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Plön Sie putzen, wenn andere Urlaub machen
Region Plön Sie putzen, wenn andere Urlaub machen
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18:00 09.08.2018
Von Anja Rüstmann
Foto: Wenn die Urlauber an den Strand gehen, beginnt für sie die Arbeit. Wenn die Touristen das Badetuch auf der Liegewiese ausbreiten, schütteln sie im Zimmer die Betten auf. Wenn der Gast ein Bad im See nimmt, feudeln sie das Badezimmer. Es sind die Zimmermädchen, die in diesen Wochen besonders viel zu tun haben.
Ana Fulop vom Housekeeping im Hotel Plöner See by Tulip Inn arbeitet in den Zimmern bei geöffneter Balkontür. Besonders das Bettenabziehen ist in diesen Tagen anstrengend, Ana Fulop nimmt es aber gelassen. Quelle: Anja Rüstmann
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Plön

„Wir haben 56 Zimmer und sind sehr gut gebucht“, sagt Susanne Unger, Hausleitung des Hotels Plöner See by Tulip Inn an der Ölmühlenallee. Busreisegruppen, Geschäftsleute und Urlauber steigen im größten Plöner Hotel ab und erwarten eine saubere Unterkunft. Im Housekeeping arbeiten zwei feste Kräfte (ein Zimmermädchen und ein Roomboy), zwei Aushilfen, eine Auszubildende und eine Springerin, um das zu gewährleisten. „Personell sind wir gut besetzt.“

Auszubildende Sina Schröder (22) durchläuft alle Stationen im Hotel, der Service im Frühstücksraum ist ihr am liebsten. Der Zimmerservice ist bei der Hitze anstrengend. „Aber die Kleiderordnung ist gelockert worden“, erzählt sie. Die weiße Bluse darf jetzt kurzärmelig sein, die schwarze Weste muss nicht getragen werden. Trotzdem ist der erste Gang in einem Zimmer der zur Balkontür. Frische Luft herein lassen und die Verdunklungsgardinen zuziehen, um die Sonne auszusperren.

Was dann kommt, ist Routine. Saugen, feudeln, putzen, Betten machen, Müll herausbringen. Reisen die Gäste ab, dauert das länger. Bei den „Bleibern“ reichen oft 15 Minuten. Seit das Hotel 2016 verkauft wurde und nun zur französischen Louvre Hotels Group gehört, hat sich einiges geändert. Beispielsweise dass der Roomservice in Eigenregie geleistet wird, nicht von einer Fremdfirma.

Die Unarten mancher Gäste sind aber geblieben. „Auf dem Bett liegt immer irgendetwas, und die Schuhe fliegen auch oft durchs Zimmer“, erzählen Sina Schröder und Zimmermädchen Ana Fulop. Bei Strandwetter wird Sand ins Hotelzimmer getragen. Dafür gibt es aber auch Gäste, die bei der Abreise bereits die Betten abgezogen haben. Und Mitleid zeigen – „Ach, Sie Arme, und das bei der Wärme…!“ Im Trinkgeld spiegelt sich das selten wider. „Ältere Gäste sind am großzügigsten. Familien und dänische Gäste lassen eher wenig da“, plaudern die Frauen aus.

Ihre Pausen dürfen sich die Zimmermädchen selber einteilen. Und die eigene Flasche Wasser fährt auf dem großen Wäschewagen immer mit auf den vier Fluren. „Viel trinken ist wichtig“, sagt Sina Schröder. Schweißtreibend ist die Arbeit trotzdem. Am kühlsten ist es noch in den Bädern. „Allerdings tragen wir Einmal-Handschuhe“, so Sina Schröder. Während die Urlauber vielleicht gerade in Badehose aus dem See steigen. Job ist Job. Und trotz der vielen Arbeit: Zurzeit machen ihn Sina Schröder und Ana Fulop gerne.

Merle Schaack 09.08.2018
Silke Rönnau 09.08.2018
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