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Plön Panzerbrechende Bombe machte Mühe
Region Plön Panzerbrechende Bombe machte Mühe
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18:03 19.05.2019
Von Sibylle Haberstumpf
Foto: Diese 500-Kilogramm-Bombe (vorn) und die kleinere 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärfte der Kampfmittelräumdienst in Schwentinental.
Diese 500-Kilogramm-Bombe (vorn) und die kleinere 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärfte der Kampfmittelräumdienst in Schwentinental. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Schwentinental

Die Bomben in Schwentinental lagen dicht beieinander am Gewerbe- und Technik-Zentrum Raisdorf (GTZ) in der Lise-Meitner-Straße. Aufgespürt wurden sie bei der geplanten Verlegung einer Fernwärmeleitung.

Die Evakuierung lief reibungslos, bilanzierte der Kieler Polizeisprecher Oliver Pohl. Nur bei einer Familie hätten die Einsatzkräfte nachhelfen müssen, bis sie ihre Wohnung verlassen habe. Trotzdem blieb alles im Zeitplan.

500-Kilo-Bombe ging es an den Stahlkragen

Um 11 Uhr konnte die Entschärfung beginnen. Die kleinere 250-Kilo-Bombe bereitete dem verantwortlichen Duo Hans-Jörg Kinsky und Heinz Kollath kaum Probleme, nach etwa 45 Minuten war sie unschädlich. Länger dauerte es bei dem 500-Kilo-Exemplar. Es handelte sich um eine, wie Kinsky erklärte, „panzerbrechende Bombe“.

Ihr ging es an den sprichwörtlichen Kragen, denn: „Die Bombe hat im hinteren Bereich einen Kragen aus Stahl, sodass man nicht an die Übertragungsleitung herankommt“, sagte der Bomben-Fachmann. „Den Stahlkragen mussten wir erst absägen.“

Ein Blick auf den fingerdicken Stahl zeigte: Eine leichte Laubsägearbeit ist das nicht gerade – sondern äußerst aufwendig. Die Sprengkörper werden jetzt beim Kampfmittelräumdienst in Groß Nordsee eingelagert, von dort aus kommen sie nach Munster. Hier enden die Blindgänger schließlich im Munitions-Verbrennungsofen.

Routine mit den Bomben in Schwentinental

Bürgermeister Michael Stremlau hat mittlerweile Routine in Sachen Bomben – es war schon die fünfte Evakuierung in diesem Jahr in Schwentinental. Den 88 Einsatzkräften sprach er größten Dank aus – wie immer hätten alle „professionell und verlässlich“ gearbeitet.

Allein die Feuerwehr unter der Leitung von Kai Lässig war mit 39 Leuten vor Ort; sie hatten bereits um 8.30 Uhr mit den Vorbereitungen begonnen. Der Einsatz beinhaltete diesmal, im Gegensatz zur Entschärfung davor am 21. März 2019, auch die Sperrung der Bundesstraße 76.

Stau auf Bundesstraße 76 durch Bombenentschärfung

Auf der B76 bei Schwentinental bildete sich gegen 12.45 Uhr abrupt ein Stau; der Verkehr in Richtung Kiel kam kurz vor der letztmöglichen Ausfahrt Schwentinental-Mitte zum Erliegen.

Vermutung der Polizei: Manche Autofahrer könnten in die Irre geführt worden sein, weil kurz zuvor im Radio verfrüht die erfolgreiche Entschärfung vermeldet worden sei. Gegen 13.30 Uhr konnten aber alle Straßensperren wieder aufgehoben werden, der Verkehr kam wieder in Gang.

Erinnerungen an den Weltkrieg

Rund 350 Menschen mussten für die Bombenentschärfung ihre Wohnungen in Schwentinental verlassen. Wenige steuerten als Ausweichquartier den Bürgersaal des Rathauses an. Unter ihnen auch Ebba Rössler, Jahrgang 1931.

Die frühere Lehrerin, die seit 1956 in Schwentinental lebt, hat den Krieg hautnah als Jugendliche miterlebt. „Die Bomben waren das Markenzeichen dieser Zeit. Wir sind damit groß geworden“, erinnerte sie sich.

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So liefen die Evakuierung und die Bomben-Entschärfung in Schwentinental am 19. Mai 2019.
Michael Felke 19.05.2019
Sibylle Haberstumpf 19.05.2019
Dirk Schneider 18.05.2019