Brief vom Rendsburger Todesschützen gefunden — attackiert Behörde
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Rendsburg-Eckernförde Brief vom Todesschützen gefunden
Region Rendsburg-Eckernförde Brief vom Todesschützen gefunden
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16:25 02.09.2014
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Foto: Wut aufs Finanzamt: In einem jetzt gefundenen Brief macht der Steuerberater, der einen Finanzbeamten in Rendsburg erschoss, die Behörde für seine finanziellen Nöte verantwortlich.
Wut aufs Finanzamt: In einem jetzt gefundenen Brief macht der Steuerberater, der einen Finanzbeamten in Rendsburg erschoss, die Behörde für seine finanziellen Nöte verantwortlich. Quelle: dpa
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Rendsburg

Mit drastischen Worten habe er das Finanzamt attackiert. Ob der Steuerberater, der als Jäger mehrere Waffen besaß, die Gewalttat in dem Schreiben angekündigt hat, blieb zunächst offen. Die Staatsanwaltschaft Kiel äußerte sich zu dem Brief nicht.

Am Dienstagnachmittag sollte der mutmaßliche Täter aus Fockbek bei Rendsburg einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft Kiel geht von Mord aus. Das Obduktionsergebnis des Leichnams stand noch aus.

Menschen, die den Steuerberater seit vielen Jahren kennen, beschreiben ihn als notorischen Querulanten, der immer wieder Leserbriefe geschrieben haben und im Finanzamt mit Beschwerden vorstellig geworden sein soll. Seit einem Unfall vor vielen Jahren ist der Mann auf einen Rollstuhl angewiesen. Er hat sich politisch in der FDP engagiert und sitzt für die Liberalen in der Gemeindevertretung von Fockbek. „Unsere Gedanken sind bei der Familie und den Freunden des Opfers“, sagte der FDP-Landesvorsitzende Heiner Garg.

Nach Ansicht von Schleswig-Holsteins Innenminister Andreas Breitner (SPD) gehört jetzt die Sicherheit in Behörden auf den Prüfstand. „Alles andere wäre geradezu verantwortungslos. Welche Schlüsse wir daraus ziehen, dafür ist es mir zu früh.“ Es sei ein Spagat, offene, barrierefreie Behörden für die Menschen anzustreben und zugleich mit Schutzmaßnahmen oder Besucherkontrollen für mehr Sicherheit der Mitarbeiter zu sorgen.

Es gehe um die Behörden, die stark eingreifen ins Lebensumfeld von Menschen, sagte Breitner und nannte Jobcenter, Gerichte, Finanzämter und Kommunalverwaltungen. „Unsere Gerichte sind schon recht gut gesichert, aus guten Gründen.“ Jetzt werde man sich auch der Finanzämter annehmen. „Wenn wir zusätzliche Barrieren aufbauen und Hürden erhöhen, dann geht das natürlich zu Lasten der Bürgernähe - bisher wollen wir das in Schleswig-Holstein nicht.“

Er habe mit Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) bereits über die Sicherheit in Finanzämtern gesprochen, „da unterstützen wir sie gern bei allen Überlegungen“. „Aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht — für niemanden. Es gibt keine Vollkaskoversicherung gegen solche Risiken. Ein Täter mit dem festen Willen des Tötens könne auch vor der Tür einer Behörde warten, bis jemand rauskommt. „Wir können nur die Gelegenheiten reduzieren, ganz ausschließen können wir es nicht.“ Für Breitner handelte es sich in Rendsburg „um eine völlig sinnlose Tat eines Einzeltäters“. Das müsse trotzdem Folgen haben, „weil wir nicht wissen, ob es weitere Einzeltäter gibt, die auch so etwas machen würden“.

Das Rendsburger Finanzamt mit rund 200 Mitarbeitern blieb am Dienstag geschlossen. Finanzministerin Heinold wollte den Mitarbeitern Gelegenheit geben, zu Hause zu bleiben oder mit Interventionsteams über das tragische Geschehen zu sprechen. Es werde noch eine lange Zeit brauchen, bis die Mitarbeiter die Tragödie aufgearbeitet hätten.