Rendsburg: Soldaten helfen dem Kreis bei der Kontaktnachverfolgung
Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Rendsburg-Eckernförde Jetzt hilft die Bundeswehr im Kreishaus
Region Rendsburg-Eckernförde

Rendsburg: Soldaten helfen dem Kreis bei der Kontaktnachverfolgung

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:57 09.11.2020
Von Paul Wagner
Stabsfeldwebel Holger Wagner und seine Kollegen sind im Rendsburger Kreishaus im Einsatz.
Stabsfeldwebel Holger Wagner und seine Kollegen sind im Rendsburger Kreishaus im Einsatz. Quelle: Paul Wagner
Anzeige
Rendsburg

Landrat Rolf-Oliver Schwemer begrüßte die Einheit, die ab sofort in Uniform Telefondienst schiebt. „Wir sind sehr dankbar, dass uns ihre Leute bei unserer Arbeit unterstützen“, sagte Schwemer zu Oberst Axel Schneider, Kommandeur beim Landeskommando Schleswig-Holstein. „In der vergangenen Woche haben wir nun die Sieben-Tage-Inzidenz von 35 im Kreis überschritten und somit die Möglichkeit, auf Unterstützung der Bundeswehr zurückzugreifen“, so Schwemer. Der Kreis habe sich den ganzen Sommer auf eine mögliche Verschärfung der Corona-Lage vorbereitet.

Die Soldaten sind hoch motiviert

Obwohl aktuell bis zu 150 Menschen in Lagezentrum, Bürgerservice, Ahndung oder im Außeneinsatz mit der Bewältigung der Krise beschäftigt seien, stehe man vor einer großen Herausforderung. Vor allem die nötigen Telefonate mit Corona-Infizierten und deren Kontakten gehen wöchentlich in die Hunderte. Etwa 15 Telefonate könne ein Mitarbeiter pro Tag vernünftig führen, sagt Prof. Stephan Ott, Leiter des Lagezentrums. An dieser Stelle kommen die Soldaten ins Spiel. Gestern und heute werden sie von den Mitarbeitern des Kreises geschult. Unter anderem werden etwa 20 Minuten lange Eröffnungsgespräche geführt und Leitfäden zur Gesprächsführung abgearbeitet. „Unsere Leute werden sehr gut von den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes unterstützt. Sie arbeiten zielgerichtet und verbindlich“, bestätigt Oberst Schneider. Alle Soldaten seien hoch motiviert in diesen Einsatz gegangen. Sie wurden auch nach ihren sozialen Fähigkeiten ausgewählt. Für die Aufstockung des Personals hat der Kreis weitere Besprechungs- und Schulungsräume in Telefonzentralen umgewandelt. Auch der nahegelegene Löschzug Gefahrgut und die Kreistagsfraktionen haben ihre Räume als Reserve zur Verfügung gestellt.

Betroffene reagieren positiv auf den Einsatz

Wird ein Betroffener von einem Bundeswehrsoldaten kontaktiert, bekommt er zunächst gar nicht mit, dass ein Soldat am anderen Ende der Leitung ist. Nach Auskunft von Nina Fiedler, Leiterin im Fachbereich Zentrale Dienste, melden sich die Soldaten am Telefon als Mitarbeiter des Kreises. „Es gibt kein Gebot, dass sich die Soldaten mit ihrem Rang melden“, unterstreicht Oberst Schneider. Oft ergebe sich das aber in den Gesprächen. Die Erfahrungen in anderen Gesundheitsämtern habe gezeigt, dass fast alle Kontaktierten positiv auf den Einsatz der Bundeswehr reagierten.

Ablösung in der kommenden Woche

Insgesamt werden in den kommenden vier Wochen 20 Soldaten im Kreis arbeiten, jeweils zehn Militärangehörige sind für sieben Tage abkommandiert. In der Folgewoche wird gewechselt. Die Soldaten kommen von der dritten Kompanie des Spezialpionierregiments 164 in Husum und betreiben eigentlich Feldlager der Bundeswehr im Ausland. Ein Teil der Soldaten lebt in der Region und pendelt jeden Morgen ins Kreishaus. In dieser Woche sind zudem vier Soldaten im Nordkolleg untergebracht und werden in der Kantine des Kreishauses versorgt. Ob sie auch nach Ende des vierwöchigen Einsatzes noch in Rendsburg gebraucht werden, stehe noch nicht fest. „Es gibt für uns dann die Möglichkeit, einen Folgeantrag zu stellen“, unterstreicht Landrat Schwemer.

Inzidenz-Wert steigt

Zum gestrigen Wochenstart meldete der Kreis zahlreiche neue Corona-Fälle, die am Wochenende hinzugekommen sind: 29 am Sonnabend, zehn am Sonntag und 20 am gestrigen Montag. Da mittlerweile auch viele Menschen wieder als genesen gelten, waren am gestrigen Abend 159 aktive Fälle – und damit genauso viele wie am Freitag – im Kreisgebiet registriert. Die sieben-Tage-Inzidenz lag am Abend bei 46.

Paul Wagner 09.11.2020
Christoph Rohde 09.11.2020
Tilmann Post 09.11.2020