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Rendsburg-Eckernförde Alte Fischräucherei hat nicht ausgedient
Region Rendsburg-Eckernförde Alte Fischräucherei hat nicht ausgedient
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07:59 10.09.2018
Von Christoph Rohde
Foto: Im Dampf der historischen Räucherei: Fünf Kilo Sprotten räucherten Anja Ketelsen und Ulf Ratje am Sonntag im Altonaer Ofen.
Im Dampf der historischen Räucherei: Fünf Kilo Sprotten räucherten Anja Ketelsen und Ulf Ratje am Sonntag im Altonaer Ofen. Quelle: Christoph Rohde
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Eckernförde

Die Alte Fischräucherei in der Gudewerdtstraße 71  ist der einzige in dieser Form noch erhaltene Betrieb in Eckernförde und gehört zum maritimen Erbe der Stadt. Sie war in den 1920er-Jahren ein Zentrum des fischverarbeitenden Gewerbes an der Ostsee.

Es duftet nach Buchen- und Erlenholz. Während der Altonaer Räucherofen verheißungsvoll knistert, werden im Aufsteckraum die letzten Sprotten auf die Räucherrahmen geschoben. Fünf Kilogramm sind es diesmal, die in der Alten Fischräucherei von Silber in Gold verzaubert werden sollen. Das ehrenamtliche Räucherteam aus Anja Ketelsen, Ulf Ratje und Hans-Georg Wonigeit beherrscht diesen magischen Vorgang. Im Anschluss sind die noch warmen Fischlein aus dem Rauch von den Besuchern schnell verkostet.

Das Publikum ist an diesem Tag der offenen Tür ein ganz besonderes: „Alle kommen aus der näheren und weiteren Region und sind wirklich an dem Denkmal interessiert“, sagt Mahrt über die gute Resonanz. Schon seit sechs Jahren nimmt die Museumsräucherei am Denkmal-Tag teil. „Vor zwei Jahren waren wir als Projekt sogar in der Bundeszeitschrift vertreten“, berichtet die Vereinsvorsitzende stolz.

 „Wir sind dabei, alte Lohnbücher aus den 1940er- und 50er-Jahren auszuwerten“, sagt Mahrt. So erhielten Frauen im Betrieb damals 74 Pfennig pro Stunde, Männer dagegen mit 1,20 bis 1,40 Mark fast das Doppelte. „Wie der Unterschied zustande kam, wissen wir noch nicht“, so Mahrt. Auf den Nagelböden wurden damals Kinder beschäftigt. Acht bis 14 Jahre alte Jungs hämmerten hier die Kisten für die Sprotten zusammen.

Die Sanierung des historischen Gebäudeensembles steht inzwischen kurz vor dem Abschluss. „In einem Viertel- bis halben Jahr sind wir durch“, blickt Hartwig Deimel, der ehrenamtliche Bauleiter, voraus. Doch dann müssen die Ausstellungen noch zusammengestellt und aufbereitet werden.

Eine kleine Finanzspritze kommt vom befreundeten Altstadtverein. Dessen Vorsitzende Helga Ernst überreichte einen Scheck über 2000 Euro. „Die großen Zuschüsse sind an das Gebäude gebunden“, sagt sie. Aber auch für einen Kühlschrank im Aufsteckraum oder für die Einrichtung im Obergeschoss werde noch Geld benötigt.