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Rendsburg-Eckernförde Welterbe-Feier in Windeby
Region Rendsburg-Eckernförde Welterbe-Feier in Windeby
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12:18 01.07.2019
Von Jan Torben Budde
Foto: Tunika-Gewand, Lederbeutel und Schild: In einem kleinen Wikinger-Dorf auf der Festwiese gaben Christine Röthlin und Sohn Harald einen Einblick in die mittelalterliche Lebensweise.
Tunika-Gewand, Lederbeutel und Schild: In einem kleinen Wikinger-Dorf auf der Festwiese gaben Christine Röthlin und Sohn Harald einen Einblick in die mittelalterliche Lebensweise. Quelle: Jan Torben Budde
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Windeby.

Anlass war der erste Jahrestag der Vergabe des Titels Unesco-Welterbe für die Wikingerstätten Haithabu und Danewerk - der Osterwall ist ein Teil letztgenannter Befestigungsanlage.

Im frühen Mittelalter kam bloß Muskelkraft zum Einsatz

Sie müssen sich damals tüchtig mit Hafergrütze und Gerstenbrei gestärkt haben, denn statt eines Baggers kam im frühen Mittelalter bloß Muskelkraft für den Bau der Befestigungsanlage zum Einsatz. Norbert Biermann, pensionierter Lehrer und Vertrauensmann des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein, geht davon aus, dass Sklaven und Kriegsgefangene mit anpacken mussten. „Der Osterwall war früher noch höher“, sagte der 71-Jährige, der anlässlich der Welterbe-Feier in Windeby kleine Führungen vor Ort anbot.

Osterwall war früher kaum überwindbar

Sein Angebot fand Anklang: Die Urlaubsgäste Willi und Franziska Weber aus Heusenstamm bei Frankfurt am Main, die sich an diesem Tag einer Welterbe-Fahrradtour angeschlossen hatten, zeigten sich ganz angetan. „Wir sind das erste Mal hier im Norden“, sagte das historisch interessierte Ehepaar aus Hessen. Was heute eher einem typisch norddeutschen Knick mit Bäumen und Buschwerk gleicht, war Biermann zufolge in der Wikingerzeit etwa viereinhalb Meter hoch – inklusive Palisaden. Ein Bollwerk in den „Wirren der Völkerwanderung“, als sich die Angeln von Franken und Sachsen bedroht fühlten.

„Doch der Osterwall war kaum überwindbar“, erklärte der Windebyer, der sich eingehend mit dem Bauwerk und der Geschichte beschäftigt hat. Es erstreckte sich ost-westlich über eine Länge von dreieinhalb Kilometern vom Windebyer Noor bis zum Tal der Osterbek und schützte die Halbinsel Schwansen, wo wikingerzeitliche Siedlungen bestanden.
Der Bau des Danewerks begann laut Archäologischem Landesamt Schleswig-Holstein im fünften Jahrhundert und erstreckte sich bis ins 12. Jahrhundert. Demnach stellen die fast 30 Kilometer Wälle, Gräben und Mauern heute das größte Bodendenkmal Nordeuropas dar. Vor einem Jahr wurden die Befestigungsanlage Danewerk und die Wikingermetropole Haithabu gemeinsam von der Unesco zum Welterbe ernannt. Grund genug für die „Welterbe“-Gemeinden - entlang des Danewerks von Hollingstedt bis Eckernförde – den ersten Jahrestag mit vielfältigen Aktionen zu feiern.

Hans-Jürgen Jensen 01.07.2019
Cornelia Müller 01.07.2019
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