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Rendsburg-Eckernförde Schulstart in SH: Was Gymnasiasten jetzt wollen und was sie kritisieren
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Schulstart in SH: Was Gymnasiasten jetzt wollen und was sie kritisieren

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14:53 11.01.2022
Von Cornelia Müller
"Wir sind heilfroh, dass wir Präsenzunterricht haben", sagt Paul Saupe. Der Schülervertreter der Jungmannschule in Eckernförde gehört dem Vorstand der Landesschülervertretung der Gymnasien an. Die Position der LSV sei mit in die Landesverordnung eingeflossen, "auch wenn wir vor der Entscheidung leider nicht persönlich gehört wurden".
"Wir sind heilfroh, dass wir Präsenzunterricht haben", sagt Paul Saupe. Der Schülervertreter der Jungmannschule in Eckernförde gehört dem Vorstand der Landesschülervertretung der Gymnasien an. Die Position der LSV sei mit in die Landesverordnung eingeflossen, "auch wenn wir vor der Entscheidung leider nicht persönlich gehört wurden". Quelle: Cornelia D. Mueller
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Eckernförde

Am Montag, 10. Januar, enden die Weihnachtsferien. Damit beginnt die Schule wieder mit Präsenzunterricht – trotz stark steigender Corona-Infektionszahlen. Die Landesschülervertretung der Gymnasien ist dennoch heilfroh, dass Distanzunterricht erst einmal vom Tisch ist. Aber was ist im Quarantäne-Fall? Der Eckernförder Jungmannschüler Paul Saupe (18) ist im Landesvorstand für die Digitalisierung zuständig. Er sieht noch Probleme auf Schüler und Lehrer zukommen. Wenn die Pandemie es erfordere, „sind wir bereit, in Distanz zu gehen. Wir müssen uns gut vorbereiten“, sagt er.

Herr Saupe, freuen Sie sich auf den Präsenzunterricht am Montag?

Definitiv. Wir hatten mehr als genug Distanzlernen. Ich selbst fühle mich gut vorbereitet. Ich bin im Abi-Jahrgang, da ist vieles Wiederholung. Wir „Alten“ können das auch online ganz gut. Aber wenn die Jüngeren oder die Mittelstufe ein drittes Mal in den Distanztrott fallen müssten, kämen sie schwer wieder raus. Es ist in Präsenz ein ganz anderes Erlebnis. Der Unterricht hat online nicht so funktioniert, wie man sich das wünscht.

Schule in Schleswig-Holstein und Corona: Was nicht funktionierte

Was funktionierte nicht?

Zum einen wurde erst nicht ausreichend fortgebildet. Es fehlten Kompetenzen. Das gilt eigentlich für alle Gymnasien.

Bei den Lehrern oder bei den Schülern?

Sowohl als auch. Am Anfang wussten viele Lehrer nicht mal, wie sie die Programme oder eine Konferenz starten. Das geht jetzt relativ gut. Aber auch viele Schüler mussten erstmal in die digitalen Systeme eingewiesen werden. Da wurde schon viel nachgebessert auf beiden Seiten. Vor allem bei jüngeren Schülern und in Haushalten, wo es nicht ausreichend Unterstützung von Eltern oder Geschwistern gibt, ist das schwierig.

Befürchten Sie, dass zumindest ein Teil doch wieder zu Hause lernen muss?

Definitiv. Das Virus ist für uns greifbarer denn je. Ich selbst erlebe das zum ersten Mal vermehrt bei Bekannten. Auch wenn Einzelne oder kleinere Gruppen in den Distanzunterricht gehen, stellt sich die Frage der Vergleichbarkeit. Wenn man in Quarantäne ist, fehlen unter Umständen Wochen an Stoff.

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Was schlagen Sie vor?

Wir haben im Landesvorstand besprochen: Es muss möglich sein, dass alle, denen es gesundheitlich gut geht, am Laptop dem Unterricht zuhören. Es kann ein Schüler oder eine Schülerin sein, die die Stunde an einem Gerät überträgt. Wenn die Lehrkräfte es hinbekommen, dass die Tafel gestreamt wird, wäre das super.

Wäre das in den Klassen an Ihrer Schule möglich?

