Rennen in Belau:4 PS – mehr braucht ein Mofa-Motorsportler nicht
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Rennen in Belau:4 PS – mehr braucht ein Mofa-Motorsportler nicht

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17:03 11.09.2021
Von Hans-Jürgen Schekahn
Schon nach wenigen Runden ist die Strecke matschig und aufgewühlt. Die Kunst besteht darin, nicht zu schnell und nicht zu langsam über die Hubbelpiste zu steuern.
Schon nach wenigen Runden ist die Strecke matschig und aufgewühlt. Die Kunst besteht darin, nicht zu schnell und nicht zu langsam über die Hubbelpiste zu steuern. Quelle: Hans-Jürgen Schekahn
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Belau

Es hört sich an, wie wenn alle Nachbarn gleichzeitig mit dem Benzinmäher über den Rasen schreiten. Es riecht auch so. Zehn Mofas schieben sich knatternd über den Parcours im beschaulichen Belau. Der Ausrichter Moped Club Belau meldet mit 20 Teams eine Rekordbeteiligung beim 5. Belauer Mofa-Rennen.

Ferdinand Baratella (37) ist extra aus Köln in den Norden gereist. Eine Schwägerin und eine Schwiegermutter eines Freundes wohnen in Belau. So kam die Kunde von Mofa-Rennen an den Rhein und traf auf einen Fanatiker der Szene. Baratella nennt 15 oder 16 Mofas sein eigen. „Das ist ein aus dem Ruder gelaufenes Hobby“, sagt er mit einem Lachen.

Wo liegt Belau überhaupt?

Die Rennteilnahme im Kreis Plön war für eine keine Frage. „Wann fahren wir los? Wo liegt Belau überhaupt?“, sagte er spontan, als er vom Rennen hörte. Immerhin ist Baratella, von Beruf Kfz-Meister und Werkstattleiter in einem Autohaus, auch schon mal bei einem 24-Stunden-Rennen in Spanien mitgefahren. Mit einem Mofa natürlich.

Wolfgang Theede (71) ist zum ersten Mal in Belau dabei. Ein Video seiner Söhne aus dem vergangenen Jahr ließen in dem Diplom-Sozialpädagogen das Feuer entflammen. Im Team „Silberrücken“ geht er zusammen mit Majo Schier an den Start. Weil der nur 53 Jahre alt ist, nennt der Kieler Theede ihn die „Jugendabteilung“.

Der Vater legte heimlich die Zündung lahm

Als 13, 14 Jahre alter Junge fuhr er mit einem Freund auf einem Moped über Koppel. Lange und laut und immer wieder. Sehr zum Ärger der Anlieger. Sein Vater setzte heimlich die Zündung des Gefährts außer Betrieb. Die Moped-Touren fielen aus, die Sehnsucht war in diesen Tagen groß. Theede: „Dieses Hungergefühl, auf einem Moped zu fahren, hat mich mein ganzes Leben lang begleitet.“

Er liebt das Mofa-Rennen. „Es ist ein harmloses Vergnügen.“ Wer mit 20, 25 Stundenkilometer über die Wiese fährt, mit drei oder vier PS im Motor, mit Helm und gut gepolstert: Viel kann da nicht passieren. Auch die Mitstreiter gefallen ihm. „Es ist ein angenehmes Miteinander.“

Auf der Renn-Wiese gibt es vieles, was bei großen Motorsport-Ereignissen auch gibt. Eine sicher gelegene Wechsel-Zone, in der in anderer Fahrer das Leichtmotor-Zweirad besteigen kann. Ein Qualifying vor dem eigentlichen Rennen. Jedes Team schickt einen Fahrer ins Rennen über drei Runden. Die schnellsten zehn kommen in Gruppe 1, die langsameren in Gruppe 2.

Jürgen Bührmann, Vorsitzender des Moped Clubs, gehört zu den Erfindern des Mofa-Rennens. Zusammen mit einem Freund bei einem Bier in Belau wurde die Idee geboren. Die Spielregeln sind anstrengend. An den ersten Veranstaltungen gingen die Rennen über zweieinhalb Stunden. Auswechseln der Fahrer erlaubt. So lange hält es kein Mensch allein auf einem Mofa aus. Vor allem große Menschen bekommen Probleme in der Sitzhaltung.

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Am Wochenende schraubten die Veranstalter die Renndauer auf 111 Minuten zurück. Wegen der vielen Teilnehmer. Wer in seiner Gruppe die meisten Runden auf dem 1,5 Kilometer langen Parcours schafft, der hat gewonnen.

Lange Rennen, dass ist was Bührmann mag. Auf Langstrecken zählt das Können des Fahrers und des Materials. Und dann ein Satz, über den Lewis Hamilton oder Max Verstappen nicht lachen können. „Mit der Formel 1 kann ich nichts anfangen.“

Humor haben die Mofa-Fahrer. Das beweisen die Team-Namen: Angel and Devil, Metal-Bees, Steel-Fighter oder ganz süß: Stoppel-Terminator.

 

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