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Rendsburg-Eckernförde In Schmalstede beginnt die Karpfen-Zeit
Region Rendsburg-Eckernförde

Neues Buch von Jürgen Baasch: In Schmalstede beginnt die Karpfen-Zeit

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17:00 30.10.2021
Von Frank Scheer
In diesem Jahr ist beim Abfischen in Schmalstede keine Öffentlichkeit dabei – 2017 hatte Seniorchef Georg Plambeck ein Prachtexemplar in den Händen.
In diesem Jahr ist beim Abfischen in Schmalstede keine Öffentlichkeit dabei – 2017 hatte Seniorchef Georg Plambeck ein Prachtexemplar in den Händen. Quelle: Sven Janssen (Archiv)
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Bordesholm/Schmalstede

Wie im Vorjahr erfolgt das Abfischen der Karpfen aus dem Mühlenteich in Schmalstede am ersten Novemberwochenende wegen der Corona-Pandemie ohne Öffentlichkeit. „Wir wollen wegen der deutlich gestiegenen Inzidenzen kein Risiko“, sagte Britta Plambeck, die in der sechsten Generation mit ihrem Partner Dirk Mordhorst die Zucht betreibt. Vor der Viruskrise war der Tag des Abfischens jährlich ein eintägiges Volksfest mit bis zu 300 Gästen. Autor Jürgen Baasch aus Bordesholm hat mit Ingrid Haydt jetzt auch eine kleine Broschüre zur Historie der Karpfenzucht in der Schmalstedter Mühle, veröffentlicht – natürlich auch mit leckeren Rezepten.

Jürgen Baasch, Autor und ehemaliger Bürgermeister von Bordesholm, und Ingrid Haydt haben eine Broschüre zur Karpfenzucht in Schmalstede veröffentlicht. Quelle: Frank Scheer

Bereits die Mönche, die Bordesholm quasi mit dem Bau des Augustinerklosters am Bordesholmer See gegründet hatten, liebten vor allem den „Fisch und Holz“, wie der ehemalige Bürgermeister Jürgen Baasch in der Broschüre schreibt. „Denn die Brüder essen gerne Fische und sitzen gerne warm, dieweil sie sich wenig bewegen“, zitiert er aus dem 1652 erschienenen Danckwerth-Atlas.

Über einen Mönch läuft der Schmalsteder Mühlenteich leer. Quelle: Frank Scheer

Der Fischreichtum dürfte als ein wichtiger Faktor für die Standortentscheidung gesehen werden. 1327 gilt als Gründungsdatum für Bordesholm. Sechs Jahre später kauften die Mönche auch die Wassermühle am Schmalsteder Teich, fand Baasch weiter heraus. In der Hand der Familie Plambeck ist die Fischzucht übrigens seit 1878. Die Broschüre ist zum eigentlichen öffentlichen Abfisch-Event von ihm und Ingrid Haydt präsentiert worden. „Man setzt mit diesem Büchlein dem Karpfen in Schmalstede ein kleines Denkmal“, so Britta Plambeck. „Die öffentliche Absage ist schade, vor allem für die vielen Kinder. Aber wir wollen alles vermeiden, was wieder zu einer hohen Ansteckungsrate führen könnte“. Sie sprach den vielen treuen Kunden ihren Dank aus.

Wie im vergangenen Jahr werde der Verkauf des fangfrischen Karpfens in der Woche nach dem Abfischen beginnen. Das Prozedere ist der eigentliche Kult. Das Schott am Bordesholmer See ist dicht – die Plambecks haben laut Pachtvertrag, der 1766 erstellt wurde, das Staurecht. Über den Stintgraben kommt normalerweise das Wasser nach Schmalstede. Seit fünf Tagen läuft der Schmalsteder Mühlenteich aber über einen geöffneten Mönch leer: 200 000 Kubikmeter Wasser gehen quasi den Bach runter. „Per Bretter kann die Abflussmenge aus dem Teich gesteuert werden“, so Dirk Mordhorst. Einzelne Fische werden ab und an mit in den Bach gezogen.

Der Hauptteil des Fischbesatzes wird im Restwasser am Abfischtag in den Bach gezogen. In einer speziellen Hütte werden die Karpfen dann über ein Gitter abgefangen und in den Hälterteich transportiert. Die Karpfenmenge sei in jedem Jahr unterschiedlich, so Mordhorst. In jedem Winter kommen neue Jungfische, die aus Teichen in Lewitz in Mecklenburg-Vorpommern stammen, in den Mühlenteich in Schmalstede. Sie wiegen dann etwa ein Kilo und messen 30 Zentimeter. Zum Verkauf kommen Karpfen, die mindestens zwei bis drei Kilo auf die Waage bringen.

Dirk Mordhorst (von links), Ingrid Haydt und Britta Plambeck am Ablaufbach. Im Vordergrund ist die Hütte zu sehen, in der ein Gitter verhindert, dass die Karpfen in die Eider gelangen. Quelle: Frank Scheer

Als Glücksbringer zum Jahreswechsel gilt der Karpfen schon: Legt man eine Schuppe ins Portemonnaie, soll das Geldsegen im nächsten Jahr bringen. Aus Sicht von Dirk Mordhorst ist es eigentlich auch Zeit, dass der Karpfen kulinarisch von seinem muffigen Image befreit wird. „Mit dem Fisch verbindet man Oma, Badewanne und Modder.“

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Die junge Generation sollte sich aber mal selbst ein Bild vom „sehr schmackhaften Spiegelkarpfen“ machen. Mit der Auswahl der Rezepte – gegrillte Karpfenfilets oder Tipps des 2019 verstorbenen Kabarettisten Werner Schneyder sowie Karpfen Holstein oder in Bier pochiert – will man dem Rechnung tragen. „Zudem ist der Karpfen der einzige Fisch, der nachhaltig gezüchtet werden kann“, stellte Mordhorst klar. Die Broschüre ist in der Ahlmannschen Buchhandlung und in der Mühle Plambeck zu bekommen.

Frank Scheer 30.10.2021
Beate König 30.10.2021
Marc R. Hofmann 30.10.2021