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Plön Seeadler nach Vergiftung ausgewildert
Region Plön Seeadler nach Vergiftung ausgewildert
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19:05 14.01.2020
Von Frida Kammerer
Ein Seeadlerweibchen wurde mit einer Bleivergiftung gefunden und vom Wildpark Eekholt wieder aufgepäppelt.
Ein Seeadlerweibchen wurde mit einer Bleivergiftung gefunden und vom Wildpark Eekholt wieder aufgepäppelt. Quelle: Wolf von Schenck
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Im November wurde der Seeadler im Forst am Boden gesichtet. Ein Jäger konnte gemeinsam mit einem Mitglied der Projektgruppe Seeadlerschutz das Weibchen finden und bergen. Der Greifvogel war stark lethargisch und zeigte nervöse Zuckungen.

Der entkräftete Adler wurde in die zentrale Auffangstation für Seeadler im Wildpark Eekholt gebracht. Wildtierärztin Dr. Elvira Schenck fand bald die Ursache für den schlechten Zustand des fast ausgerotteten Tieres: Beim Röntgen wurden Partikel im Magen entdeckt. Zusammen mit den klinischen Symptomen – zentralnervöse Störungen, Krämpfe und Atemprobleme – sprach alles für eine Bleivergiftung, die durch eine Blutprobe bestätigt wurde. Sofort wurde eine Intensivtherapie eingeleitet, um das Gift im Blut zu binden und aus dem Körper auszuleiten.

Verbotene Bleimunition Problem für Tiere

Allerdings war die Quelle noch im Tier – die Bleifragmente. In einer schwierigen Operation konnten die winzigen Bleipartikel entfernt werden. Das Tier erholte sich gut: „Meine Frau war noch skeptisch und hat immer gesagt, ich solle mich nicht zu früh freuen, aber es ging dem Seeadler immer besser“, sagt Geschäftsführer Wolf von Schenck. Das Hoffen hat sich gelohnt. Von Tag zu Tag wurde das Tier kräftiger, sodass es schon zehn Tage später in eine größere Pflegekammer umziehen konnte. Einfach war die Regeneration nicht: Sieben Wochen musste der Vogel täglich mit Medikamenten versorgt werden. Bei einem Raubvogel, der in freier Wildbahn aufgewachsen ist, kein leichter Job. Erst Anfang Januar sanken die Bleiwerte im Blut unter die gefährliche Grenze.

Das Blei kam nicht von ungefähr ins Blut: Vermutlich hat der Adler von einem Tier gefressen, das mit Bleikugeln erlegt wurde. Laut Landesjagdgesetz ist es seit 2015 verboten, mit bleihaltiger Munition Wild zu erlegen. Allerdings verzichten manche Jäger trotzdem nicht auf die verbotenen Kugeln. Für die Tierwelt richtet das einen erheblichen Schaden an, auch wenn das Wild nicht damit getroffen wurde.

Im vergangenen Jahr waren gleich zwei Seeadler mit einer Bleivergiftung in der Eekholter Pflegestation. Das gab es in 20 Jahren noch nie. „Unsere Statistik zeigt, dass Prozent der aufgefundenen Seeadler, die zwischen 2000 und 2019 in die Pflegestation Eekholt eingeliefert wurden, an einer Bleivergiftung litten. Dem Großteil konnten wir leider nicht mehr helfen. Ihre Organe wurden schon zu stark durch das Blei geschädigt. Sie verendeten qualvoll“, sagt Wolf von Schenck.

Das Seeadlerweibchen hatte Glück

„Es ist die Ausnahme, dass wir einen Seeadler mit Bleivergiftung wieder auswildern können“, sagt Elvira von Schenck. „Deshalb freue ich mich heute sehr, dass sich unsere Mühe gelohnt hat und der Adler so majestätisch in die Freiheit geflogen ist.“

Bevor der Adler wieder in die Freiheit fliegen durfte, wurde er von Bernd Struwe-Juhl von der Projektgruppe Seeadlerschutz beringt, damit man das Tier später einmal wiedererkennen kann. Der Auswilderungsort südlich von Kiel wurde ausgewählt, weil man davon ausgeht, dass das ausgewachsene Adlerweibchen hier Reviervogel ist und sich nun kurz vor der Brutsaison wieder an seinen Revierpartner binden wird. Es gibt noch zwei weitere Adler, ein Männchen und ein weiteres Weibchen, die sich schon ein Nest gebaut haben. Ob die ältere, jetzt ausgewilderte Adlerdame sich ihr Männchen zurückerobern kann, ist noch unsicher. Eins der beiden Weibchen wird sich ein neues Revier und einen neuen Partner suchen müssen.

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