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Segeberg Arnold Helmcke sorgt sich um das politische Klima in Bad Bramstedt
Region Segeberg

Arnold Helmcke wird 80 und sorgt sich um das politische Klima in Bad Bramstedt

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08:54 30.09.2021
Von Einar Behn
Bad Bramstedts stellvertretender Bürgermeister Arnold Helmcke wird 80. Radfahren hält fit, sagt er.
Bad Bramstedts stellvertretender Bürgermeister Arnold Helmcke wird 80. Radfahren hält fit, sagt er. Quelle: Einar Behn
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Bad Bramstedt

Arnold Helmcke macht so leicht niemand etwas vor. Wann welcher Beschluss gefasst wurde, was er zum Inhalt hat, er weiß es. Der Mann ist wie ein wandelndes Geschichtsbuch der Stadt. Seit 1978 mischt Helmcke in der Kommunalpolitik mit. Am Donnerstag wird Bad Bramstedts stellvertretender Bürgermeister 80 Jahre alt und sagt: „Ein paar Jahre will ich noch weitermachen.“

Als Helmcke 1974 in die SPD eintrat, regierte Helmut Schmidt das Land. Vier Jahre später wurde Helmcke bürgerliches Mitglied im Schul- und Kulturausschuss und rückte dann in die Stadtverordnetenversammlung auf, der er bis heute angehört. Drei Bürgermeister und eine Bürgermeisterin hat er seitdem kennengelernt. „Ich habe mit allen gut zusammengearbeitet“, so Helmcke. Das war nicht unbedingt zu erwarten. Denn der erste Bürgermeister, Heinz Wedde, musste Anfang der 80er Jahre auf Betreiben der CDU Udo Gandecke Platz machen. Und als bei der Kommunalwahl 1990 die CDU ihre absolute Mehrheit verlor, verbündeten sich SPD, FDP und Grüne gegen die Union. So kam zunächst Jürgen Koppelin (FDP) auf den Posten des stellvertretenden Bürgermeisters. Als der dann aber wenig später in den Bundestag gewählt wurde, rückte Helmcke nach – und verstand sich bestens mit CDU-Mann Gandecke.

Hohes Ansehen in allen Fraktionen

Auch heute geniest Arnold Helmcke hohes Ansehen bei allen Parteien in der Stadt. „Man muss einfach nur miteinander reden, das habe ich auf den Dörfern so gelernt“, erzählt er. Auf dem Land verbrachte er nämlich einen großen Teil seiner Jugendzeit. Er war als Kind 1943 mit Mutter und Geschwistern nach Hitzhusen gekommen. Die Familie war in Hamburg ausgebombt, der Vater war im Krieg in Russland, von wo er nicht wieder zurückkehrte. „Er ist in der Gefangenschaft verhungert“, sagt Helmcke. Später zog die Familie nach Großenaspe, Helmcke absolvierte eine Lehre als Maschinenbauer in der Maschinenfabrik Hatlapa in Uetersen. „Dort bin ich täglich mit dem Moped hingefahren, Sommer wie Winter“, so der Jubilar. „Nach der Lehre konnte ich mir dann einen Messerschmidt-Kabinenroller leisten.“

Viele Bad Bramstedter kennen Arnold Helmcke auch als Kundendienstleiter beim Autohaus Fiat Harm, das früher im Landweg ansässig war. Heute ist dort der Rewe-Supermarkt. Bis zu seiner Pensionierung 2005 war er dort tätig, half später aber auch noch mal nach dem Umzug des Unternehmens an die Kieler Straße aus.

Die Bramau stets im Blick

Als Rentner genießt Arnold Helmcke nun seine Freizeit in seinem idyllisch gelegenen Haus am Dahlkamp, von wo aus er in die Bramau-Niederung blicken kann. Mit Ehefrau Karen fährt er viel Fahrrad, das hält fit. Drei Töchter gingen aus der Ehe hervor, alle wohnen mit ihren Familien nicht weit weg. Vier Enkelkinder hat das Ehepaar, das keine Langeweile kennt. Karen Helmcke engagiert sich auch im Seniorenbeirat der Stadt.

Und noch immer nimmt die Kommunalpolitik einen großen Teil von Arnold Helmckes Zeit ein. „Ich besuche die meisten Ausschusssitzungen, um informiert zu sein“, sagt er. Wie schon damals Anfang der 90er Jahre ist Helmcke auch heute wieder der erste stellvertretende Bürgermeister, nachdem er in der Zwischenzeit der zweite Stellvertreter war. Als Burkhard Müller (CDU) im vergangenen Jahr starb, rückte Helmcke auf. Die CDU verzichtete auf das Amt.

„Ich wünsche mir ein besseres politisches Klima“

Die Missstimmung, die zurzeit zwischen Bürgermeisterin Verena Jeske und den Fraktionen von CDU, Grünen und FDP herrscht, gefällt ihm gar nicht. „Das erinnert mich an die Auseinandersetzungen vor 30 Jahren zwischen Claus Bornhöft von der CDU und Jürgen Koppelin von der FDP.“ Damals waren es aber nur zwei ehrenamtliche Kommunalpolitiker, heute sei die Bürgermeisterin betroffen, wodurch die gesamte Entwicklung der Stadt gefährdet sei. „Es kann doch nicht sein, dass nach jeder Sitzung erst einmal die Kommunalaufsicht eingeschaltet wird, um zu klären, was rechtens war. Das hat es in den ganzen Jahren zuvor nie gegeben.“

Auch habe das Klima unter den Stadtverordneten schwer gelitten. „Manche begegnen sich mit gesenktem Haupt in der Stadt, um sich nicht zu grüßen.“ Das müsse aufhören, „ich wünsche mir ein besseres Klima.“

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Mit 80 denkt Arnold Helmcke natürlich auch schon mal ans Aufhören mit der Politik, auch wenn er sich bester Gesundheit erfreut. Aber einen konkreten Termin dafür hat er noch nicht. „Bei der Realisierung der beiden großen anstehenden Projekte, dem Neubau des Feuerwehrhauses und der Kindertagesstätte Moorstücken, möchte ich schon noch dabei sein.“

Gerrit Sponholz 29.09.2021
Sylvana Lublow 29.09.2021
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