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Rendsburg-Eckernförde Schaufliegen der Gänse an der B 76
Region Rendsburg-Eckernförde Schaufliegen der Gänse an der B 76
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06:00 18.10.2018
Von Cornelia Müller
Foto: Kurze Zwischenlandung zum Ausruhen auf dem Wasser: Vor dem Goossee-Auslauf am Strand Höhe Kiekut sammeln sich jetzt wechselnd große Gruppen von Kanadagänsen. Sie pendeln zur Feuchtwiese jenseits der B 76 kurz vor Eckernförde, um zu grasen.
Kurze Zwischenlandung zum Ausruhen auf dem Wasser: Vor dem Goossee-Auslauf am Strand Höhe Kiekut sammeln sich jetzt wechselnd große Gruppen von Kanadagänsen. Sie pendeln zur Feuchtwiese jenseits der B 76 kurz vor Eckernförde, um zu grasen. Quelle: Cornelia D. Mueller
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Altenhof

Mit dem Vogelzug hat die Aktivität dieser Gänse mit schwarzem Hals und weißer Kopfzeichnung nichts zu tun. Die ursprünglich vom nordamerikanischen Kontinent stammenden Tiere sind weiter auf dem Vormarsch im Dänischen Wohld und an der Eckernförder Bucht.

Sommer wie Winter bleiben sie der Region treu. „Die Art gehört zu den Neozoen. Ein Problem stellt sie dennoch nicht dar, denn sie verdrängt unsere Graugänse bisher nicht“, sagt Rüdiger Schwab vom Nabu-Vorstand Eckernförde.

Neozoen sind Tierarten, die unter Mitwirkung des Menschen neue Lebensräume außerhalb ihrer Heimat erobern und dort neue Populationen aufbauen. Warum sich eine Gruppe Kanandagänse gerade jetzt die extensiv beweidete Fläche als Futterplatz ausgesucht hat, hängt offenkundig mit frisch nachgewachsenen Grün zusammen.

Laut Nabu Eckernförde lieben Meergänse Flächen wie in Altenhof besonders

Auch in der Aschauer Lagune und in der Gosseeniederung sind die Tiere in großen Gruppen zu beobachten. Vor dem Herrenhaus Borghorst in Osdorf schaukelt eine Armada Kanadagänse auf dem Teich, bevor sie sich auf abgeernteten Maifeldern niederlässt und restliche Körner frisst.

Alle Meergänse lieben offene Futterflächen. Den Seeadler, ihren natürlicher Feind, erkennen sie hier nämlich sofort. „Wenn ein Schwarm Gänse plötzlich auffliegt, kreist meist der Adler“, sagt Vogelexperte Schwab.

Auch in Parks und auf Lösch- und Klärteichen fühlen sich „Kanadier“ wohl. „Die Nähe von Menschen und Siedlungen sind sie gewohnt“, weiß Schwab. Vor 90 Jahren wurden die hübschen Wasservögel von Übersee in englischen und schwedischen Parks gehalten. Dann verwilderten sie.

Vom Schrevenpark Kiel aus expandierten die Kanadagänse in den Dänischen Wohld

Im Kieler Schrevenpark sind sie seit den 1980-Jahren heimisch. „Von hier expandierten sie ins Freilichtmuseum Molfsee, den Dänischen Wohld, zur Eckernförder Bucht. In Ostholstein sind die anspruchslosen Neubürger nun auch angekommen.“

In den kommenden Wochen werden sich mehr Gänsearten unter die nun heimischen „Kanadier“ und echte schleswig-holsteinische Graugänse mischen: Nonnen- und Blässgänse. Sie verlassen Skandinavien, sobald es frostig wird und statten dem „Vogelzugtrichter“ Eckernförder Bucht eine Stippvisite ab.

Hier sehen Sie mehr Bilder von Gänsen zwischen Eckernförde und Kiel.
Sven Janssen 18.10.2018
Cornelia Müller 17.10.2018
Frank Scheer 17.10.2018