Bundeswehr in Kronshagen: Auslandseinsatz im mobilen Container
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Rendsburg-Eckernförde Wie funktioniert der Auslandseinsatz im mobilen Container?
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11:02 30.01.2020
Von Florian Sötje
Oberstveterinär Dr. Jörg Schulenburg, Leiter des Zentralen Instituts des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Kronshagen, zeigt einen der mobilen Labor-Container, die bei Auslandseinsätzen genutzt werden.
Oberstveterinär Dr. Jörg Schulenburg, Leiter des Zentralen Instituts des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Kronshagen, zeigt einen der mobilen Labor-Container, die bei Auslandseinsätzen genutzt werden. Quelle: Florian Sötje
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Kronshagen

Mit seinen insgesamt 165 Dienstposten, davon 134 in Kronshagen und 34 in der Außenstelle in Berlin, ist das Zentrale Institut des Sanitätsdienstes die größte Abteilung auf dem Gelände der Bundeswehr in Kronshagen. Neben 113 Soldaten arbeiten hier 52 Zivilbeschäftigte in den Bereichen Veterinärmedizin und Lebensmittelchemie/Ökochemie. Hinzu kommt der Zentrale Stab, der unter anderem für die Aus- und Weiterbildung des Personals verantwortlich ist.

Institut des Sanitätsdienstes hat lange Historie in Kronshagen

Obwohl das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus die Liegenschaft in Kronshagen über viele Jahre prägte, hat auch das Zentrale Institut eine lange Tradition. Bereits 1957 entstand hier eine chemische Untersuchungsstelle, 1959 folgte eine medizinische sowie 1962 eine veterinärmedizinische Untersuchungsstelle. Der Bereich der Veterinärmedizin ist heute der Schwerpunkt des Instituts, das für alle Liegenschaften der Bundeswehr in den nördlichen und östlichen Bundesländern sowie alle Schiffe und Boote der Marine verantwortlich ist – und das auf der Basis hoher wissenschaftlicher Standards.

Austausch mit Wissenschaft aus dem zivilen Bereich

So veranstaltet das Institut regelmäßig Kolloquien, bei denen unter anderem Fachleute vom Max-Rubner-Institut, dem Landeslabor aus Neumünster oder den Veterinärämtern aus Schleswig-Holstein zu Gast sind. „Die Kooperation mit dem zivilen Bereich ist sehr eng“, sagt Oberstveterinär Dr. Jörg Schulenburg, Leiter des Zentralen Instituts, in dem auch zivile Fachtierärzte oder Fachapotheker ausgebildet werden dürfen.

Die Schwerpunktbildung am Institut ging einher mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. „Vor 15 Jahren hat sich im Zuge der Auslandseinsätze viel getan und sich die Institutslandschaft grundlegend verändert“, sagt Dr. Schulenburg. Der Einsatz von mobilen veterinärmedizinischen Laborcontainern rückte in den Fokus, und nimmt seitdem eine zentrale Rolle in der Arbeit des Instituts ein.

Die Liegenschaften in Kronshagen

Die einzelnen Untersuchungsstellen (chemisch, medizinisch und veterinärmedizinisch), die Ende der 50er- und Anfang der 60er-Jahre in der Kronshagener Liegenschaft angesiedelt wurden, wurden 1985 zum Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr zusammen geführt. Nach der Auflösung des Bundeswehrkrankenhauses im April 1997 wurde in Kronshagen der Zentrale Stab eingesetzt. Das ehemalige Bundeswehrkrankenhaus fiel damals der Verkleinerung der Bundeswehr zum Opfer. 1995 sammelten Bürger 40.000 Unterschriften für den Erhalt in Kronshagen, am 7. April 1995 gingen 1000 Demonstranten für dieses Ziel auf die Straße, allerdings vergebens. Zwei Jahre später, am 1. April 1997, schloss das Bundeswehrkrankenhaus endgültig seine Türen.

Risikobewertung in Mali oder Afghanistan

Für den Einsatz in Afghanistan oder Mali sind in den mobilen Containern auf engstem Raum Mikroskope, Zentrifuge, Brutschränke oder eine Sicherheitswerkbank untergebracht. „Wir schätzen vor Ort die Gefahren, zum Beispiel von Infektionskrankheiten, die von Tieren auf die Soldaten übertragen werden könnten, ein. Zudem prüfen wir die Möglichkeiten der Verpflegung vor Ort, oder ob wir aus Deutschland nachschieben müssen“, sagt Schulenburg. Darüber hinaus erstellen seine Mitarbeiter sogenannte „Medical-Intelligence-Berichte“ über verschiedene Länder der Welt. Dabei geht es um die infektionsepidemiologische Risikoabschätzung und -bewertung an den jeweiligen Einsatzorten.

Die Wartung der Container und die Vorbereitung der Soldaten auf den Auslandseinsatz durch verschiedene Lehrgänge nimmt mittlerweile einen großen Teil der Arbeit am Institut in Anspruch, sagt Dr. Schulenburg. „Wir sind erst mal sehr gut ausgelastet“, ergänzt der Institutsleiter. Wie sich das Institut zukünftig entwickeln wird, bleibt abzuwarten.

Institut arbeitet an flexibleren und schnelleren Methoden

Eine Vergrößerung ist denkbar, werden sich das Facharztzentrum und das Schifffahrtsmedizinische Institut in den kommenden Jahren doch aus Kronshagen verabschieden. Der Blick am Zentralen Institut geht auf jeden Fall in die Zukunft – das hat auch mit dem veränderten Fokus der Bundeswehr zu tun. Mittelfristig soll sich die Truppe neben den Auslandseinsätzen wieder gleichrangig der Landes- und Bündnisverteidigung widmen. Für Schulenburg und seine Mitarbeiter heißt das, noch mobiler und flexibler zu arbeiten. „Wir arbeiten im Vergleich zum Container an einem noch mobileren Einsatzzelt oder entwickeln schnellere Untersuchungsmethoden. Da intensivieren wir gerade unsere Bemühungen“, sagt Oberstveterinär Dr. Schulenburg.

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