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Plön Auf einmal ein Unfall mit 15 Verletzten
Region Plön Auf einmal ein Unfall mit 15 Verletzten
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07:00 08.08.2018
Von Hans-Jürgen Schekahn
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Quelle: Hans-Jürgen Schekahn
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Preetz

Es ist ein dunkler Sonntagabend im Dezember 2015. Auf der Rettungswache an der Klinik Preetz herrscht ruhige Routine. Als die Leitstelle Kiel eine Alarmmeldung an die Besatzung des Rettungswagens schickt, fährt auch bei dem erfahrenen Marco Hohenberg der Adrenalinspiegel hoch. Ein schwerer Verkehrsunfall auf der B404 bei Boksee mit fünf beteiligten Fahrzeugen und rund einem Dutzend Verletzten, darunter Kinder. Das ist kein Einsatz, wie Hohenberg ihn sonst jeden Tag abarbeiten muss. Seit 15 Jahren arbeitet der 38-Jährige im Rettungsdienst des Kreises Plön.

In zehn Minuten am Unglücksort

Zehn Minuten benötigt das Rettungsfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn von Preetz bis nach Boksee. Es ist wenig Verkehr abends an einem Adventssonntag. Zeitgleich führt die Leitstelle auch Wagen aus Kiel und den benachbarten Kreisen zum Unglücksort.

Kiel und andere Kreise müssen helfen

Nur mit den eigenen Kräften kann der Kreis Plön so einer schwierigen Lage nicht Herr werden. Hohenberg und sein Fahrer gehören zu den ersten Teams, die eintreffen. Nachdem sie am Rückstau vorbei sind, breitet sich ein Trümmerfeld vor ihnen aus. Wie die Polizei später ermittelt, stießen ein Peugot und ein Landrover frontal zusammen. Drei weitere Fahrzeuge können nicht mehr rechtzeitig bremsen, fahren in die Unfallstelle oder auf ihren Vordermann auf. In drei der verunglückten Fahrzeugen sitzen Ehepaare mit ihren Kindern. Das treibt die Zahl der Verletzten nach oben. Das jüngste davon ist gerade neun Monate alt.

Elf Rettungswagen und vier Notärzte vor Ort

Hohenberg steigt schnell aus und verschafft sich einen Überblick über die Unfallstelle. Im Minutentakt kommt medizinische Verstärkung von den Kollegen. Insgesamt elf Rettungswagen und vier Notärzte kümmern sich um die Verletzten. Eine Besatzung für einen Patienten ist die Regel. Weil es viele Leichtverletzte gibt, die kaum Hilfe bedürfen, passt das Zahlenverhältnis zwischen Sanitätern und Verletzten.

Hohenberg und sein Beifahrer kümmern sich um eine im Auto eingeklemmte Frau. Sie ist ansprechbar, klagt aber über Rückenschmerzen. Hohenberg misst den Blutdruck und nimmt ein EKG. Die Helfer halten Ausschau nach äußeren Verletzungen, finden aber keine. Ein Notarzt gibt der Patienten ein Schmerzmittel. Jetzt kommt der schwierige Teil. Hohenberg bereitet eine schonende Rettung vor. Die Wirbelsäule der Frau soll so wenig wie möglich belastet werden.

Notfallsanitäter vergeben je nach der Schwere der Verletzungen eine Farbe. Rort steht für schwerste Verletzungen, bei Grün ist fast alles in Ordnung. Die im Auto eingeklemmte Frau erhält Gelb, ein Verletzungsgrad in der Mitte.

Feuerwehr befreit eingeklemmte Frau

Jetzt muss die Feuerwehr mit schweren Gerät ran. Mit Schere und Spreizer öffnen die Einsatzkräfte das Dach und die Tür des Fahrzeugs. Gemeinsam heben Sanitäter und Feuerwehrmänner die Frau aus dem Autowrack.

Der Rettungswagen steuert die Uni-Klinik in Kiel an. Dort gibt es einen Schockraum, eine spezielle Notaufnahme. Verschiedene Fachärzte kümmern sich um Akut-Patienten. Zehn bis zwölf Mediziner stehen bereit. Marco Hohenberg übergibt die Patientin im Schockraum. Ab diesem Zeitpunkt liegt die Verantwortung für die Frau in anderen Händen.

Drei Schwerverletzte

Die Unfall-Bilanz der Polizei sieht am Ende so aus: 15 Verletzte, drei davon schwer. Dazu gehören der 22-jährige Unfallverursacher und seine 17-jährige Beifahrerin. Auch eine 26-Jährige wird als schwerverletzt eingestuft. Die vielen Kinder kommen mit leichten Blessuren davon. Die Bundesstraße bleibt bis 22 Uhr gesperrt. Der Schaden beläuft sich auf 150000 Euro.

Für Marco Hohenberg geht zurück es zur Rettungswache nach Preetz. Material auffüllen. Auf den nächsten Einsatz warten. Keiner der Notfallsanitäter weiß, welche Herausforderung als nächstes auf ihn zukommt.

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