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Rendsburg-Eckernförde Knall weckt Anwohner auf: Unbekannte sprengen Fahrkartenautomat in Felde
Region Rendsburg-Eckernförde

Fahrkartenautomat in Felde gesprengt: Anwohner schrecken nach Knall auf

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16:00 12.01.2022
Von Karina Dreyer
Ein unbekannter Täter hat in der Nacht zu Mittwoch einen Fahrkartenautomaten auf dem Bahnhof Felde vermutlich mittels Pyrotechnik gesprengt.
Ein unbekannter Täter hat in der Nacht zu Mittwoch einen Fahrkartenautomaten auf dem Bahnhof Felde vermutlich mittels Pyrotechnik gesprengt. Quelle: Karina Dreyer
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Felde

Esther Mischke wohnt direkt am Bahnhof in Felde. „Ein richtig lauter Knall, ganz dicht bei uns“, weckte sie um 2.25 Uhr in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Ein unbekannter Täter hatte den Fahrkartenautomaten Richtung Kiel vermutlich mittels Pyrotechnik gesprengt und die Kassette für Geldscheine entnommen, wie die Polizei mitteilte.

„Ich habe ja erst gedacht, dass das ein Schuss war oder ein Lkw-Reifen geplatzt ist“, beschreibt Esther Mischke, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten das Café Noosh in Felde betreibt. Sie habe noch auf die Uhr und aus dem Fenster geschaut, aber nichts gesehen. Der Knall riss mehrere Anwohner aus dem Schlaf, die dann die Polizei alarmierten. Einige Zeugen hätten eine Person beobachtet, die den Tatortbereich fluchtartig verließ, konnten sie aber nicht näher beschreiben, heißt es im Polizeibericht. Sofort eingeleitete Fahndungsmaßnahmen verliefen negativ.

Esther Mischke wohnt direkt am Bahnhof Felde und wurde nachts durch den lauten Knall geweckt. Quelle: Karina Dreyer

Papierfetzen, die am Fahrkartenautomaten gefunden wurden, deuteten auf Böller als Tatmittel hin. Dass Fahrkartenautomaten gesprengt werden, kommt „im ganzen Land immer mal wieder vor“, sagte Pressesprecher Sönke Petersen von der Polizeidirektion Neumünster.

2020 wurden in Schleswig-Holstein insgesamt 23 Fahrkartenautomaten gesprengt, darunter neben Kiel-Russee, Bordesholm und Malente auch der Bahnhof in Felde am 10. Oktober 2020 nachts um 2.15 Uhr. Damals konnten Einsatzkräfte den Tatverdächtigen nach einer Verfolgungsfahrt im Kieler Stadtteil Holtenau festnehmen, ihm konnte ein Großteil der Sprengungen nachgewiesen werden. 2021 waren es landesweit elf Sprengungen.

Reste des Fahrkartenautomates auf dem Bahnhof Felde, die schon am Vormittag beseitigt wurden. Quelle: Karina Dreyer

Die in den Ticketautomaten befindlichen Bargeldsummen scheinen für Diebe lukrativ zu sein. „Es befinden sich manchmal mehrere tausend Euro im Automaten, das ist dann aber Glücksache, wie viel gerade drin ist“, sagt Andreas Grandt, Leiter Sachgebiet Sprengstoffermittlung beim Landeskriminalamt. Verwendet werde meist gewerblich hergestelltes Großfeuerwerk, das man im Internet bestellen kann. „Es gibt keinen vernünftigen Grund, das zu kaufen, außer damit Blödsinn zu machen oder Straftaten zu begehen“, sagt er. Als Beispiele für die Verwendung von Großböllern nennt er die lauten Schüsse zu Beginn und Ende des Feuerwerks der Kieler Woche. Die Täter würden nicht nur sich selber gefährden, sondern auch Spaziergänger und den Bahnverkehr. „Die Tür des Automaten wiegt um die 50 Kilogramm und kann zwei bis drei Meter fliegen“, sagt er. Für die Sprengung bedürfe es einer längeren Zündschnur und Zeit, „deswegen sind sie vor allem in diesen Zeiten unterwegs“.

Automat auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig ist noch in Betrieb

Grandt hofft auf die Zukunft, wenn Tickets nur noch bargeldlos gekauft werden, „dann ist das Phänomen vorbei“, sagt er. Christian Grube fährt regelmäßig mit der Bahn ab Felde. „Diese Tat ist einfach nur bescheuert. Das klingt für mich mehr nach Hass auf die Bahn als Geld zu stehlen“, sagt er. Schnell waren Mitarbeiter von der Bahn im Einsatz, den völlig zerstörten Automaten vom Bahnsteig zu entfernen. Vormittags war außer einer zerbrochenen Scheibe von dem Vorfall schon nichts mehr zu sehen. Eine Woche soll es dauern, bis ein neuer Fahrkartenautomat installiert ist, bis dahin können Fahrgäste den Automaten auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig benutzen. Um sachdienliche Hinweise bittet die Polizei in Kiel unter Tel. 0431-1604 3183 oder Polizeiruf 110.

Sorka Eixmann 12.01.2022
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