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Rendsburg-Eckernförde Mit Wassersäcken gegen Trockenheit
Region Rendsburg-Eckernförde Mit Wassersäcken gegen Trockenheit
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06:38 31.07.2019
Von Tilmann Post
Astrid Kuhr von der Stadtgärtnerei zeigt die grünen Behälter, mit denen die Blutahorne auf dem Rathausmarkt in Eckernförde nach und nach mit Wasser versorgt werden.
Astrid Kuhr von der Stadtgärtnerei zeigt die grünen Behälter, mit denen die Blutahorne auf dem Rathausmarkt in Eckernförde nach und nach mit Wasser versorgt werden. Quelle: Tilmann Post
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Eckernförde

Von der neuen Dauerberieselung profitieren derzeit die drei Blutahorne am Rathausmarkt, die in Hochbeeten mit Pflasterstein-Einfassung stehen. „Darin ist der Boden stark verdichtet, fast wie Beton“, erklärt Astrid Kuhr. „Einfaches Bewässern hilft da kaum, das Wasser dringt nicht in den Boden ein, sondern läuft einfach wieder ab“, so die Mitarbeiterin der Stadtgärtnerei.

Damit die Ahorne trotzdem „trinken“ können, haben sie und ihre Kollegen jeweils zwei bis drei Bewässerungssäcke an die Stämme gebunden. Jeder der Plastikbehälter fasst 60 Liter Wasser, die über winzige Öffnungen an den Unterseiten langsam entweichen können. „Die Säcke sind nach 24 Stunden leer, das wirkt wie gezielter Regen“, sagt Astrid Kuhr.

Ein Schauer reicht nicht aus

„Der Vorteil ist, dass wir mit den Säcken individuell auf jeden Baum reagieren können.“ Das Wasser lasse sich auch mit Flüssigdünger versetzen. Die grünen Behälter seien bereits an Bäumen am Jungfernstieg, an der Preußerstraße und am Domsland zum Einsatz gekommen.

Um das Wässern mit Tank und Brause komme die Stadtgärtnerei jedoch trotzdem nicht herum. „Wir haben zu wenig Feuchtigkeit“, erklärt Kuhr. Es habe zwar geregnet, aber ein Schauer wie am Dienstagvormittag reiche bei weitem nicht aus. „Das ergab vielleicht einen bis zwei Liter pro Quadratmeter, sodass nur der Boden nass wird. Bis zu den Wurzeln dringt das Wasser nicht vor“, so die Gärtnerin.

Wind treibt Verdunstungsrate in Eckernförde hoch

Der Rückstand, den der extrem trockene Sommer 2018 verursacht habe, sei noch nicht wieder aufgeholt. Dazu habe es seitdem zu wenig Niederschlag gegeben. Hinzu kommen der Gärtnerin zufolge Wetterlagen wie am vergangenen Wochenende mit starkem Wind.

„Die Verdunstungsrate ist dann immens hoch.“ Der einzige Unterschied zum „Jahrhundertsommer“ vor einem Jahr sei, dass es mehr bewölkte Phasen gebe, so sei der Stress für die Pflanzen nicht ganz so stark. Wasser fehle ihnen dennoch, so Astrid Kuhr.

Stadtgärtnerei für rund 10.000 Bäume zuständig

Die Holtseerin ist seit 26 Jahren in der Stadtgärtnerei tätig und unter anderem für die Baum-Kontrolle zuständig. 6000 nummerierte Exemplare im Stadtgebiet hat sie auf ihrer Liste, die alle eine Plakette tragen. Hinzu kommen rund 4000 weitere, vor allem heimische Arten wie Eichen, Linden, Ahorne und Kastanien an Wanderwegen und in Wäldchen.

Es sei schon seit mehreren Jahren zu beobachten, dass die Bäume unter der Witterung leiden, also schneller Totholz entwickeln oder von Schädlingen befallen werden. Die Schwächung sei etwa an der mehr als 100 Jahre alten Linde neben der Treppe des alten Rathauses zu erkennen. Tote Äste sind zu sehen, obwohl erst im Herbst welche abgesägt wurden, so die 54-Jährige.

Tipp: Großflächig gießen

Die Stadtgärtnerei hat die Einwohner Eckernfördes zwar noch nicht – wie im vergangenen Sommer – dazu aufgerufen, Bäume und andere Pflanzen auf öffentlichem Grund zu wässern. Aber: „Schaden kann das nicht“, sagt Astrid Kuhr. Sie rät auch Gartenbesitzern, die ihren Bäumen etwas Gutes tun wollen, nicht direkt am Stamm zu gießen. „Bäume haben unter der Erde eine ähnliche Form wie darüber“, erklärt sie. Das heißt, dass die Wurzeln in etwa einen Umfang erreichen wie die Krone, der vom Astwerk gebildete Teil. „Die aufnahmefähigen Wurzeln sitzen ganz außen“, so die Gärtnerin. Wasser sollte also großflächig auf der Erde unter dem Baum verteilt werden.

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