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Rendsburg-Eckernförde Wolf steigert sich in den Blutrausch
Region Rendsburg-Eckernförde Wolf steigert sich in den Blutrausch
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07:00 08.11.2018
Von Beate König
Foto: Wer auf einen Wolf trifft, sollte sich langsam zurückziehen.
Wer auf einen Wolf trifft, sollte sich langsam zurückziehen. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert
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Region Holstein

Mit dem Fund von zwei toten und neun schwer verletzten Schafen auf einer Weide im Moor bei Schülp begann die nicht abreißende Flut von Meldungen über vermutet Schaf- und Kalbs-Risse in der Landesmitte. Hans-Jürgen Göttsche, Leiter des für Schülp zuständigen Hegerings Loop, ist sich zu 95 Prozent sicher: „Es ist ein Wolf gewesen.“

Blutrausch ist Teil des Jagdinstinkts

Die Kehlbisse machen Göttsche sicher in seiner Bewertung. Der Hegeringleiter kennt das Jagdverhalten von wilden Hunden aus eigener Anschauung. Gerate ein Wolf in einen Blutrausch verhalte er sich anders als wilde Hunde. Der Blutrausch sei Teil des Jagdinstinkts, der Wolf steigere sich ins Jagen hinein. Charakteristisch sei dann der Biss in die Kehle - das Beutetier wird im Anschluss nicht gefressen.

Hunde anleinen

Bei Verhaltensregeln für Spaziergänger, die einen Wolf treffen, rät der Hegeringleiter: Hunde anleinen, Wölfe halten frei laufende Vierbeiner wahrscheinlich für einen Rivalen.

Bei Sicherheitstipps für Menschen verweist Göttsche ans Land: „Tagsüber ist es höchst unwahrscheinlich, einem Wolf zu begegnen“, erklärt Martin Schmidt, Pressesprecher beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Komme es zu einer Begegnung, soll Lärm wie das Klatschen in die Hände das Wildtier vertreiben. Nach einer Wolfssichtung, sollten sich Menschen langsam und ruhig zurückziehen.

Sichtungen sofort melden

„Bis heute wurde nicht beobachtet, dass ein Wolf sich Menschen nähert,“ betont Schmidt. Jede Sichtung - im Land gab es laut Schmidt gerade eine Hand voll - sollten dem Wolfs-Manager Fritz Matzen auf der Hotline gemeldet werden. Wer genug Ruhe habe, könne ein Foto schießen. „Das kann die Beschreibung erleichtern.“

Im LLUR arbeiten vier Mitarbeiter, landesweit weniger als zehn hauptamtliche Kräfte in integrierten LLUR-Stationen für das Wolfs-Management, erklärte Schmidt. Die landesweit rund 70 Wolfsbetreuer sind größtenteils Jäger, ausgewiesene Artenkenner und mehrheitlich Ehrenamtler.

Matzen koordiniert die 18 über das Land verteilten Riss-Gutachter, die aus Bisswunden gerissener Tiere fachgerecht den Speichel des Jagd-Tiers für DNA-Proben nehmen können. Auf der seit 2007 geführten Wolfskarte des Landes sind 120 nachgewiesene Wolfsmeldungen verzeichnet. Mehr als die Hälfte, 70, stammen aus dem Jahr 2018.
Notfall-Hotline: 0174 / 63 30 335.
www.schleswig-Holstein.de

Ulf Billmayer-Christen 08.11.2018
Christoph Rohde 07.11.2018
Christoph Rohde 07.11.2018