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Rendsburg-Eckernförde Opfer und Täter in Rendsburg
Region Rendsburg-Eckernförde Opfer und Täter in Rendsburg
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14:51 09.11.2018
Von Beate König
Foto: Autor Günter Neugebauer stellte im Rathaus am Altstädter Markt sein historisches Werk "Gegen das Vergessen. Opfer und Täter in Rendsburgs NS-Zeit" vor..
Autor Günter Neugebauer stellte im Rathaus am Altstädter Markt sein historisches Werk "Gegen das Vergessen. Opfer und Täter in Rendsburgs NS-Zeit" vor.. Quelle: Beate König
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Rendsburg

Neugebauer präsentiert im Buch bislang unbekannte Fakten. „In Rendsburg waren die Nationalsozialisten genauso aggressiv aktiv, wie in anderen Städten.“ Er räumt mit der Legende auf, es habe einen Kreis von Widerständlern gegeben, der sich ab 1939 im Kreisbahnhof traf, um die Zeit nach der NS-Zeit in Richtung Demokratie voraus zu planen. Nach seinen Recherchen waren bis auf eine Ausnahme alle Männer, die der Widerstandsgruppe bislang zugerechnet wurden, bekennende Nationalsozialisten gewesen.

Neugebauer benennt konkret Lebenswege und Adressen von Rendsburgern mit NS-Vergangenheit. Er will klar machen, dass keine anonyme Masse Geschäftsboykotte mitmachte und Deportationen veranlasste, sondern Nachbarn, Bekannte und Freunde der Großeltern-Generation. Bürgermeister Franz Krabbes etwa rief nachweislich vor 80 Jahren zur Zerstörung der Synagoge auf. Vor dem Entnazifizierungsausschuss habe er seine Rede vergessen, die zu Bombenwürfen ins Haus führte, berichtet Neugebauer. „Er wurde vom Ausschuss in Kategorie IV eingestuft: Mitläufer.“ Biographien emigrierter Juden und Euthanasieopfer sind exemplarisch aufgelistet.

„Es gibt noch viel mehr Dokumente.“ Neugebauer weist nach, dass Nazi-Netzwerke auch nach 1945 funktionierten, beispielsweise in der Staatsanwaltschaft. „Schleswig-Holstein ist dabei ein unrühmliches Beispiel.“ Angst vor Prozessen, die Angehörige anstrengen könnten, hat Neugebauer nicht: Die Verbrechen sind verjährt.

Der ehemalige Landtagsabgeordnete und Senator der Stadt recherchierte in elf Landes- und Stadtarchiven. Er arbeitete bei dem zweieinhalbjährigen Projekt mit der Stadtarchivarin Dagmar Hemmie, mit Frauke Dettmer, der ehemaligen Leiterin des Jüdischen Museums, Museumsleiter Martin Westphal und Historiker Uwe Jäckel zusammen.

Neugebauer plant ein weiteres Werk. Darin werden seine Recherchen über die NS-Opfer aus der Kultur der Sinti und Roma, Biographien von Zwangsarbeitern und Homosexuellen aufgearbeitet.

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