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Plön Weihnachtspäckchen sorgen im Ahrtal für ein wenig Freude
Region Plön

Preetzer überraschen Flutopfer im Ahrtal mit Weihnachtsgeschenken

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18:00 14.12.2021
Von Anne Gothsch
Sven (links) und Hannes Bohnhoff beim Beladen des 18-Tonners. Der linke Türflügel ließ sich schon nicht mehr öffnen, ohne dass ein Teil der Pakete herausgefallen wäre.
Sven (links) und Hannes Bohnhoff beim Beladen des 18-Tonners. Der linke Türflügel ließ sich schon nicht mehr öffnen, ohne dass ein Teil der Pakete herausgefallen wäre. Quelle: Anne Gothsch
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Preetz

Ungläubiges Staunen und große Dankbarkeit hatte am Wochenende eine Preetzer Spendenaktion mit Weihnachtspräsenten im knapp 600 Kilometer entfernten Dernau im Ahrtal ausgelöst. „Was wir dort erlebt, gehört und gesehen haben, ist kaum zu beschreiben“, meint Hannes Bohnhoff nach seiner Rückkehr.

Gemeinsam mit seinem Vater Sven und drei weiteren Unterstützern der Paketspenden-Aktion „Küstenkiste“ hatte er sich am Freitag um vier Uhr früh auf den Weg nach Rheinland-Pfalz gemacht, um den Menschen in der vom Hochwasser stark betroffenen Gemeinde Dernau mit Weihnachtsgeschenken eine kleine Freude zu bereiten.

Zu der Spendenaktion hatte Sven Bohnhoff, Inhaber des Umzugsunternehmens Preuß, aufgerufen, gemeinsam mit dem forum 7, einem Zusammenschluss Preetzer Unternehmen. Das Ziel war, jedem Einwohner der rund 1750-Seelen-Gemeinde Dernau ein persönliches Präsent überreichen zu können. Bürger, Vereine und Institutionen aus Preetz und Umgebung hatten in den zurückliegenden Wochen dafür gesorgt, dass sogar 2005 Pakete sowie eine Geldspende auf die Reise gehen konnten.

Noch am Abend vor der Abreise wurden die letzten Pakete direkt auf dem Firmengelände abgegeben und in den knallroten, blank geputzten 18-Tonner geladen. „Wir haben das Fahrzeug extra gewogen. Die Geschenke-Fracht wog fünfeinhalb Tonnen“, erzählte Hannes Bohnhoff.

In Dernau wütete die Flut mit am stärksten

Auf Dernau waren die Initiatoren durch Online-Berichte gestoßen, denn das Weindorf im Talkessel zählt zu den Orten, in welchen das Hochwasser am meisten gewütet hatte. „90 Prozent der Häuser dort sind zerstört, 22 Menschen verloren ihr Leben und es gibt wohl noch immer Vermisste“, so Sven Bohnhoff.

Schon beim Elbe-Hochwasser 2006 hatte er mit seinem Team Flutopfern geholfen, Möbel gesammelt und in die betroffenen Orte transportiert. „Doch in Dernau sind viele Häuser gar nicht mehr da oder völlig zerstört, da helfen Möbel nicht. Deshalb die Idee mit den Weihnachtsgeschenken.“

Video zur Spendenaktion ist in Arbeit

Über die Spendenaktion und die Erlebnisse bei der Übergabe vor Ort ist gerade ein Video in Arbeit. In den nächsten Tagen soll es via Bildschirm im Schaufenster des Geschäftes Ettling in der Kirchenstraße zu sehen sein. Für Spender und Interessierte aus anderen Orten soll das Video in Kürze auch auf Youtube zu sehen sein.

„Anfangs lief es schleppend. Da waren wir skeptisch, ob tatsächlich 1750 Päckchen zusammen kämen. Doch dann nahm das Ganze Fahrt auf, und es kamen sogar Pakete aus Kiel und Hamburg, aus Husum, Süderbrarup, Norderstedt und anderen Orten“, berichtete Eva Gutzeit-Pohl, Mitglied im forum 7.

Bis zur roten Jahreszahl stand das Haus ebenso wie viele andere im Ort unter Wasser. Quelle: Anne Gothsch

Auf dem letzten Abschnitt der rund siebenstündiger Fahrt, der auch über Behelfsstraßen und –brücken führte, hätten sie ihren Augen nicht getraut, erzählte die Inhaberin der Preetzer Firma Gutzeitdesign. „Manchmal dachten wir, gar nicht mehr in Deutschland zu sein. Wenn man diese immense Zerstörung nicht selbst gesehen hat, kann man sich das nicht vorstellen. “

Auf dem Schulhof im Ort seien sie sehr herzlich von Vertretern der Gemeinde empfangen worden. Kurz danach habe sich über die sozialen Medien die Nachricht ihrer Ankunft wie ein Lauffeuer verbreitet. „Viele Leute waren anfangs sehr erstaunt und trauten sich kaum näher. Sie konnten gar nicht glauben, dass die in glänzendes Weihnachtspapier eingeschlagenen Päckchen für sie bestimmt waren“, berichtete Eva Gutzeit-Pohl.

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„Viele Menschen hatten das Bedürfnis, zu erzählen, was ihnen widerfahren war“, so Hannes und Bohnhoff. „Ausgangspunkt der Tragödie nach extremen Regenfällen war wohl der Friedhof etwas außerhalb, der samt Bäumen und Grabsteinen einfach weggespült wurde. Als nächstes rissen die Wassermassen rund 400 Wohnwagen und –mobile von einem Campingplatz mit. Beladen mit dieser tonnenschweren Fracht bahnte sich die Flut den kürzesten Weg, der direkt in das Weindorf im Talkessel führte. Das Wasser stand teilweise über acht Meter hoch. Einfach unvorstellbar“, meint der junge Mann.

Preetzer wollen Dernauer weiter unterstützen

„Trotz all der Verzweiflung sind die Betroffenen sehr berührt und dankbar für die große Anteilnahme und die vielen Helfer aus ganz Deutschland. Angesichts der riesigen Schäden und des nach wie vor großen Hilfebedarfs war für uns klar, dass wir es bei dieser Aktion nicht belassen wollen. Wir werden überlegen und auch mit Vertretern vor Ort beraten, welche weitere Unterstützung sinnvoll ist“, stellte Eva Gutzeit-Pohl in Aussicht.

Silke Rönnau 14.12.2021
Anja Rüstmann 14.12.2021