Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Rendsburg-Eckernförde Bilderbuchkino in ukrainischer Sprache für geflüchtete Kinder
Region Rendsburg-Eckernförde

Ukrainerin liest in der Gemeindebücherei von Flintbek Geflüchteten vor

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:00 09.04.2022
Von Sorka Eixmann
Mit Unterstützung von Iryna Borodina kann Büchereileiterin Andrea Frahm ein Bilderbuchkino veranstalten, bei dem die Bücher auch auf ukrainisch vorgelesen werden.
Mit Unterstützung von Iryna Borodina kann Büchereileiterin Andrea Frahm ein Bilderbuchkino veranstalten, bei dem die Bücher auch auf ukrainisch vorgelesen werden. Quelle: Sorka Eixmann
Anzeige
Flintbek

Seit elf Jahren leitet Andrea Frahm die Gemeindebücherei in Flintbek, seitdem gibt es Bilderbuchkinos für den lesenden Nachwuchs – wenn er denn mindestens zehn Minuten still sitzen kann. Das 100. Bilderbuchkino am Montag, 11. April, 15.30 Uhr, soll daher etwas Besonderes sein: Mit Unterstützung von Iryna Borodina wird es die Bücher auch in unkrainischer Übersetzung geben – die 14-Jährige hat die Bücher übersetzt.

„Ich möchte gern, dass unsere Gäste aus der Ukraine den Ort Bücherei entdecken, daher habe ich mithilfe von Iryna diese Veranstaltung so organisiert“, erklärt Frahm. Iryna lebt seit vier Jahren mit ihrer Familie in Flintbek, sie bezeichnet sich selbst als „Leseratte“. Natürlich leben derzeit auch Geflüchtete aus der Ukraine bei Familie Borodina. „Meine Familienangehörigen haben bereits eine Wohnung gefunden und renovieren sie, dann können sie bald einziehen“, sagt sie.

Der Newsletter der Holsteiner Zeitung

Alles Wichtige aus Rendsburg-Eckernförde und Neumünster. Jeden Montag gegen 17 Uhr im E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Der Schrecken des Krieges in ihrer Heimat geht nicht spurlos an dem jungen Mädchen vorbei. Schließlich war sie fast zehn Jahre alt, als sie die Ukraine verlassen hat und kann sich gut an ihre Heimat erinnern. „Ich weiß von Telefonaten mit Freunden und Familienangehörigen, dass hinter unseren Häusern direkt Kriegsschauplätze sind. Der Krieg mit Panzern und Toten quasi auf der Wiese hinter meinem Haus. Das ist schlimm“, sagt sie mit leiser Stimme.

Für sie war es selbstverständlich, als Andrea Frahm um Unterstützung bat. „Iryna hat drei Bücher mit nach Hause genommen, um sie zu übersetzen. Auch hat sie uns bei den Plakaten und Flyern geholfen.“ Claus Adloff ist Vorsitzender im Verein Freundeskreis Flüchtlinge. Auch er ist regelmäßig Gast bei den Menschen in den Unterkünften.

Gästen aus der Ukraine die Bücherei vorstellen

„Das Lagezentrum der Gemeinde trifft sich drei Mal pro Woche, wir als Freundeskreis arbeiten eng mit der Diakonie zusammen“, so Adloff. Die Klientel sei eine andere, da vornehmlich Frauen und Kinder aus der Ukraine geflüchtet sind, aber: „Wir dürfen die anderen Flüchtlinge, die aus Syrien oder dem Irak kommen, nicht vergessen. Denn auch die kommen ja weiter zu uns.“

Für Andrea Frahm steht fest: „Außer der Sprache trennt uns von den Menschen aus der Ukraine nichts, das Interesse an Literatur ist dort genauso groß wie bei uns.“ Daher ist es für sie wichtig, den Gästen die Bücherei vorzustellen.

Derzeit gibt es zwar noch keine Bücher in ukrainischer Sprache, aber: „Ab Mitte April kommen von den Bücherpiraten in Kooperation mit der Büchereizentrale Büchertaschen für Familien aus der Ukraine.“ Es sind Geschichten ausgesucht worden, die mit einer Übersetzung ins Ukrainische demnächst gedruckt und in gelben Büchertaschen in den Büchereien des Landes zur Verfügung stehen.

Dirk Hagenah ist Amtsleiter bei der Gemeinde Flintbek; bei ihm laufen die Fäden der Flüchtlingsbetreuung und Koordination zusammen. „Unsere Unterkünfte in der Hörn bei Klaushenke haben 44 Plätze, davon sind 39 belegt“, so Hagenah. 16 Geflüchtete sind im Alter bis zu 14 Jahren. „16 Schutzsuchende konnten wir bereits in Wohnungen der Gemeinde unterbringen“, so der Amtsleiter weiter. Und weitere elf Menschen aus der Ukraine seien privat untergebracht.

83 Ukraine-Flüchtlinge wurden bereits versorgt

„Es ist viel Aufwand und Koordinationsarbeit nötig, nach drei Wochen sind wir aber mit allem auch noch in der Anfangsphase. Jeder Einsatz hat am Anfang eine Chaosphase, da kommen wir jetzt gerade raus“, fügt er mit einem Schmunzeln zu.

Und vergleicht: „Die erste Flüchtlingswelle begann 2015 und bis heute haben wir in Flintbek 167 Flüchtlinge untergebracht. Mit dem Krieg in der Ukraine kamen 83 Menschen in drei Wochen, um die wir uns gekümmert haben.“ Eine wirklich gute Bilanz für die Gemeinde Flintbek und die ehrenamtlichen Unterstützer.

Cornelia Müller 09.04.2022
Kultige Zeiten in Westensee - Emil Karau verkauft das Café Zeit
Beate König 09.04.2022
Dörpsmobil Schwedeneck und Gettorf - So kann man Auto fahren und trotzdem sparen
Cornelia Müller 09.04.2022