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Rendsburg-Eckernförde Streit in der SPD um ein Denkmal
Region Rendsburg-Eckernförde Streit in der SPD um ein Denkmal
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18:15 16.04.2019
Von Hans-Jürgen Jensen
Foto: Günter Neugebauer steht neben der Büste des früheren Rendsburger Bürgermeisters Dr. Heinrich de Haan.
Günter Neugebauer steht neben der Büste des früheren Rendsburger Bürgermeisters Dr. Heinrich de Haan. Quelle: Wolfgang Mahnkopf
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Rendsburg

Mit seinem Ende 2018 veröffentlichten Buch über "Opfer und Täter in Rendsburgs NS-Zeit" hat Neugebauer eine Diskussion über den 1957 verstorbenen Heinrich de Haan losgetreten. Dieser war zweimal Bürgermeister, von 1929 bis 1934 und von 1950 bis zum Tod. Vor dem Historischen Rathaus steht seit zehn Jahren eine Büste des Politikers.

Er galt bisher in der Öffentlichkeit als unbescholten. Neugebauer widerspricht. De Haan habe sich den Nazis angebiedert. Die Büste müsse weg, sagt Neugebauer.

"Uwe Danker soll Rolle von Nazi-Bürgermeister untersuchen"

Die umstrittene SPD-Initiatve reichte Ratsfrau Saskia Bruhn ein. Sie will in der kommenden Sitzung des städtischen Kulturausschusses ein Gutachten beantragen: "Die politische Rolle des Bürgermeisters Heinrich de Haan ist von einem Historiker zu untersuchen und darzustellen."

Erst dann solle die Stadt "über die weitere öffentliche Würdigung Heinrich de Haans in Form der Bronze-Büste auf dem Altstädter Markt entscheiden". Sie empfiehlt Prof. Uwe Danker, den Leiter der Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte in Flensburg, als Experten.

Der Parteivorstand stehe hinter dem Antrag, sagte sein Vorsitzender Matthias Bruhn. Es gehe darum, auch die anderen Fraktionen der Ratsversammlung einzubinden. Grundsätzlich sei er ein Freund "von mehreren Meinungen". Er halte aber nichts von dem Denkmal. "Mit einer Büste ehrt man ganz besondere Leute, und das spreche ich Herrn de Haan ab."

"Unsinniger Antrag"

Die Initiative sei mit ihm nicht abgesprochen, erklärt René Sartorius, der SPD-Fraktionschef. "Der Antrag ist völlig unsinnig. Wir brauchen kein Gutachten." Die Büste müsse weg. Er wolle versuchen, die Sache bei einer Fraktionssitzung an diesem Dienstagabend einzufangen.

"Ich bin erstaunt"

Der Antrag sei "in der Tat ein Affront", zürnt Neugebauer. Er habe kein Verständnis. "Ich distanziere mich öffentlich von diesem Antrag." Das geforderte Gutachten sei "Verschwendung von Steuergeldern". Erst durch Nachfrage dieser Zeitung erfuhr Neugebauer von dem SPD-Vorstoß. "Ich bin erstaunt."

Der Kreis ließ de Haans Namenszug vor wenigen Wochen von einer Schule in Rendsburg entfernen.

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Die Rendsburger SPD will ein Gutachten über den Nazi-Bürgermeister.
Tilmann Post 16.04.2019