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Rendsburg-Eckernförde Enigma-Taucher Florian Huber: So cool ist mein Forscherjob
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Enigma-Taucher Florian Huber: So cool ist mein Forscherjob

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09:06 12.12.2020
Von Jan Torben Budde
Gab einen faszinierenden Einblick in seine Arbeit: Forschungstaucher und Archäologe Florian Huber zeigte beim Vortrag in der Sporthalle an der Grundschule in Surendorf auch Fotos von der Enigma-Verschlüsselungsmaschine.
Gab einen faszinierenden Einblick in seine Arbeit: Forschungstaucher und Archäologe Florian Huber zeigte beim Vortrag in der Sporthalle an der Grundschule in Surendorf auch Fotos von der Enigma-Verschlüsselungsmaschine. Quelle: Jan Torben Budde
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Schwedeneck

Die Entdeckung der Enigma-Verschlüsselungsmaschine in der Ostsee hat einen weltweiten Medienrummel ausgelöst: Das Telefon von Florian Huber, Kieler Forschungstaucher und Archäologe, stand nach dem Sensationsfund im Meer kaum still. Trotzdem blieb ihm Zeit für einen Besuch in der Grundschule Surendorf. Die Kinder lauschten fasziniert.

Von diesem berühmten Gerät, das wie eine Schreibmaschine aussieht, haben die Kinder schon gehört. Also erzählt Huber ihnen bei seinem Gastauftritt in der Sporthalle in Schwedeneck mehr von der Enigma, die aus dem Zweiten Weltkrieg stammt und in der Geltinger Bucht bei der Suche nach Fischernetzen entdeckt wurde.

Florian Huber entdeckte die Enigma beim Tauchen

„Kann man darauf noch schreiben?“, erkundigt sich eine Schülerin. „Ich glaube, dazu ist sie jetzt zu verrostet“, sagt der 45-jährige Huber. Das Taucherteam übergab die Enigma ans Museum für Archäologie in Schleswig, wo das gute Stück restauriert wird. Dann zeigt er den Schülern Aufnahmen von der Enigma. Die Schüler sind baff.

Doch Sensationsfund hin oder her – die Schilderungen anderer Projekte sind mindestens genauso mitreißend. Schon als 13-Jähriger entdeckte Huber seine Leidenschaft fürs Tauchen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Hobby zum abenteuerlichen Beruf.

Ohne Teamarbeit geht es dem Forschungstaucher zufolge nicht: „Bei Problemen hilft einer dem anderen.“ Er zeigt Filmausschnitte, denn außer ihrer Tauchausrüstung nehmen Huber und seine Mitstreiter stets eine Kamera mit in die Tiefe, um aus Meeren, Seen oder Flüssen Aufnahmen für Fernsehreportagen zu liefern.

Einigma-Taucher Huber traf auch schon auf Spinnen, Skorpione und Schlangen

Tief in der Ostsee vor Schweden schlummert das Kriegsschiff „Mars“, das im 16. Jahrhundert bei einer Schlacht unterging. Um das Wrack auf dem Meeresboden zu erforschen, brauchte Huber fünf Tauchflaschen: „Weil wir so lange dort unten waren.“ Es lohnte sich: Die Taucher entdeckten alte Kanonen, Silbermünzen, Teller, Töpfe und Gabeln. „Die Funde behalten wir nicht, sondern geben alles ins Museum“, so der Archäologe.

Ob Huber im Meer schon mal einen Delfin oder Hai gestreichelt habe, erkundigt sich eine Schülerin. Darauf verzichte er lieber, um ihnen keine Verletzungen zuzufügen oder Krankheiten zu übertragen. Exotische Tiere bekommt der Forscher auf seinen Reisen oft zu Gesicht. So traf Huber in Mexiko auf dem Weg zu einem Wasserloch im Dschungel auf Spinnen, Skorpione und Schlangen.

Am gefährlichsten sind seines Erachtens Mücken, weil sie Krankheiten übertragen. Nach dem Abseilen in die Höhle entdeckte sein Team dann beim Tauchgang uralte Skelette und Totenschädel vom Volk der Maya, die dort früher Verstorbene bestattet hätten.

Gebiss statt Enigma: Huber tauchte in einem Brunnen

Lassen sich denn unter Wasser überhaupt Notizen machen? Der Forscher nickt zustimmend, dafür gebe es eigens wasserfestes Papier.

Sogar in einem Brunnen tauchte Huber schon – und zwar auf einer Burg in Nürnberg. „Wir wollten mal gucken, was da im Laufe der Jahre hineinfällt“, erzählt der Forscher. Kurioserweise zählte zu den Fundstücken neben einem alten Walkman auch ein Gebiss. Bei der Vorstellung schmunzeln die Kinder.

Schulleiterin Jessica Knop war nach den Vorträgen für die Erst- bis Viertklässler begeistert. Ursprünglich war der Besuch des Forschungstauchers in der Grundschule Surendorf für Ende November geplant, doch den Termin musste Huber wegen eines Auftrages absagen. „Ich möchte Kindern vermitteln, dass Wissenschaft cool sein kann und sie neugierig machen“, so der Archäologe.

12.12.2020
Paul Wagner 12.12.2020
Tilmann Post 11.12.2020