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Rendsburg-Eckernförde Aus für das Torten-Paradies
Region Rendsburg-Eckernförde Aus für das Torten-Paradies
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19:34 31.05.2019
Von Christoph Rohde
Foto: Auch fürs Fernsehen war das Tortenstübchen attraktiv: NDR-Moderatorin Sandra Eckardt interviewt Tortenbäckerin Gabriele Schmidt.
Auch fürs Fernsehen war das Tortenstübchen attraktiv: NDR-Moderatorin Sandra Eckardt interviewt Tortenbäckerin Gabriele Schmidt. Quelle: kp: Kai Pörksen
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Eckernförde

Es hatte nicht sollen sein. „Gern hätte ich die zehn Jahre noch voll gemacht“, sagt Schmidt. Doch die Gesundheit zwingt die 66-Jährige dazu, kürzer zu treten. Schweren Herzens, denn das Tortenstübchen war ihr Traum. „Und mein Kommunikationszentrum in Eckernförde“, fügt sie hinzu. Ihr Tortenstübchen war mehr als eine gute Anlaufadresse für süße Sünden. Regelmäßig fanden hier auch kulturelle Veranstaltungen, insbesondere Lesungen, statt. Für Freunde des Plattdeutschen unterhielten Christel Fries, Gunda Gey und Klaus Dieter Tüxen mit ihren Döntjes und Geschichten. Und das Tortenstübchen beteiligte sich an den Marktfrühstücken, bei denen Marktbeschicker regionale Spezialitäten vorstellten.

50 mal drehte hier der NDR für sein Nachmittagsmagazin

Schon kurz nach der Eröffnung entdeckte auch der NDR das kleine Torten-Paradies an der Ostsee. „Im Juni 2010 war ich gestartet, und im Oktober hatten wir schon die erste Sendung“, erinnert Schmidt. Durch einen Bericht in der „Mohltied“ waren die Redakteure auf die Tortenbäckerin aufmerksam geworden, die mit Leidenschaft die Leckereien anrichtete. Aus einem Beitrag im NDR-Magazin „Mein Nachmittag“ wurden dann insgesamt 50 Sendungen – bis sich Protest aus anderen Orten erhob, die auch ihre Cafés einmal im Fernsehen präsentiert sehen wollten. Seitdem tourt der Backbeitrag durch Schleswig-Holstein. Die Pionierarbeit aber wurde in Eckernförde geleistet.

Selbst ist Schmidt zwar keine Torten-Esserin. „Ich bevorzuge Obstkuchen mit Streusel und Sahne“, sagt sie. Aber die Torten in ihrem Tortenstübchen waren heiß begehrt. Zu den Rennern gehörte der „Blaue Heinrich“ mit Baiser-Boden, Sahne und Pflaumen – angelehnt an die Friesentorte. „Das ging rund ums Jahr“, weiß sie. Alle Torten hatte Schmidt selbst gebacken. Dabei kommt die gebürtige Eckernförderin ursprünglich aus dem sozialpädagogischne Bereich. „Damals wusste ich gerade mal, wie man eine Backofentür öffnet“, sagt sie mit einem Lächeln. Nach dem Studium schloss sie eine Hauswirtschaftsausbildung an, die sie als Meisterin beendete. Da war der Weg in die Backkunst geebnet.

Interessenten gab es, doch die Miete war nicht mehr tragbar

Mit leckeren Torten machte sie in der Vergangenheit schon in Cafés auf Gut Windeby und auf Gut Projensdorf auf sich aufmerksam. Dann entdeckte sie die Räume im Eckernförder Jungfernstieg, die zu vermieten waren. „Jetzt wirst du doch noch mal sesshaft“, sagte sich Schmidt und eröffnete ihr Tortenstübchen. Gleich zum Auftakt war die Nachfrage groß, auch wenn nur 27 Gäste im Inneren Platz fanden. Bei schönem Wetter wurden noch ein paar Tische nach draußen gestellt. Gern hätte es Schmidt gesehen, wenn ihr Tortenstübchen unter neuer Regie weitergeführt worden wäre. Und fast hätte es geklappt, waren Interessenten bereits gefunden. Da die Wohnungsgesellschaft Vonovia die Miete aber drastisch erhöhte, zerplatzte die Fortsetzung des Torten-Traums. Schmidt wird sich jetzt wieder mehr ihrer Familie und den drei Enkeln widmen.
Flohmarkt zur Räumung des Tortenstübchen, heute ab 11.30 Uhr im Jungfernstieg 68A.

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