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Rendsburg-Eckernförde Gefahr Bahnübergang: Polizei warnt und appelliert an die Eigenverantwortung
Region Rendsburg-Eckernförde

Gefahr Bahnübergang: Bundespolizei warnt und appelliert an die Vernunft

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07:03 06.01.2022
Von Florian Sötje
Rettungskräfte haben den Bahnübergang in der Hohenwestedter Straße abgesperrt, nachdem eine 15-Jährige gestorben war.
Rettungskräfte haben den Bahnübergang in der Hohenwestedter Straße abgesperrt, nachdem eine 15-Jährige gestorben war. Quelle: Malte Kühl (Archiv)
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Nortorf/Neumünster

Eine 15-Jährige ist am Sonntag in Nortorf gestorben, als sie den gesperrten Bahnübergang überquerte und von einem Zug erfasst wurde. Am Mittwoch meldete die Bundespolizei Flensburg erneut einen Vorfall aus Nortorf sowie einen weiteren aus Neumünster. Sie zeigen, dass die Gefahr an Gleisen und geschlossenen Bahnübergängen häufig unterschätzt wird. Die Bundespolizei kann zwar auf Hinweise reagieren und präventiv tätig werden, appelliert aber vor allem, sich an die Regeln zu halten. So sieht es auch der Fahrgastverband Pro-Bahn.

Nach Angaben von Augenzeugen hatte die 15-Jährige am Sonntag beim Umkurven der geschlossenen Schranke am Bahnübergang Hohenwestedter Straße Kopfhörer getragen und „den Blick starr aufs Handy gerichtet“, berichtete ein Polizeisprecher nach dem Unglück. Der mit Tempo 130 heranfahrende dänische Fernzug erfasste die Jugendliche. Die herbeigerufenen Rettungskräfte konnten nichts mehr tun.

Nach Unglück in Nortorf zwei weitere Polizeieinsätze an Bahnübergängen

Drei Tage nach der Tragödie meldete die Bundespolizei Flensburg, dass ein 62-Jähriger am Mittwochmorgen trotz Rotlicht und geschlossener Schranken den Bahnübergang an der Hohenwestedter Straße überquerte. Nach Angaben der Beamten zeigte sich der 62-Jährige uneinsichtig, als sie ihm sagten, dass ein Bußgeldverfahren mit einer drohenden Strafe von 350 Euro gegen ihn eingeleitet wird.

Am Dienstagmorgen hatten Bundespolizisten aus ihrem Streifenwagen beobachtet, wie ein 20-jähriger Skoda-Fahrer am Bahnübergang Stoverweg in Neumünster trotz Rotlicht noch beschleunigte und über die Gleise fuhr. Auch er schien sich der Gefahr nicht bewusst gewesen zu sein. Den 20-Jährigen erwartet laut Polizei ein Bußgeld in Höhe von 240 Euro, zwei Punkte in Flensburg sowie ein einmonatiges Fahrverbot.

Die jüngsten Vorfälle sind Beispiele dafür, wie häufig Gefahren an Gleisen und Bahnübergängen unterschätzt werden – und welche Folgen sie haben können. Laut Hanspeter Schwartz, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Flensburg, bekomme die Polizei regelmäßig Benachrichtigungen von Lokführern, dass Menschen Gleise noch schnell überquert hätten oder sich gefährlich nah an ihnen bewegten. Nortorf sei vor Jahren einmal ein Schwerpunkt gewesen. „Wir haben dann vor Ort eine Aufklärungskampagne gemacht und viele Gespräche geführt“, sagt Schwartz.

Polizei kann Bahnübergänge nur punktuell in den Blick nehmen

Nach Hinweisen oder einem Unglück wie in Nortorf behalte man die Gefahrenpunkte im Blick. „Aber wir können natürlich nicht jeden Bahnübergang bestreifen“, sagt Schwartz und fügt an: „Wir möchten nochmals an die Menschen appellieren, sich an die Vorschriften zu halten. Sie begeben sich sonst in Lebensgefahr.“

Kollege Sven Klöckner, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Kiel, appelliert ebenfalls an Rücksicht und Vernunft. Auch im Bereich seiner Inspektion komme es wiederholt zu gefährlichen Situationen, zum Beispiel in Kiel-Mettenhof oder im Schwentinentaler Ortsteil Raisdorf. Dort sind Schulen in der Nähe, Jugendliche nutzten den Weg über die Gleise mitunter als Abkürzung.

„Bei Hinweisen werden wir natürlich umgehend tätig, führen auch Gespräche mit den Eltern“, sagt Klöckner. „Die hohe Gefahr wird insgesamt zu wenig wahrgenommen“, sagt Karl-Peter Naumann, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn Schleswig-Holstein. An vielen Stellen ergebe es Sinn, Bahnübergänge durch Tunnel oder Brücken zu ersetzen. Wichtig sei aber vor allem, dass oft genutzte Wege nicht von Gleisen oder Bahnübergängen gekreuzt würden und so zum Abkürzen einlüden.

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Ansonsten könne man nur aufklären, sagt Naumann. Denn mehr als 95 Prozent der Unfälle an Bahngleisen geschähen durch die Missachtung von Regeln oder Unaufmerksamkeit. Nur in Einzelfällen sei technisches Versagen der Grund.

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