Ja. Wir haben flächendeckend Internet und genügend Geräte. Das ist wichtig. Wenn etwas nicht funktionieren sollte, kann man ältere Schüler fragen.

Zur Person: Das ist Paul Saupe

Paul Saupe ist im zwölften Jahrgang der Jungmannschule Eckernförde. An dem Gymnasium wird das Abitur in der zwölften Klasse abgelegt. Der 18-Jährige hat das naturwissenschaftliche Profil gewählt und ist Experte in Sachen IT und Digitalisierung. So unterstützt er im Schülerteam die Digitalisierung an seiner Schule. Er schult auch Lehrer ebenso wie Kinder und Jugendliche im Umgang mit Gerät und Software. Er ist Schülervertreter in Eckernförde und gehört dem Vorstand der Landesschülervertretung der Gymnasien an. Dort hat er das Referat Digitalisierung übernommen. Im Sommer ist Saupe am liebsten am Strand. Er spielt Volleyball und geht oft ins Fitnessstudio.

Welche Stolpersteine gibt es aus Sicht der Landesschülervertretung aktuell an den Gymnasien?

E-Learning-Tools funktionieren teils immer noch nicht ausreichend. Videokonferenzen laufen nicht flüssig. Aufgaben sollten auch nicht einfach nur zugeschickt werden, wie es teilweise passiert ist. Gerade bei Jüngeren müssen Lehrkräfte viel mehr prüfen, ob sie bearbeitet werden.

Bildungsministerin Karin Prien hat gesagt, dass auch mit Schülervertretungen gesprochen worden sei. Wie ist die Landesschülervertretung der Gymnasien in die Beschlüsse einbezogen worden?

Leider nicht im Gespräch, bevor die Beschlüsse gefasst wurden. Je zwei bis drei aus den Schülervertretungen und Elternvertreter hatten das Gespräch mit ihr, als schon alles feststand. Immerhin wurden wir früher als die Presse informiert und durften unsere Meinung sagen. Wir hatten uns vorher über Pressebeiträge geäußert. Mein Eindruck: Was wir da inhaltlich gesagt hatten, ist tatsächlich mit berücksichtigt. Das ist besser als in Vorjahren. Von vornherein mit dabei zu sein, wäre unser Traum. Man hat uns zugesagt, dass Dinge aus diesem Gespräch künftig berücksichtigt werden.

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Sehen Sie Ihren Jahrgang im Nachteil gegenüber Abiturienten vor der Pandemie?

Es soll ja einen Ausgleich geben. Einige Themen wurden für die Prüfungen gestrichen. Es soll wohl auch etwas mehr Zeit geben. Das finde ich sehr gut. Ich selbst fühle mich vorbereitet, weil wir an der Jungmannschule fast durchgängig Unterricht hatten, auch in der Distanz. Ich weiß aber von anderen Schulen, dass es nicht so gut lief. Außerdem ist nicht jeder der Lerntyp für die Distanz. Und dann fehlt allen das Gespräch mit Sitznachbarn, der kurze Draht zu Lehrern. Es wird im Studium oder in der Ausbildung allen bewusst sein, dass in der Pandemie vieles für uns anders war.

Sollten mehr Schülerinnen und Schüler geimpft sein?

Ich bin kein Experte. Ich bin geimpft und finde es richtig. Man sollte sich nach den Empfehlungen der Stiko richten. Es war gut, dass es an Schulen Beratung und die Möglichkeit zum Impfen gab. Alle sollten auch das Beratungsangebot der Hausärzte annehmen.

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Welches ist ihr größter Wunsch, den Sie von der Schule haben?

Dass möglichst durchgängiger, aber vor allem sicherer Präsenzunterricht möglich ist. Und dass man bei höheren Infektionszahlen auf Distanzlernen vorbereitet ist. Hierfür ist wichtig, dass sich alle regelmäßig testen lassen – ob geimpft oder nicht. Wir hätten uns gewünscht, dass die Tests ab diesem Montag für alle verpflichtend gewesen wären und nicht nur eine Empfehlung. Weil Omikron weitaus ansteckender ist als die andere Corona-Varianten, finde ich es unverantwortbar, Schulen ungetestet zu betreten.

Christoph Rohde 09.01.2022
KN-online (Kieler Nachrichten) 09.01.2022
Greta Weber 09.01.2022