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Rendsburg-Eckernförde Schwalbenschutz sorgt in Schwedeneck für Ärger
Region Rendsburg-Eckernförde

Warum Schwedeneck im Konflikt um den Schwalbenschutz auf Anwalt setzt

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17:43 13.12.2021
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
2019 begann der Abriss von Binges Gasthof in Surendorf. Allerdings lebten dort auch Schwalben, für die der Bauträger schon vorher einen Ausgleich hätte schaffen müssen.
2019 begann der Abriss von Binges Gasthof in Surendorf. Allerdings lebten dort auch Schwalben, für die der Bauträger schon vorher einen Ausgleich hätte schaffen müssen. Quelle: Kerstin von Schmidt-Phiseldeck (Archiv)
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Schwedeneck

Im März 2019 begann der Abriss von Binges Gasthof im Schwedenecker Ortsteil Surendorf. Dort entstanden neue Reihenhäuser, die Bewohner sind längst eingezogen. Was immer noch fehlt, ist allerdings ein neues Zuhause für die Schwalben, die auf dem Gelände des alten Gasthofs samt Scheune noch gute Lebensbedingungen hatten.

Nach Angaben das Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) gehen die Bestände an Rauch- und Mehlschwalben weltweit seit Jahren zurück. Die Rauchschwalbe steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Brutvögel. Die Mehlschwalbe wird als gefährdete Art eingestuft.

„Das Bauunternehmen hätte den Ausgleich für die Schwalben schon vor dem Abriss regeln müssen“, sagt Schwedenecks Bürgermeister Sönke Paulsen (CDU) zum Schwalben-Fall. Der sorgt seit einiger Zeit für Unmut. Die Durchführung des Bauvorhabens sei in einem notariell beurkundeten Vertrag 2018 zwischen Gemeinde und Maßnahmenträger geregelt worden.

Bauunternehmen hätte Nisthilfen installieren müssen

Darin, erklärt der Bürgermeister, werde explizit auf das Thema Arten- und Pflanzenschutz hingewiesen. Die artenschutzrechtliche Stellungnahme weise als notwendige Kompensationsmaßnahmen unter anderem aus, dass Ersatzquartiere für elf Nester vor dem Abriss des Gebäudes ortsnah im Verhältnis 1:2 ausgeglichen hätten werden müssen. Was bedeutet: Das Bauunternehmen hätte 22 Nisthilfen im Ort Surendorf installieren müssen.

Dass da allerdings nix passiert war, fiel nach Angaben des Bürgermeisters nach dem Abriss des Gebäudekomplexes auf. Die Amtsverwaltung habe die Umsetzung während der Bauphase mehrfach beim Bauunternehmen angemahnt.

2019 begann der Abriss von Binges Gasthof in Surendorf. Allerdings lebten dort auch Schwalben, für die der Bauträger schon vorher einen Ausgleich hätte schaffen müssen. Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Nun sind die Grundstücke von Binges Gasthof längst verkauft. Die Käufer der Anlage waren nicht bereit, auf ihren Grundstücken Nisthilfen oder den Schwalbenturm, um den es mittlerweile geht, unterzubringen. Was durchaus verständlich ist, sie hatten ja keinen Vertrag dazu unterschrieben.

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Die Gemeinde hatte dem Bauunternehmen daraufhin angeboten, einen Schwalbenturm am Regenrückhaltebecken des Baugebiets „Hochhorst“ auf der früheren Kobargschen Koppel zu errichten.

Schwedeneck setzt auf anwaltliche Hilfe beim Schwalbenschutz

Das Bauunternehmen sollte laut Forderung den Erstaufbau des Schwalbenturms sowie ein Entgelt für eine Ersatzbeschaffung für eine 25-jährige Nutzungsdauer sowie die regelmäßige Wartung im Voraus zahlen, erklärt Bürgermeisters Sönke Paulsen: Kosten, auf denen die Gemeinde nicht sitzen bleiben will.

Das habe das Bauunternehmen „in der Form abgelehnt“. Die Gemeinde hat den Vorgang mittlerweile zur Durchsetzung ihrer Forderung an eine Anwaltskanzlei abgegeben. Bürgermeister Sönke Paulsen hat das Gefühl: „Der Bauunternehmer sitzt das aus.“ Nun drohe ein langwieriges Verfahren: „Und der Schwalbenschutz fällt hinten runter.“ Der Investor äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall.

Ärger um Schwalbenschutz gab es übrigens auch 2020 in Dänischenhagen. Dort wurde im Juli die Scheune neben dem „Gasthof zur Eiche“ abgerissen. Allerdings gab es dort noch einige Nester der geschützten Mehlschwalben. In diesen lebten Jungschwalben. Auf Anordnung des Kreises durften die Abrissarbeiten erst fortgesetzt werden, als die Jungen das Nest verlassen hatten und eine Genehmigung des Kreises vorlag.

In Deutschland verschlechtern sich nach Angaben des Nabu die Brutbedingungen für Schwalben seit Jahrzehnten. Versiegelte Flächen nehmen zu. Statt unbefestigter Feldwege, an denen die Vögel früher Lehm fürs Nest aus Pfützen holten, gibt es für schwerere Erntefahrzeuge asphaltierte oder mit Betonspurbahnen versehene Straßen.

An Häusern und Ställen fehlen Einfluglöcher, wenn Wände bis in den letzten Winkel energieeffizient abgedichtet sind. Und an glatten Fassaden halten die Nester nicht.

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