.08.2019
Michael Felke 23.08.2019
Dirk Schneider 23.08.2019