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Rendsburg-Eckernförde Baugebiet im Norden steht auf der Kippe
Region Rendsburg-Eckernförde Baugebiet im Norden steht auf der Kippe
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17:38 25.06.2019
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Führt der Weg zum Baugebiet am Kapenhof ins Leere? In der Kommunalpolitik wachsen die Zweifel - auch durch das Vorgehen des Investors.
Führt der Weg zum Baugebiet am Kapenhof ins Leere? In der Kommunalpolitik wachsen die Zweifel - auch durch das Vorgehen des Investors. Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck
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Altenholz

Ausgangslage: Ende 2017 signalisierte die Gemeindevertretung dem Investor May und Co. die Bereitschaft, über ein etwa 16 Hektar großes Baugebiet westlich des Freesenbergs und südlich des Postkamps nachzudenken – ohne Zeitdruck und ergebnisoffen. Nach Untersuchungen zur Auswirkung auf die Infrastruktur kam von CDU, SPD und AWG vor gut einem halben Jahr das Signal, man könne sich das Gebiet prinzipiell vorstellen; auch die FDP steht dahinter.

Zweifel am Vorgehen

Die Grünen hingegen lehnten das Projekt ab. Derzeit geht es um die Änderung des Flächennutzungsplans. Zudem sollte im Bauausschuss am Montag ein Entwurf für den konkreteren Bebauungsplan vorgestellt werden. Doch der Punkt wurde abgesetzt, nachdem grundsätzlichere Zweifel – vor allem von der SPD – aufkamen. 

SPD will erst Ortsentwicklung planen

SPD-Fraktionschef Ingo Baasch fordert nun, sich zunächst im Rahmen einer umfassenderen Ortsentwicklungsplanung Gedanken über Altenholz zu machen – über das Gebiet am Kapenhof hinaus: Wo wolle die Gemeinde hin? „Ich sehe nicht, dass wir das ohne Druck diskutieren können mit einem Investor, der schon alles vermarktet hat.“ Er habe zwar 2017 zugestimmt, in das Planverfahren einzusteigen: „Aber das war ein Fehler“, sagt er. Mittlerweile seien die Zweifel an der Reihenfolge gewachsen: „Wir müssen uns selber erst mal klar werden, was wir wollen.“

Und ihm fehle das Vertrauen in einen Investor, der mit Parzellierungsplänen und Reservierungen statt zum Beispiel Namenslisten arbeitet. „Wir müssen uns selber erst mal klar werden, was wir wollen.“ Das Thema Geschosswohnungsbau sei zum Beispiel wichtig: „Aber das wurde immer so weggedrängt.“ Die SPD möchte das Planverfahren deshalb gerne ruhen lassen: „Nach der Ortsentwicklungsplanung können wir weitermachen.“

Investor May & Co. prescht vor

Der Investor sorgte mit seinem Vorgehen auch in anderen Fraktionen für Stirnrunzeln. Er erklärte in der Sitzung, die Grundstücke seien nicht „vermarktet“. Es gebe aber großes Interesse an dem Projekt. Deshalb habe man einen Plan über die mögliche Parzellierung erstellt – immer mit dem Hinweis: „Wir wissen nicht, ob das Gebiet kommt.“ Auch unnötig detaillierte Vorgaben im F-Plan-Entwurf stießen auf Kritik. Das Unternehmen hat in Altenholz schon andere Projekte umgesetzt, darunter den Neubau des Nahversorgungszentrums in Stift.

CDU spricht von ungeschicktem Verhalten

„Wir lassen uns von keinem Investor treiben“, stellte CDU-Fraktionschef Mike Buchau klar. Er habe das Gefühl, dass die derzeitige Kritik „eher gegen den Investor geht als gegen das Baugebiet“. Man solle sich von „einzelnen ungeschickten Verhaltensweisen“ des Investors aber nicht in der Entscheidung beeinflussen lassen. Die CDU stehe hinter dem Projekt. Man habe schon im letzten Sommer dafür Ideen entwickelt. Nun will man das Gebiet am Kapenhof erst mal zu Ende planen, bis eine Kostenschätzung auf dem Tisch liegt. Dann könne man entscheiden, ob Altenholz das Projekt will. 

