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Rendsburg-Eckernförde Für 1000 Bürger ist es zu laut
Region Rendsburg-Eckernförde Für 1000 Bürger ist es zu laut
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19:39 05.07.2018
Von Tilmann Post
Foto: Halten und wieder anfahren: Auf der Berliner Straße verursacht das eine Menge Krach. Mögliche Lösung sei die „grüne Welle“, sagen Ingenieure der Eckernförder Lärmaktionsplanung.
Halten und wieder anfahren: Auf der Berliner Straße verursacht das eine Menge Krach. Mögliche Lösung sei die „grüne Welle“, sagen Ingenieure der Eckernförder Lärmaktionsplanung. Quelle: Tilmann Post
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Eckernförde

Die Ergebnisse wurden jetzt im Ratssaal vorgestellt. Auf den rund zweieinhalb Kilometern zwischen Lornsenplatz und Ortsausgang am Domsland werden demnach Geräuschpegel von 75 bis 80 Dezibel erreicht. Genauso sieht es auf der Flensburger Straße zwischen Lornsenplatz und Abfahrt zur Bundesstraße 203 in Höhe des Krankenhauses und auf einem einige hundert Meter langen Stück der Berliner Straße am Südstrand aus. Nur ein wenig geringer ist die Lautstärke an der Berliner Straße zwischen Sandkrug und Zentrum, wo immer noch 70 bis 75 Dezibel erreicht werden – auch nicht viel leiser als ein Staubsauger. „Bei mehr als 70 Dezibel wird von sehr hohen Belastungen gesprochen“, erläuterte Sönke Gimmerthal, Projektingenieur des Büros „Lairm Consult“ aus Bargteheide, das die Lärmaktionsplanung betreut. Rund 20 Bürger waren nun ins Rathaus gekommen, um sich an dem Prozess zu beteiligen.

Bundesstraßen im Fokus

Im Fokus des Landesamtes standen Hauptverkehrsstraßen mit einer Verkehrsbelastung von mindestens 8200 Fahrzeugen pro Tag. In Eckernförde betrifft das die Bundesstraßen. Die Daten aus dem Jahr 2017 wurden jedoch nicht per Schallmessung erhoben, sondern durch eine Berechnung auf Grundlage der Verkehrsdichte. Dazu wurden die Fahrzeuge pro Tag gezählt. Das Büro „Lairm Consult“ kam durch eigene Berechnung auf leicht geringere Werte und gibt für alle Bundesstraßen im Stadtgebiet 60 bis 65 Dezibel auf 24 Stunden gesehen an, also Tag und Nacht zusammen. Das entspricht den Ingenieuren zufolge der Lautstärke eines Gesprächs oder eines Fernsehers in Zimmerlautstärke. Zudem haben sie errechnet, dass knapp über 1000 Einwohner, die an den Bundesstraßen wohnen, von Belastungen zwischen 55 und 75 Dezibel betroffen sind.

"Grüne Welle" könnte helfen

Um den Krach von Autos, vorbeidonnernden Lastwagen und knatternden Motorrädern zu minimieren, haben die Planer verschiedene Maßnahmen im Köcher. Möglich sei es, den Busverkehr zu stärken und das Konzept „Stadt der kurzen Wege“ fortzuführen. Außerdem würde es etwas bringen, an den Ampeln die „grüne Welle“ zu forcieren, damit die Fahrzeuge weniger häufig halten und anfahren müssen. Um Bussen freie Fahrt an Ampeln zu ermöglichen, wäre eine Machbarkeitsstudie nötig, hieß es am Donnerstagabend.

Reduzierung um fünf Dezibel für Menschen spürbar

„Das Tempolimit auf 30 Kilometer pro Stunde ist ein Instrument, das derzeit hoch gehandelt wird“, erklärte Björn Heichen, geschäftsführender Gesellschafter bei „Lairm Consult“, aus seiner Erfahrung anderer Städte. Das wurde ebenfalls als mögliche Lösung zumindest für die Berliner Straße genannt. „Das bedeutet eine kurzfristig wirkungsvolle Regelminderung von zwei Dezibel“, so Heichen. Aber: Für den Menschen spürbar sei erst eine Reduzierung um fünf bis zehn Dezibel. In diese Größenordnung würde man kommen, wenn man zusätzlich lärmmindernde Asphaltbeläge aufbringen würde – Einsparung: ein bis drei Dezibel.

Ingenieure nahmen Hinweise von Bürger auf

Bis die Lärmaktionsplanung umgesetzt wird, dauert es noch Monate. Die Bürgerbeteiligung zum Vorentwurf war ein erster Schritt. Die Ingenieure nahmen zahlreiche Hinweise auf. Ein Anwohner der Berliner Straße kritisierte etwa, dass Tempo 30 nichts bringe, wenn es nicht kontrolliert werde. Zudem müsse der Lastwagen-Durchgangsverkehr in der Nacht aus der Stadt herausgehalten werden. Ein anderer Bürger wies auf den Lärm in der Straße „Auf der Höhe“ hin. Tempo 80 auf der Flensburger Straße kam ebenfalls zur Sprache. Alle Anmerkungen fließen in den Entwurf ein, der weiter beraten wird und vermutlich Ende des Jahres von der Ratsversammlung beschlossen werden kann.

Hans-Jürgen Jensen 05.07.2018
Tilmann Post 05.07.2018
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 04.07.2018