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Rendsburg-Eckernförde 150 000 Mini-Aale in der Schlei ausgesetzt
Region Rendsburg-Eckernförde

Fischer setzen 150.000 Mini-Aale in der Schlei aus

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10:30 27.08.2021
Von Rainer Krüger
Und ab ins Wasser: Beim Aalaussetzen kippen Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (von links), Fischer Armin Laß, Unterstützerin Ulrike Rodust und der mit Fischerei befasste EU-Abgeordnete Niclas Herbst Mini-Fische in die Schlei. 
Und ab ins Wasser: Beim Aalaussetzen kippen Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (von links), Fischer Armin Laß, Unterstützerin Ulrike Rodust und der mit Fischerei befasste EU-Abgeordnete Niclas Herbst Mini-Fische in die Schlei.  Quelle: Rainer Krüger
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Maasholm

Die Zahl war gewaltig. Insgesamt 150.400 Mini-Aale setzten Fischer am Donnerstag in die Schlei. Ziel der Aktion: Der Aal-Bestand im Ostseearm soll gestützt werden.

Hauptorganisator und Fischer Olaf Jensen erläuterte an der letzten Station des Aussetztags in Maasholm den Hintergrund. „2010 wurden in der Schlei kaum noch Aale gefangen. Daher begannen die Schleifischer damit, den Bestand durch das Einsetzen von Jungaalen aufzufrischen.“ Laut Jensen stellte sich Erfolg ein: „Inzwischen ist ein Silberstreifen am Horizont erkennbar. Immer häufiger tauchen in den Reusen und an den Angelhaken Aale aus den Besatzaktionen auf“, berichtete er.

Allerdings brauchen er und seine Berufskollegen beim Auffrischen einen langen Atem. Denn um das Mindestfangmaß von 45 Zentimetern Länge zu erreichen, benötigen die Fünf-Gramm-Aale drei bis vier Jahre.

Aale im Kleinformat kamen dieses Jahr in neun Gewässer Schlewig-Holsteins

Bei der Aktion packte auch der EU-Parlamentarier Niclas Herbst (CDU) mit an. Als Mitglied des Fischereiausschusses im EU-Parlament kennt er sich bei der öffentlichen Unterstützung der Aktion aus. Denn der Aalbesatz wird in Schleswig-Holstein zu 60 Prozent über Mittel aus der Landesfischereiabgabe und dem Europäischen Meeres-und Fischereifonds finanziert.

Weil in diesem Frühling schon 350.000 der nur 0,33 Gramm schwerem Glasaale ausgesetzt wurden, kamen dieses Jahr insgesamt 500.400 Mini-Aale in die Schlei. Für diesen Besatz wurden 79.180 Euro investiert. Zudem wurden im Frühjahr noch 182.000 Glasaale in acht anderen Gewässern Schleswig-Holsteins ausgesetzt.

Nabu äußert Zweifel an der Aktion

Herbst sieht die Aktion als sinnvoll an. Hingegen gab es Kritik vom Landesverband des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu). In einer Pressemitteilung bezweifelte Geschäftsführer Ingo Ludwichowski, dass der Besatz langfristig den erhofften Erfolg hat. Denn um sich zu vermehren, müssen die ausgesetzten Tiere wieder über den Atlantik in ihr Laichgebiet in der Sargassosee ziehen.

„Faktisch ist jedoch eine zur Arterhaltung notwendige Rückwanderung der Tiere ins Laichgebiet vor Florida, geschweige denn eine Rückkehr von Aalen in die schleswig-holsteinische Ostsee, nicht nachweisbar, wie wissenschaftliche Untersuchungen mit besenderten Aalen belegen.“

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Denn die ausgesetzten Tiere würden im Jugendstadium des Glasaals nach einer ersten Wanderung durch den Atlantik vor den Küsten Frankreichs gefangen und teilweise in Zuchtanlagen auf mehr Gewicht gebracht.

Ludwichowskis Vermutung: Die ausgesetzten Aale hätten „keine innere Peilung, wie sie von der Ostseeküste wieder zurück in ihr Laichgebiet im Atlantik kommen können.“ Nach Auffassung des Nabu sei die Besatzaktion somit kein Beitrag zum Arterhalt, sondern sei reine Wirtschaftsförderung. Zudem solle in Schleswig-Holstein über Schonzeiten für den Aal nachgedacht werden.

Herbst: Aalfischerei erhaltenswertes Kulturgut

Zu den Untersuchungen, auf die sich der Nabu bezog, konnte Niclas Herbst nichts sagen. Allerdings hält er die Bestandsauffrischung ohnehin für richtig. „Die Aalfischerei ist ein erhaltenswertes Kulturgut“, bekannte er sich zur Wirtschaftsförderung.

Als ehemalige EU-Abgeordnete der SPD wies Ulrike Rodust aus Holzdorf noch auf einen anderen Faktor beim Beurteilen der Besatzaktion hin. „Aale werden im Alter zwischen zehn und 30 Jahren geschlechtsreif. Da das Aussetzen in der Schlei erst seit 2010 erfolgt, lässt sich noch nicht beurteilen, ob die ausgewilderten Aale nicht doch zum Laichen wegziehen und so zum Bestandserhalt beitragen.“

Goldene Reuse für Ulrike Rodust

Zum Finanzieren der jährlichen Bestandsauffrischung müssen 40 Prozent der Kosten von den Fischern aufgebracht werden. Dabei wird ihrer Initiative „Aalutsetten in de Schlie“ vom„Förderverein für maritime Lebensarten und Lebensformen“ durch gesammelte Spenden geholfen. Für Personen, die den Aalbesatz unterstützen, vergeben die Fischer einen Wanderpreis – die Goldene Reuse. Sie ging in diesem Jahr an Ulrike Rodust.

KN-online (Kieler Nachrichten) 27.08.2021