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Rendsburg-Eckernförde Pferde-Dummy Hope verzeiht auch Fehler
Region Rendsburg-Eckernförde

Feuerwehr übt Großtierrettung mit Pferde-Dummy in Bordesholm

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20:44 15.08.2021
Von Frank Scheer
Lutz Hauch und Michael Böhler haben gut 25 Einsatzkräften von zwölf Feuerwehren eine Einweisung in die Großtierrettung gegeben.
Lutz Hauch und Michael Böhler haben gut 25 Einsatzkräften von zwölf Feuerwehren eine Einweisung in die Großtierrettung gegeben. Quelle: Frank Scheer
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Bordesholm

Die Rettung von Großtieren stand am Sonnabend auf dem Schulungsplan von rund 25 Einsatzkräften von zwölf Feuerwehren aus der Region Bordesholm. Im praktischen Teil kam dabei der Rettungsdummy Hope – ein 200 Kilo schwerer Kunststoffnachbau eines Pferdes mit beweglichen Gelenken – auf dem Veranstaltungsplatz zum Einsatz. Sein großer Vorteil: Er ließ die Übungen geduldig über sich ergehen und verzieh auch Fehler.

Rettungseinsätze für Großtiere sind eher selten. Deutschlandweit steigt ihre Anzahl aber. Nach den Recherchen von Lutz Hauch, der bundesweit der einzige Ausbilder für die technische Großtierrettung ist, gab es 276 Einsätze im Jahr 2018, 2019 waren es 344 und 2020 schon 473. „Wenn es aber zu solchen Fällen kommt, dann ist das sowohl für die Retter als auch die Tiere wie Pferde oder Rinder eine echte Herausforderung mit großen Risiken“, so Hauch, der in der Nähe von Aachen wohnt und selbst Feuerwehrmann gewesen ist.

Bordesholmer ließ sich zum Trainer ausbilden

Seit 2019 hat sich Michael Böhler, der seit 1984 der Freiwilligen Feuerwehr Bordesholm angehört, von Hauch zum Trainer ausbilden lassen. Böhler hat sich auch einen gut 10 000 Euro teuren Dummy für die Ausbildung angeschafft.

Alexander Karstedt (rechts) ist als erster Retter an der Unglücksstelle und legt Pferde-Dummy Hope ein Sicherheitshalfter an. Quelle: Frank Scheer

Das Amt Bordesholm hat für die Feuerwehren in der Region die technische Ausstattung vor zwei Jahren angeschafft. „Wegen der vielen Reiterhöfe und Pferdebetriebe in der Region.“ In Wattenbek ist die Ausrüstung stationiert. Die Schulung war wegen der Corona-Pandemie immer verschoben worden. Einen echten Großtiereinsatz hat es seitdem noch nicht gegeben. „Wir sind eine der ersten Amtswehren, die über das Equipment verfügt. Das muss auch geübt werden, und die Ausbilder machen das richtig gut“, so Amtswehrführer Frank Gebhardt (Wattenbek). So sieht es auch Bordesholms Wehrchefin Birthe Christensen.

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„Wir sind mal angefordert worden, weil eine Kuh in Blumenthal aus einem Wassergraben nicht mehr herausgekommen ist. Dann hatten es die Einsatzkräfte aber doch geschafft, dass Tier herauszubekommen.“ Der Hauptrechner in der Einsatzleitstelle sei aber noch nicht für die Großtierrettung fit.

„Es fehlen noch die Codewörter, damit die Alarmierungskette funktioniert“, hieß es von den Rettungskräften. Die Feuerwehr in Rendsburg hat sich von Hauch im August 2020 einweisen lassen.

Auch die „Maus“ hat über Hauch schon berichtet

Auch der WDR ist auf Hauch bereits aufmerksam geworden und hat im Rahmen der „Sendung mit der Maus“ über die Großtierrettung berichtet. Volker und Timo Lübker von der Freiwilligen Feuerwehr Wattenbek betonten, dass sie in dieser Einweisung in Bordesholm sehr viel Neues erfahren hätten.

Lea Prüß von der Freiwilligen Feuerwehr Reesdorf empfand die Videos im theoretischen Teil als ziemlich krass. „Da sind Rettungsaktionen gezeigt worden, wie sie gar nicht laufen sollten. Beeindruckend fand ich jedoch, dass man trotz vieler Emotionen bei einem solchen Einsatz mit viel Ruhe und ohne Lärm ein großes Tier wie eine Kuh auch schonend retten kann.“

Michael Böhler von der Freiwilligen Feuerwehr Bordesholm hat sich einen 10 000 Euro teuren Rettungsdummy angeschafft. Quelle: Frank Scheer

Alexander Karstedt von der Freiwilligen Feuerwehr Grevenkrug gehörte mit zu einem Team, das ein abgestürztes Pferd retten sollte. Er war der erste an der Unglücksstelle und sollte das Tier beruhigen und ein Notfallhalfter anlegen.

Seine Kollegen fädelten währenddessen die Rettungsgurte mit speziellen Stangen unter dem Pferd durch. „Es ist schon ziemlich krass, was man für Handgriffe da ansetzen kann – und was auch falsch laufen kann.“ Immer wieder gaben Hauch und Böhler Tipps fürs geschickte und effektive Handeln.

Andere Einsatzkräfte erwähnten, dass die Großtierrettung in Großbritannien bereits seit 20 Jahren zur Ausbildung von Rettungskräften dazu gehört – in Deutschland aber eben noch nicht.

Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 15.08.2021
Frank Scheer 15.08.2021
Beate König 15.08.2021