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Region Rendsburg-Eckernförde

Rendsburg: Bürger buddeln für schnelles Internet

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17:56 04.07.2021
Von Marc R. Hofmann
Sorgen selbst für schnelles Internet (v.l.): Wolfgang Göttsch, Frank Hornberger, Thore Overath und Christopher Casey.
Sorgen selbst für schnelles Internet (v.l.): Wolfgang Göttsch, Frank Hornberger, Thore Overath und Christopher Casey. Quelle: Marc R. Hofmann
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Rendsburg

„Durch Homeoffice und Homeschooling wurde die geringe Bandbreite in unserer Straße zum echten Problem“, sagt Thore Overath. Über mehrere Jahre hatten die Anwohner der Siedlung auf dem Klint in Rendsburg versucht, schnelles Internet zu bekommen. Vergeblich, denn wo lediglich ein Reiterhof und ein knappes Dutzend Häuser stehen, lohnt sich der Anschluss für die Anbieter nicht. Beruflich gut vernetzt und handwerklich nicht auf den Kopf gefallen, beschlossen die Nachbarn, selbst Hand anzulegen. Dabei sicherten die Stadtwerke ihre Unterstützung zu.

Rendsburg: Illustres Team von Anlagenmechaniker bis Zahnchirurg

„Wir sind alle vom Fach. Mehr oder weniger“, beschreibt Overath die Gemeinschaft. Also sorgen sie mit Bordmitteln selbst für schnelles Internet. Overath ist Vermessungsingenieur, verfügt in seinem Betrieb über eigene Baumaschinen. In dem illustren Team engagieren sich noch Nachbarn, die im beruflichen Leben als Anlagenmechaniker , Gynäkologin, Tierärztin oder Zahnchirurg arbeiten. „Für uns ist das therapeutisches Feierabend-Baggern“, sagt er.

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Den Stadtwerken in Rendsburg habe man eine fachgerechte Ausführung zugesagt und dazu noch die Verlegung eines Stromkabels angeboten. Nach einigem Hin und Her folgte die Zusage für die ungewöhnliche Kooperation. Während die Nachbarn weitgehend für die Leitungsverlegung sorgen, kümmert sich der städtische Betrieb um den Anschluss der elf Anlieger an sein Glasfasernetz und stellt im kommenden Jahr noch neue Straßenlaternen auf. „Dafür sind wir dankbar“, sagt Overath.

Arbeit ist Abwechslung vom Job-Alltag

Vier bis fünf Nachbarn machen jeden Abend mit, Baggern und Schaufeln für einige Stunden und bereiten die Anschlüsse bis zu den Häusern vor. Bis zu 1000 Megabit pro Sekunde sollen dann pro Haus möglich sein. „Jeder hilft mit, egal ob mit Arbeitsraft, Verpflegung oder guten Ratschlägen“, sagt Overath und grinst.

Auf dem Klint in Rendsburg: Wo nur ein Reiterhof und ein knappes Dutzend Häuser stehen, haben Anwohner die Dinge jetzt in die Hand genommen und sorgen selbst für einen Glasfaser-Anschluss.

Für einige der Anwohner ist die Arbeit eine willkommene Abwechslung zu ihrem täglichen Job. Während Frank Hornberger als Kieferchirurg feinste Handarbeit leisten muss, „kann ich hier mal grob arbeiten“, sagt er. In der Siedlung hat er gerade ein Grundstück gekauft, guter Nachbarschaft kann er sich jedenfalls sicher sein.

Ab August soll es schnelles Internet geben

Ähnlich sieht das Christopher Casey. „Tagsüber repariere ich Land- und Baumaschinen, abends fahre ich sie jetzt“. Und wird doch mal größeres Gerät benötigt, wie für die Passage über eine Koppel Richtung Eider, bringt er den passenden Bagger gleich von der Arbeit mit. So bleiben auch die Kosten minimal. Organisator Overath schätzt: „Da wir fast alles selbst machen, kostet uns das vielleicht 500 Euro für Sprit und den Maschinentransport.“

Binnen 14 Tagen wollen die tatkräftigen Männer und Frauen ihr Projekt abgeschlossen haben. Schon im August könnte auf dem Klint statt schnellem Arbeiten schnelles Surfen auf dem Programm stehen. Zumindest im Feierabend.

Paul Wagner 04.07.2021
Beate König 04.07.2021
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 04.07.2021