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Rendsburg-Eckernförde Hohe Kosten fordern Amt Achterwehr
Region Rendsburg-Eckernförde Hohe Kosten fordern Amt Achterwehr
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15:13 11.12.2018
Von Florian Sötje
Foto: Im Falkenhof in Brux sind aktuell 32 Flüchtlinge untergebracht.
Im Falkenhof in Brux sind aktuell 32 Flüchtlinge untergebracht. Quelle: Sven Janssen
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Amt Achterwehr

Zunächst sehen die Flüchtlingszahlen im Amt Achterwehr nicht so dramatisch aus.  97 Flüchtlinge sind aktuell in zwölf Unterkünften auf sieben Gemeinden verteilt im Amt untergebracht. Hinzu kommen offiziell 67 freie Betten, die nicht belegt sind. Doch so einfach ist das Rechenspiel nicht, sagt Frank Deisemann, ehrenamtlicher Flüchtlingskoordinator des Amtes. Die Flüchtlinge kommen aus zehn verschiedenen Ländern. „Da gibt es verschiedene Konfliktherde“, sagt Deisemann. Insgesamt würden viele verschiedene Lebensgewohnheiten und Traditionen aufeinander treffen, die die Belegung erschweren.

Keine Vorfälle, keine Polizeieinsätze

Der Lernbedarf betreffe aber beide Seiten. „Wenn wir den Menschen etwas erklären, was sie aufgrund der Sprache aber nicht verstehen, kann das zu Angst und Unsicherheit führen“, erklärt Deisemann. Er bekräftigt aber, dass diese bisher noch nie in Gewalt umgeschlagen sei und spricht von einer „extremen Ruhe“. „Wir hatten bislang Erfolg mit unserer Aufteilung – keine Vorfälle, keine Polizeieinsätze.“

Notunterkünfte werden zu Dauerunterkünften

Von 97 untergebrachten Flüchtlingen sind 21 anerkannt und 67 abgelehnt, die weiteren Verfahren laufen. Wer abgelehnt wurde, wird aber nicht automatisch ausgewiesen. Jüngst verlängerten die Innenminister der Länder zum Beispiel den Abschiebestopp nach Syrien bis zum Juni 2019. „Die Menschen sind hier geduldet, aber es wird sich nicht um sie gekümmert. Sie sind dann eben da“, sagt Deisemann. Früher galt eine Duldung für einen Monat, mittlerweile sind es sechs. Deshalb müsse man sich darauf einstellen, dass die Notunterkünfte zu Dauerunterkünften werden, glaubt der Flüchtlingskoordinator.

Freie Plätze nur auf dem Papier belegbar

Hier liegt das nächste Problem. Die Unterbringungen sind dazu nicht geeignet. Das gilt nicht nur für die belegten Unterkünfte. Zu den offiziell 67 freien Plätzen im Amt zählen auch 32 in Jägerslust in der Gemeinde Felde. Hier stehen vier Baracken leer, weil sie marode sind. „Da können wir niemanden unterbringen. Das ist keine adäquate Unterkunft“, sagt Jan-Henrik Holm, zuständig beim Amt für die Unterbringung von Flüchtlingen.

Hohe Belastung für den Amtshaushalt

Die Unterbringung ist zusätzlich eine Kostenfrage und stellt die Amtsverwaltung vor große Herausforderungen. Mit knapp 455.000 Euro belaste dieser Posten jährlich den Amtshaushalt“, erläutert Kämmerer Marco Carstensen. Man werde von Bund und Land mit dem Problem allein gelassen.

Ausschuss sieht schnellen Handlungsbedarf

Im Amtsausschuss ist man sich bewusst, dass es diese für Unterbringung und hohe Mietkosten besser gestern als heute braucht. „Damit müssen wir uns umgehend im kommenden Jahr befassen. So kann es nicht weiter gehen“, fasst Rolf Sebelin (BFF/CDU, Felde) die Stimmung im Ausschuss zusammen.

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