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Rendsburg-Eckernförde Tod auf dem Gewerbehof: Was geschah mit dem jungen Moldawier?
Region Rendsburg-Eckernförde

Verbrechen in Neumünster: Haftbefehl wegen Mord nach Tod auf dem Gewerbehof

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19:44 02.01.2022
Von Marc R. Hofmann
Spurensuche auf dem Gelände im Norden von Neumünster: Ein Hundeführer mit seinem Tier am Tatort in der Rendsburger Straße.
Spurensuche auf dem Gelände im Norden von Neumünster: Ein Hundeführer mit seinem Tier am Tatort in der Rendsburger Straße. Quelle: Danfoto
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Neumünster

Schock in Neumünster: Am Neujahrstag wird die Polizei gegen 15 Uhr zu einem Einbruchsdiebstahl in die Rendsburger Straße gerufen. In einem der Gebäude finden die Beamten einen leblosen Mann auf dem Boden. Als der Notarzt eintrifft, kann er nur noch den Tod des Mannes feststellen.

Wie später bekannt wird, handelt es sich offenbar um einen 31-Jährigen moldawischer Abstammung. Zudem gibt es bereits einen Tatverdächtigen: Am Neujahrsmorgen ist der Hamburger Polizei südlich des Elbtunnels ein 32-jähriger Landsmann des Toten ins Netz gegangen. Er war alkoholisiert auf der A 7 unterwegs, widersetzte sich bei der Fahrzeugkontrolle der Festnahme – und hatte eine Waffe bei sich.

Der Moldawier könnte in Verbindung mit der Tat im Neumünsteraner Stadtteil Gartenstadt stehen, so Polizei und Staatsanwaltschaft. Am Sonntagabend erlässt eine Richterin schließlich Haftbefehl wegen Mordverdachts.

Tötungsdelikt in Neumünster: Opfer weist „erhebliche Verletzungen“ auf

Am Tatort in Neumünster ist es am Tag danach überraschend ruhig. In der Rendsburger Straße wechseln sich Einfamilienhäuser und Gewerbegelände ab, mehrere Lastwagen parken am Straßenrand. Kein ungewöhnliches Bild für einen Sonntag, wären da nicht mehrere Mannschaftsbusse der Polizei, Zivilfahrzeuge der Spurensicherung und das Flatterband, das um ein Grundstück mit einem Mehrfamilienhaus und einer Gewerbehalle gespannt ist.

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Bereits am Sonnabend hatten Beamte von Spurensicherung und Mordkommission aus Kiel Haus und Gelände bis in die Nacht untersucht. Am Sonntagmorgen rücken zusätzlich Spezialisten mit Metalldetektoren und Hunden an, suchen das Areal noch einmal in aller Gründlichkeit ab.

Bereits am Neujahrstag hatten Ermittler das Grundstück mit Mehrfamilienhaus und Gewerbehalle bis in die Abendstunden untersucht. Quelle: Maria Nyfeler

Rechtsmedizinische Untersuchung des Toten von Neumünster steht noch aus

Polizei und Staatsanwaltschaft äußern sich in der Zwischenzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nur zurückhaltend zu dem Fall. „Der Inhaber des Betriebs stellte Sonnabend zunächst fest, dass offenbar ein Einbruch in seine Gewerbehalle stattgefunden hat“, heißt es. Kurze Zeit später habe er das Opfer mit „erheblichen Verletzungen“ gefunden und die Polizei alarmiert.

Zu Todeszeitpunkt- und -ursache wollen sich die Behörden noch nicht äußern, da das Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchung noch ausstehe.

Palettenhandel, Kurierdienst oder Werkstatt?

Nach Angaben eines Bewohners, der in einem Mehrfamilienhaus auf demselben Grundstück wohnt, lebt dort auch die Eigentümerin. Sie habe im Obergeschoss des Wohnhauses mehrere Zimmer an ausländische Mieter vergeben. In welcher Verbindung sie zu dem Opfer stehen, ist noch nicht bekannt. An der gemeinsamen Einfahrt weist lediglich ein Schild auf den An- und Verkauf von Paletten hin.

Am Sonntag geht die Spurensuche mithilfe mehrerer Spezialisten weiter. Quelle: Marc R. Hofmann

Die Anzahl der auf dem Areal geparkten Autos und Transporter erweckt jedoch den Eindruck, als hätte auch ein Kraftfahrzeughandel oder Reparaturbetrieb auf dem Gelände im Neumünsteraner Norden stattgefunden.

Vor der Haustür steht ein Ford Pick-up, auf einem seitlich gelegenen Parkplatz ein Luxus-Mercedes älteren Baujahrs, bei dem Frontschürze und Fahrerscheibe fehlen. Auf dem Hinterhof steht neben zahlreichen Paletten ein Porsche-SUV mit auswärtigem Kennzeichen. Weitere Autos, aber auch zahlreiche Anhänger und ein Lastwagen sind offenbar derzeit nicht zugelassen.

Auf dem Gelände stehen neben Paletten auch zahlreiche Autos, Lastwagen und Anhänger. Quelle: Marc R. Hofmann

„Der Mann hat einen Kurierdienst betrieben“, sagt der Nachbar. Er habe dem mutmaßlichen Opfer am Silvesternachmittag noch Lebensmittel gebracht, sei danach zum Feiern weggefahren. Von der Tat mitbekommen haben will er vor dem Anrücken der Polizei nichts.

Polizei sucht Zeugen der Tat – Mutmaßlicher Täter sitzt nach Haftbefehl in U-Haft

Während die Behörden noch keine genauen Angaben zum Todeszeitpunkt des 31-jährigen Mannes machen, lässt ein Zeugenaufruf Rückschlüsse auf den Tatzeitpunkt zu. Gesucht werden Zeugen, die am 1. Januar 2022 zwischen 3 Uhr morgens und 15 Uhr am Nachmittag des Neujahrstages auffällige Beobachtungen im Bereich der Rendsburger Straße in Neumünster gemacht haben. Sie sollen sich unter (0431) 160 33 33 bei der Polizei in Kiel melden.

Welches Motiv der 32-jährige mutmaßliche Täter haben könnte, ist indes noch völlig unklar. Eine Richterin am Amtsgericht Neumünster sah den Tatverdacht am Sonntagabend jedenfalls als so dringlich an, dass sie Haftbefehl wegen Mordverdachts gegen den Moldawier erließ. Der Mann sitzt jetzt in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt der Stadt.

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