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Segeberg Schmerzensgeld: Rentner hatte nahe Rickling Minderjährige angefasst
Region Segeberg

Amtsgericht Bad Segeberg: Rentner zahlt Minderjähriger aus Rickling nach unsittlicher Berührung Schmerzensgeld

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16:28 15.01.2022
Von Klaus J. Harm
Vor dem Amtsgericht Bad Segeberg wurde ein Fall von sexueller Belästigung verhandelt, der sich im Sommer 2018 bei Rickling zugetragen hatte.
Vor dem Amtsgericht Bad Segeberg wurde ein Fall von sexueller Belästigung verhandelt, der sich im Sommer 2018 bei Rickling zugetragen hatte. Quelle: Nadine Materne
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Rickling / Bad Segeberg

400 Euro Schmerzensgeld muss ein Rentner aus Rickling zahlen, weil er eine Elfjährige, ebenfalls aus Rickling, gegen den Willen des Mädchens mehrfach berührt hatte. Nach der Zahlung stellt das Amtsgericht Bad Segeberg das Strafverfahren ein.

Elfjährige im Wald von Rentner unsittlich berührt

An einem heißen Sommertag 2018 war eine damals elfjährige Ricklingerin mit zwei Freundinnen auf einer Fahrradtour gewesen. Diese führte sie unter anderem in einen Wald im Ortsteil Fehrenbötel, hatte die Staatsanwaltschaft Kiel in ihrer Anklage aufgeführt.

Dort traf das Trio mit dem heute 72-jährigen Ricklinger zusammen. Der Angeklagte habe das elfjährige Mädchen unverblümt gefragt, ob es schon einmal Geschlechtsverkehr gehabt habe. Er habe sie mehrfach an Schulter, Rücken und Oberschenkel berührt.

Obwohl das Mädchen sehr deutlich gemacht habe, dass sie das nicht wolle, habe er sie zum Schluss noch an der Hüfte gefasst und sie an sich gezogen. Als das Mädchen sich losgerissen habe und mit ihren Freundinnen geflüchtet sei, habe er ihr noch gedroht, sie bekäme Ärger, wenn sie davon erzähle.

Rechtsgespräch führt zur Abkürzung des Verfahrens

Zu einer Gerichtsverhandlung kam es dann aber doch nicht. Schon vor Aufruf der Sache mussten die Besucher den Saal des Amtsgerichts verlassen. Richter, Staatsanwältin und Verteidiger Ralf Stelling wollten unter sich ein „Rechtsgespräch“ führen, um das Verfahren abzukürzen.

Solche Gespräche dienen nicht nur der Prozessökonomie. Sie ersparen auch den Geschädigten Konfrontationen mit dem Täter und manchmal peinliche Befragungen vor Gericht. Voraussetzung für eine Einigung ist aber ein Geständnis des Angeklagten, dem im Gegenzug ein gewisser Strafrahmen zugesichert wird.

Beschuldigter Rentner zahlt Minderjähriger Schmerzensgeld

Nach dem Rechtsgespräch verlas Verteidiger Ralf Stelling eine Erklärung seines Mandanten. „Es ist richtig, dass es zu körperlichen Berührungen gekommen ist. Das hatte aber keinen sexuellen Hintergrund. Es tut mir leid, dass das Mädchen durch mein ungeschicktes Verhalten Angst bekommen hat.“

Der Angeklagte, ein deutlich älter wirkender, schwerhöriger Senior, der strafrechtlich bisher ein noch unbeschriebenes Blatt war, bestätigte das mit einem matten „Ja“.

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Dadurch wurde jetzt der Weg frei für die Lösung, wonach ein Verfahren eingestellt werden kann, wenn der Beschuldigte etwa ein Schmerzensgeld an die Geschädigte zahlt. Und so muss der Angeklagte nun 400 Euro Schmerzensgeld an die junge Ricklingerin überweisen und auch die Kosten des Verfahrens tragen. Wenn diese Auflagen erfüllt sind, wird das Verfahren eingestellt. Der Rentner würde wieder als nicht vorbestrafter Bürger gelten.