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Rendsburg-Eckernförde "Revoluzzer" feiert 25. Dienstjubiläum
Region Rendsburg-Eckernförde "Revoluzzer" feiert 25. Dienstjubiläum
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20:00 23.05.2019
Von Frank Scheer
Foto: Bernd Jamrath ist 25 Jahre Bürgermeister im Dorf Reesdorf.
Bernd Jamrath ist 25 Jahre Bürgermeister im Dorf Reesdorf. Quelle: Frank Scheer
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Reesdorf

Als Bernd Jamrath 1972 sich im Bauerndorf Reesdorf niederließ, dürften so einige Alteingesessene schon ein bisschen gestaunt haben: Gelber VW-Bus mit der Aufschrift „Atomkraft nein danke“, Vollbart und Afrolook.  Die "Revoluzzer" oder "Jungen Wilden", wie die Neubürger auch genannt wurden, gründeten eine eigene Wählergemeinschaft und erreichten bei ihrer Premiere 1986 gleich zwei der sieben Sitze. "Wir wollten hier etwas Wuppen. Das war der Start", erinnert sich Jamrath. Für die Arbeitsgemeinschaft Reesdorfer Bürger (ARB) wurde der Mauerermeister 2. stellvertretender Bürgermeister. "33 Jahre bin ich jetzt Ehrenbeamter." 1994 wurde er Nachfolger von Ernst Blöcker an der Spitze des Dorfs.

Land sollte Kommunen mehr unterstützen

Das Revoluzzertum ist natürlich schon lange vorbei. Optisch jedenfalls.  Der Jubilar brennt aber für sein Amt. "Und wenn mich etwas stört, merkt man das schnell." Bernd Jamrath vertritt seine Meinung und steht dafür ein. Bereits vor Jahren forderte er vom Land mehr Unterstützung für die Kleinstgemeinden. Viele Kinder bedeuteten für eine Kommune den Bankrott, hatte er mal als Statement von sich gegeben und sich dafür viel Ärger eingehandelt. Es ging um Betreuungskosten für Kitas und Schulen, die überwiegend von den Kommunen geschultert werden . Im vergangenen Jahr musste Reesdorf mehr Geld in diesem Bereich reinbuttern als es überhaupt Einnahmen hatte.

Reesdorf ist ein "Feier-Dorf" 

"Ein Dorf braucht Kinder, um zu überleben. Aber das Land ist gefordert, das auch entsprechend zu fördern. Und bei der Kitaförderung sehe ich das derzeit nicht", betonte Jamrath. Man hat eher das Gefühl, die Kleinstgemeinden sollen gezielt ausgeblutet werden, so dass es irgendwann wie in Niedersachsen nur noch große Einheiten gibt. "Und das führt zum Ende der Ehrenamtlichkeit", ist er sich sicher. In Reesdorf helfe jeder jedem. Die Gemeinschaft sei groß. "Wir sind ein Feier-Dorf. Fast alles wird gefeiert, und die meisten sind auch immer dabei."

Bernd Jamraths letzte Amtsperiode

Parteipolitik spielt in Reesdorf kein Rolle. Aus den beiden Wählergemeinschaften ist mittlerweile eine geworden, die bis auf wenige Ausnahmen Entscheidungen einstimmig trifft. "Es geht um das Dorf", sagte Jamrath, der im Dorf den Spitzennamen "Berni Bürgermeister" hat. Bei der nächsten Wahl tritt er aber nicht mehr an. Das hat der Amtsinhaber bereits vor der Kommunalwahl 2018 angekündigt. Und was sind in den noch fast vier Jahren Amtszeit seine Ziele: eine Erweiterung der Wohnbebauung und vielleicht ein interkommunales Gewerbegebiet - ein klares Angebot an Bordesholm. 

Bürgermeister ist leidenschaftlicher THW-Fan

Besonders schön sei, dass er als Bürgermeister auch Paare trauen darf. Gut 90 Mal hat er bereits als ehrenamtlicher Standesbeamte agiert. Schönster Trauort ist der Brautberg gewesen. Sein Rezept für eine lang anhaltende Zweisamkeit: "Ehrlichkeit und auch mal sagen, wenn einem etwas stinkt." Jamrath muss es wissen: Seit 48 Jahren ist er mit Ehefrau Gabi verheiratet.

Der Bürgermeister ist auch leidenschaftlicher THW-Fan. Eine Dauerkarte ist Pflicht. Er sammelte jahrelang Fossilien. Die Vitrinen im Dienstzimmer sind voll damit. Zudem entspannt der 67-Jährige gerne auf der Terrasse bei seinen Pflanzen - zuletzt hat er sich eine Rosenstaude gekauft. Zudem macht der Vater dreier erwachsener Kinder gerne Kreuzfahrten, auf denen auch fünf der sechs Enkel mitfuhren. Der nächsten Tour blickt er wegen der Sicherheitslage in Ägypten etwas skeptisch entgegen: Im Spätsommer ist eine Nil-Kreuzfahrt vorgesehen. 

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Frank Scheer 23.05.2019
Sven Janssen 23.05.2019