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Plön Klotz-Blitzer im Kreis Plön sorgt bisher für 100 Fahrverbote
Region Plön

Klotz-Blitzer im Kreis Plön sorgt bisher für 100 Fahrverbote 

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14:30 29.11.2021
Von Hans-Jürgen Schekahn
Der Kreis Plön setzt einen Blitz-Anhänger ein, der fünf Tage im Stück rund um die Uhr im Einsatz ist.
Der Kreis Plön setzt einen Blitz-Anhänger ein, der fünf Tage im Stück rund um die Uhr im Einsatz ist. Quelle: Hans-Jürgen Schekahn
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Kreis Plön

Er ist perfekt getarnt. Er arbeitet rund um die Uhr. Er schießt treffsicher Fotos von Rasern. Manche Autofahrer hassen ihn dafür. Seit Mai kontrolliert der Kreis Plön mit einem Gerät, das aussieht wie ein Tarnkappenbomber, die Geschwindigkeit auf den Straße. 100 Autofahrer kassierten wegen „Poliscan FM1“ in der Zeit bis Ende Oktober schon Fahrverbote.

„Einsatz und Funktionalität des Trailers sind positiv zu bewerten“, schreibt die Kreisverwaltung ganz nüchtern über das klotzige Tempomessgerät, dessen Vorderfront wie ein harmloser, grauer Pkw-Anhänger aussieht und so gut wie nicht auffällt. Nur wenn er blitzt und Fotos macht, sieht man den „Klotz-Blitzer“ gut.

100 000 Euro Einnahmen durch Tempoverstöße

Und er ist erfolgreich. Zwischen dem 12. Mai und Ende Oktober registrierte er 10 858 Tempoverstöße. Nicht nur die 100 Fahrverbote fallen auf. Allein dieser neuartige Blitzer beschert dem Kreis Plön Einnahmen von monatlich 100 000 Euro an Bußgeldern. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr nahm der Kreis Plön 680 000 Euro von Temposündern ein.

Doppelt so erfolgreich wie bisherige Blitzer

Der Trailer ist damit fast doppelt so erfolgreich wie die bisherigen Messungen. Und das bei einer Monatsmiete von nur 12 000 Euro. Der Kreis hat sich nämlich den Trailer nur von der Herstellerfirma ausgeliehen, weil die eigenen Tempomessanlagen falsche Ergebnisse anzeigten.

Das Geld ist aber nicht der Grund für den Einsatz. Landrätin Stephanie Ladwig: „Es wird ausdrücklich nicht das Ziel verfolgt, möglichst viele Einnahmen zu generieren.“ Eine zu hohe Geschwindigkeit sei oft die Ursache für schwere Unfälle. Die Geschwindigkeitsüberwachung diene damit der Sicherheit im Straßenverkehr. Sie erwartet durch die Messungen eine Beeinflussung der Autofahrer zu einem besseren Verkehrsverhalten.

Der Kreis Plön verfügt leihweise über ein neues Tempomessgerät . Die Größe und die ungewöhnliche Form sorgen für viel Gesprächsstoff in den sozialen Netzwerken. Quelle: Jutta Klingler

Der Grund des Erfolges: Die 1,3 Tonnen schwere Anlage kontrolliert fünf Tage am Stück rund um die Uhr. Personal wird nur für den Auf- und Abbau benötigt. Weil sie unbeaufsichtigt ist, schützen Stahlschilder die Konstruktion. Daher das Aussehen wird ein Tarnkappenmodell der Militärs.

Brandschlag auf den Blitzer

Der Schutz ist auch notwendig. Sieben Attacken auf das Tempomessgerät registrierte der Kreis bisher. Unbekannte beklebten das Messfenster des Trailers, beschmierten es mit Dreck oder hängten ein Handtuch davor. Möglicherweise ein ertappter Autofahrer versuchte, den Trailer in Brand zu stecken – was aber wegen der Schutzmaßnahmen nicht gelang.

Auf vier Straßenabschnitten fielen besonders viele Temposünder auf. Dazu gehören die B 76 im Zuge der Ortsdurchfahrt in Plön, die B 430 in Höhe der ehemaligen Kreisfeuerwehrzentrale in Plön, die Kreuzung Seekrug (Gemeinde Giekau) im Zuge der B 202 und die Landesstraße in Höhe Stakendorf.

95 Stundenkilometer schneller als erlaubt unterwegs

Der schlimmste Raser war ein Autofahrer, der bei erlaubten 70 Stundenkilometer mit 165 unterwegs war auf der Landesstraße bei Stakendorf. Er muss 700 Euro Bußgeld zahlen, darf drei Monate nicht Auto fahren und erhält zwei Punkte in Flensburg. Ab acht Punkten kann der Führerschein deutlich länger weg sein.

„Nur“ 70 Stundenkilometer zu schnell war ein Fahrer auf der B 430 Höhe Käsehof Biss (Gemeinde Kalübbe). Dort ist Tempo 50 vorgeschrieben, geblitzt wurde er mit 120. Ebenfalls 70 Stundenkilometer zu schnell war eine Person auf der B 502 in der Gemeinde Wisch unterwegs. Erlaubt sind 70, gemessen wurden 140 Stundenkilometer. Das bedeutet für beide Verkehrsrowdys: 600 Euro Strafe, zwei Monate Fahrverbot und zwei Punkte in der Verkehrssünderdatei.

Der Kreis hat mittlerweile eine eigene „Poliscan FM1“ allerdings in einer mobilen Version, ohne Trailer. Die Messtechnik per Laser ist allerdings die gleiche. Die Lieferung einer zweiten Anlage steht noch aus. Sie arbeitet mit einer Lichtschranke.

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