Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Rendsburg-Eckernförde Mobile Jugendarbeit aber noch kein neues Gesamtkonzept
Region Rendsburg-Eckernförde

Rendsburg: Mobile Jugendarbeit aber noch kein neues Gesamtkonzept

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:16 29.11.2021
Von Marc R. Hofmann
Haben ein Konzept für die mobile Jugendarbeit in Rotenhof ausgearbeitet (v.l.): Sven Gennat, Eric Zölck und Martin Glüsing.
Haben ein Konzept für die mobile Jugendarbeit in Rotenhof ausgearbeitet (v.l.): Sven Gennat, Eric Zölck und Martin Glüsing. Quelle: Marc R. Hofmann
Anzeige
Rendsburg

Teilerfolg für die offene Kinder- und Jugendarbeit in Rendsburg: Der Stadtteil Rotenhof wird nach dem Rückzug der Gemeinde St. Jürgen aus dem Jugendtreff A4 ein – wenn auch vermindertes – Angebot bekommen. Der Sozialausschuss empfahl, für eine Übergangszeit die Brücke mit mobiler Jugendarbeit zu beauftragen. In der Zwischenzeit soll ein neues Gesamtkonzept für die Stadt ausgearbeitet werden.

Rendsburg: Rotenhof bekommt mobile Jugendarbeit

Martin Glüsing von der Brücke freut sich, dass es gelungen ist, die Politik zumindest von dieser Zwischenlösung zu überzeugen. Klar sei aber auch, dass es nur eine „Minimallösung“ ist, wie er sagt. Statt bisher 93 500 Euro pro Jahr werden für das neue Angebot nur noch 33 100 Euro bereitgestellt. Damit soll an zwei bis drei Tagen pro Woche ein mobiles Angebot im Rendsburger Stadtteil Rotenhof gemacht werden. Zielgruppe sind Heranwachsende bis 27 Jahre.

Am Standort des bisherigen Jugendtreffs öffnet Anfang Dezember unterdessen ein vom Kreis finanziertes Familienzentrum in Trägerschaft der Diakonie. Es wird auch Angebote für Kinder machen. Obwohl die schlechte Vereinbarkeit von Familien- und Jugendangeboten nach Angaben der Kirche ein Grund für die Aufgabe gewesen ist, bietet der neue Träger kurzfristig an, dort auch wieder Programm für ältere Jugendliche und junge Erwachsene anzubieten.

Auch Diakonie macht Angebot

Das Programm sollte in Zusammenarbeit mit dem Jugendtreff Europaforum und der Offenen Ganztagsschule Rotenhof angeboten werden. 12 500 Euro beantragte die Diakonie dafür – was der Politik in Zeiten knapper Kassen zu unspezifisch war. Sie lehnte ab.

Der Newsletter der Holsteiner Zeitung

Alles Wichtige aus Rendsburg-Eckernförde und Neumünster. Jeden Montag gegen 17 Uhr im E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Unterdessen betont Martin Glüsing, wie wichtig weitere Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene in Rendsburg sind: „Der Bedarf ist durch Corona eher größer geworden.“ Die von ihm angebotene Kulturfabrik endet 2021, weitere mit EU-Geld geförderte Projekte laufen im Sommer 2022 aus, ohne dass ein Ersatz absehbar sei. Dabei sei das Programm in Mastbrook bereits jetzt ausgelastet.

Politik uneins über weitere Finanzierung

Unterdessen zeigt sich Saskia Bruhn, Vorsitzende des Sozialausschusses, zufrieden, dass es zumindest gelungen ist, mit der mobilen Jugendarbeit eine Übergangslösung zu finden. „Wir brauchen im kommenden Jahr eine Übersicht, wo und an wie vielen Orten Jugendarbeit stattfinden soll“, sagt die SPD-Politikerin.

Ihre Partei habe für die externe fachliche Begleitung bereits Geld in den Haushalt einstellen wollen. Bürgermeisterin Janet Sönnichsen (parteilos) habe jedoch angeregt, zunächst Vorschläge im Rathaus zu erarbeiten und auf der nächsten Sitzung des Ausschusses im Januar 2022 vorzustellen. „Ich sehe das kritisch. Das hat in diesem Jahr schon nicht geklappt“, sagt Bruhn. Die Verwaltung wisse schließlich seit Februar diesen Jahren vom Rückzug der Kirche.

Streetworkerin will Heranwachsende in Entscheidung einbinden

Großen Bedarf sieht indessen auch Andrea Wieczorek. „Das Ergebnis ist dünn“, sagt die Streetworkerin. Wieczorek wird schon jetzt regelmäßig gerufen, wenn Jugendliche im öffentlichen Raum als störend empfunden werden. Gerade während der Schließung der Jugendzentren durch die Corona-Pandemie seien neue Schwerpunkte entstanden. In Rendsburg etwa der Obereiderhafen, vor dem H&M, am ZOB vor der Sparkasse und im Umland die Schulhöfe.

„Die wollen einfach nur irgendwo sein“, sagt Wieczorek. Alternativen seien derweil dünn gesät. Jenseits des Jugendzentrums in Mastbrook sei das Angebot in Rendsburg zu stark auf jüngere Kinder fokussiert. Für das kommende Jahr fordert sie eine direkte Mitsprache der Kinder- und Jugendlichen bei der Konzeption eines neuen Programms. „Erwachsene können das nicht stellvertretend entscheiden. Auch ich nicht“, so die Streetworkerin.

 

Frank Scheer 29.11.2021
Die Region im Panoramaformat - Neue Foto-Ansichten von Eckernförde
Christoph Rohde 29.11.2021