Wählergemeinschaft will mehr fürs Klima

Auch die Wählergemeinschaft AWG möchte in die Ortsentwicklungsplanung einsteigen. Gleichzeitig wolle die Mehrheit der Wählergemeinschaft deshalb aber nicht das Baugebiet aufschieben, erklärt Fraktionschef Jörgen Danielsen. Es müsse allerdings deutlich grüner werden – das sähen auch SPD und Grüne so: „Wir müssen die Klimaentwicklung im Blick haben.“ Man werde nun in der AWG aufarbeiten, „was die Bauchschmerzen verursacht hat“. Man werde sich nicht „treiben lassen“, betonte auch er.

FDP bedauert die Wirkung auf Interessenten

FDP-Gemeindevertreter Philipp Neuenfeldt wies darauf hin, dass mittlerweile Gutachten vorliegen, die Gemeinde zum Beispiel weiß, dass eine neue Kita für das Baugebiet benötigt wird. Die FDP sei auch überzeugt, dass Altenholz sich das Baugebiet leisten kann. Ihn störte der Grundtenor der Diskussion: Die Interessenten „bekommen doch das Gefühl, sie wären nicht erwünscht“. Und das, obwohl viele dankend gerne nach Altenholz ziehen wollen.

Die Grünen wünschen sich Leuchtturm-Projekt

Silke Worth-Görtz von den Grünen sagte, es gehe nicht darum, Neubürger zu verhindern. Aber es sei Aufgabe der Kommunalpolitik, die Auswirkungen im Ganzen abzuwägen. Sie kritisierte: „Das Verfahren hat sich verselbstständigt.“ Es gehöre in die Ortsentwicklungsplanung. Nun setze der Investor immer „seine Duftmarke – und wir rennen hinterher“. Die Grünen sind in Sachen Baugebiet aber auch überzeugt: „Hier könnte eine Leuchtturm ökologischen Bauens entwickelt werden.“

Bürgermeister sieht "Arbeit für die Katz"

Bürgermeister Carlo Ehrich (SPD) verwies auf die Voruntersuchungen und betonte, man habe bei Kritikpunkten wie dem Knickschutz „Schritt für Schritt nachgebessert“. Doch wenn die Gemeindevertretung sich erst der Ortsentwicklungsplanung widme: „Ob man sich dann nicht einer Chance beraubt, die so nicht wieder kommt?“

Wenn der angekündigte SPD-Antrag auf Vertagung des Baugebietes durchkomme und man erst den ganzen Ort überplanen wolle, sei die ganze Arbeit „für die Katz“ gewesen. „Ich kann nicht erkennen, dass der Investor uns treibt“, sagte er. Die Politik lasse sich hingegen treiben von „einer Handvoll Leute aus dem westlichen Freesenberg, die bislang freien Blick genossen haben“.

Enttäuschung bei Bauinteressenten

Wie schon früher meldeten sich erneut Anwohner des Freesenbergs kritisch zu Wort. Im Ratssaal saß allerdings auch eine ganze Reihe jüngerer Interessenten am Baugebiet. Nach der Bauausschuss die Vorstellung eines ersten Entwurfs zum Bebauungsplan vertagte, verließen sie – teils sichtlich enttäuscht – den Saal.

Eine Kielerin, die eine „unverbindliche“ Reservierung im Parzellierungsplan hat, erklärte hinterher, allein aus ihrem Freundeskreis würden fünf gerne in Altenholz bauen: „Da wachsen natürlich Hoffnungen.“ In Kiel fänden viele keinen bezahlbaren Wohnraum mehr. Sie wünsche sich, dass Altenholz auch über den Ortsrand hinaus denke: „Familien brauchen Wohnraum.“ Und das Warten darauf mache irgendwann auch „mürbe“.

Prognose: Angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Gemeindevertretung dürfte die Planung des Baugebietes nach der Sommerpause im Herbst wahrscheinlich weiter betrieben werden.

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