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Rendsburg-Eckernförde Brandgefährliche Getreideernte 2018
Region Rendsburg-Eckernförde Brandgefährliche Getreideernte 2018
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07:51 16.07.2018
Von Cornelia Müller
Foto: Eckhard Clausen von Gut Rögen in Gammelby, Geschäftsführer des Agrarservice Eckernförder Bucht, ist in Sorge. Der Weizen ist total ausgetrocknet. Die ohnehin magere Ernte auf den knochentrockenen Getreidefeldern zwischen Kiel und Eckernförde ist durch die extreme Brandgefahr einem hohen Risiko ausgesetzt.
Eckhard Clausen von Gut Rögen in Gammelby, Geschäftsführer des Agrarservice Eckernförder Bucht, ist in Sorge. Der Weizen ist total ausgetrocknet. Die ohnehin magere Ernte auf den knochentrockenen Getreidefeldern zwischen Kiel und Eckernförde ist durch die extreme Brandgefahr einem hohen Risiko ausgesetzt. Quelle: Cornelia D. Mueller
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„Höllisch aufpassen ist Gebot“, sagt Eckhard Clausen. „Unbedingt immer schweres Gerät und einen Schlepper mit Gülletank voller Wasser am Feldrand postieren beim Mähen und Dreschen.“

Clausen ist Geschäftsführer der Betriebsgemeinschaft Agrarservice Eckernförder Bucht. 2000 Hektar von Kiel bis Schwansen hat der Zusammenschluss unterm Pflug. Dazu gehören auch die Güter Uhlenhorst, Marienthal und Rögen.

Am Mähdrescher verursachen Steinchen Funkenflug

„Steinchen, die bei der Ernte mit Wucht an drehende Metallteile fliegen, schlagen winzige Funken. Das ist jetzt das Hauptrisiko, die der ohnehin mageren Ernte droht“, ergänzt er. Warum der in feuchten Jahren zu vernachlässigende Funkenflug jetzt brandgefährlich ist, zeigt er auf seinen Weizenfeldern bei Gammelby.

Nurkniehoch stehen die Halme. Normalerweise wären sie hüfthoch. Nicht einmal kurz über dem Boden gibt es noch einen Hauch von Grün. Alles sieht verdorrt aus.

„Hier“, sagt Clausen und reißt ein Büschel aus, „nur haarfeine kurze Wurzeln. Nichts reicht tiefer als Halme als üblich. Als die Saat auflief, war es extrem nass. Das Getreide hatte keinen Grund, tiefer zu wurzeln. Jetzt kommen es auch nach einem der raren Schauer nicht mehr an die Restfeuchtigkeit weiter unten heran.“

Auch Glasscherben können Felder in Brand setzen

Das Korn in den Ähren lebt noch, „auch wenn kleiner und härter als sonst ist“. Läge jetzt eine Glasscherbe auf dem Acker und wirkte als Brennglas, flöge ein Funke oder würde ein Raucher seine Kippe an den Straßenrand werfen, stünde das gesamte Feld binnen Minuten in Flammen.

So bald wie möglich wird Clausen seinen Weizen „gegen den Wind“ einfahren, damit der im Fall der Fälle kein zusätzliches Problem macht. Und es wir „ein paar Wochen zu früh sein“ – um weitere Risiken zu minimieren. „Die Landwirte sind vorbereitet auf die Brandgefahr“, bestätigt Wehrführer Siegfried Brien, Wehrführer in Altenhof.

Die Feuerwehr rückt fast jeden Tag zu Flächenbränden aus

Als Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands weiß er: „Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein Stoppelfeld, Gras oder Getreide brennt. Dass Bauern Tanks mit Wasser füllen und schweres Gerät auf den Acker bringen, wenn gedroschen wird, hat schon Schlimmeres verhindert.

Die Feuerwehr kann so längere Zeit löschen, während der Bauer den Boden um das Feuer herum umbricht.“ Oft aber ist Vorsorge unmöglich. Vergangenen Donnerstag geriet in Gammelby Stroh in Brand. Mutmaßlich war ein Brandstifter am Werk.

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