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Plön Streit um Luftreiniger in der Grundschule
Region Plön

Grundschule Wankendorf: Streit im Amtsausschuss um Luftreiniger

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11:00 26.11.2021
Von Sven Tietgen
Für Schulleiter Sven Thode (links) und Amtsvorsteher Jörg Engelmann sind die neuen Luftreiniger in den Klassenräumen überflüssig.
Für Schulleiter Sven Thode (links) und Amtsvorsteher Jörg Engelmann sind die neuen Luftreiniger in den Klassenräumen überflüssig. Quelle: Sven Tietgen
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Wankendorf

Die Schüler in der Grundschule Wankendorf und den Dorfschulen in Rendswühren, Schillsdorf und Stolpe atmen in Kürze gefilterte Luft. In allen Klassenräumen werden jeweils zwei Luftreiniger aufgestellt, die permanent den größten Teil der Keime und Viren in der Raumluft abtöten sollen. Die Maßnahme ist im Amt Bokhorst-Wankendorf höchst umstritten: Nur mit einer knappen Mehrheit von 16 zu 15 Stimmen beschloss der Amtsausschuss den Kauf der Luftreiniger. Eindeutig positioniert hatten sich zuvor das Kollegium und die Eltern.

Für die Lehrerinnen und Lehrer um Schulleiter Sven Thode machen die Geräte, die mittels UV-Licht die Keime und Viren in den Klassenzimmern zu rund 90 Prozent eliminieren sollen, wenig Sinn. Denn die Vorgaben zum regelmäßigen Lüften müssen trotz der Luftfilter weiterhin befolgt werden. Alle 20 Minuten wird in den Klassen für drei bis fünf Minuten stoßgelüftet. Auf diese Weise werden 90 Prozent der Aerosole ausgetauscht. Die Geräte würden dann die bereits ausgetauschte Raumluft filtern. „Der Einsatz der Lüfter ist wie Zucker über einen gesüßten Wackelpudding streuen. Da schüttelt jeder Mathematiker den Kopf, die Sinnhaftigkeit erschließt sich auch mir nicht“, erklärte Thode.

Lehrer und Elternsprecher gegen Luftfilter

Allein ist er mit dieser Ansicht nicht. „Die Lehrerschaft hat sich ebenso wie der Elternsprecher Hauke Westphal sehr deutlich dagegen ausgesprochen“, betonte der Schulleiter. Im Amtsausschuss wurde das Für und Wider ausgiebig diskutiert. Die mit der Kommunalwahl 2018 eingeführte neue Abstimmungszählweise nach Einwohnerzahl sorgte dann für ein spezielles Ergebnis. So überstimmten die Bürgermeister und Vertreter der Gemeinden Wankendorf und Schillsdorf mit zusammen 16 Stimmen die Vertreter von Belau, Rendswühren, Ruhwinkel und Stolpe. Die vier Gemeinden kommen zusammen auf 15 Stimmen.

„Hier darf es nicht ums Geld gehen“

Silke Roßmann als Bürgermeisterin von Wankendorf stimmte für die Anschaffung auch vor dem Hintergrund der steigenden Inzidenzen. Die Grundschulkinder gehören aus ihrer Sicht zu den vulnerablen Gruppen. „Wir sollten alles tun, um sie zu schützen“, erklärte Roßmann. Inklusive Installation in allen Klassenräumen und des Musikraums in Wankendorf sowie den Außenstellen Rendswühren, Schillsdorf und Stolpe kostet das Vorhaben an die 40.000 Euro. „Aber hier darf es nicht um das Geld gehen, wir sollten lieber in zuviel als in zuwenig Schutz investieren“, so die Gemeindechefin.

Als Amtsvorsteher akzeptiert Jörg Engelmann die knappe Entscheidung im Amtsausschuss. „Als Bürgermeister von Belau sind das aber für mich rausgeschmissene Steuergelder“, sagte er. Trotz der Luftfilter bleibt immer ein Restrisiko, die Grundschulkinder können ja trotz aller Ermahnungen nicht immer genügend Abstand voneinander halten. Entsetzt sei Engelmann, dass mit der Entscheidung der klare Wille der Schule missachtet wird. Auch die Schulrätin hatte sich gegen eine Anschaffung positioniert, fügte er hinzu.

Drei Träger für die Grundschulen

Gleich drei Träger kümmern sich um die Grundschulen in Wankendorf und Umgebung. Das Amt Bokhorst-Wankendorf ist zuständig für die Grundschule in Wankendorf selbst sowie der Außenstelle in Stolpe. Die Gemeinden Rendswühren und Schillsdorf sind Träger der dortigen Grundschul-Außenstellen in den Ortsteilen Schipphorst sowie Hüttenwohld. Hintergrund der ungewöhnliche Trägerschaft ist die Historie des früheren Amtes Wankendorf, das vor 15 Jahren mit dem Amt Bokhorst fusionierte.

Zudem hatte sich seit Beginn der Coronakrise im März 2020 in der Grundschule Wankendorf und Umgebung kein einziges Kind infiziert. Nur vereinzelt mussten Grundschulkinder mit ihren Familien in Quarantäne durch andere Vorfälle. „Das war aber immer an Wochenenden oder in den Ferien und hatte keine Auswirkungen auf unsere Schule“, sagte Schulleiter Thode.

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