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Segeberg Fast 10.000 Infizierte 2021 in Segeberg – jünger und mehrheitlich ungeimpft
Region Segeberg

Fast 10000 Infizierte in 2021 in Segeberg - jünger, Mehrheit ungeimpft

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11:02 31.12.2021
Von Nadine Materne
Fast 10.000 Coronafälle hat es in diesem Jahr im Kreis Segeberg gegeben. Die aktuellen Fallzahlen sind so hoch wie nie im Jahr. Wer hat sich 2021 infiziert, wie viele Segeberger waren im Krankenhaus – eine Coronabilanz in Zahlen.
Fast 10.000 Coronafälle hat es in diesem Jahr im Kreis Segeberg gegeben. Die aktuellen Fallzahlen sind so hoch wie nie im Jahr. Wer hat sich 2021 infiziert, wie viele Segeberger waren im Krankenhaus – eine Coronabilanz in Zahlen. Quelle: Christoph Soeder/dpa/Nadine Materne
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Kreis Segeberg

2575 Menschen hatten sich 2020 mit dem neuen Virus angesteckt, dann kam die ansteckendere Deltavariante auch nach Segeberg. In diesem Jahr gab es bereits vor Weihnachten mehr als drei Mal so viele Fälle. 8674 bestätigte Infektionen zählte der Kreis bis zum 20. Dezember. Nun setzt sich offenbar die Omikron-Variante auch in Schleswig-Holstein durch. Bis Jahresende steigen im Kreis Segeberg die Fallzahlen auf fast 10.000. Eine Coronabilanz in Zahlen.

Corona in Segeberg: Die Infizierten werden jünger

Die meisten Infektionen traten wie im Vorjahr bei den 35 bis 59-Jährigen auf: 1063 nachgewiesene Ansteckungen gab es 2020 im Kreis Segeberg, in diesem Jahr verdreifachte sich diese Zahl auf 3185. Das sind 37 Prozent aller Infektionen in 2021 – vier Punkte weniger im Vergleich zum Vorjahr. Dahinter folgt die Gruppe der 15- bis 34-Jährigen mit 2510 Ansteckungen, das entspricht 29 Prozent aller Infektionsfälle (Vorjahr: 30 Prozent). Das geht aus einer Aufstellung des Kreises Segeberg hervor mit Stand vom 20. Dezember.

Allerdings sind die Altersgruppen für die Statistik nicht gleichmäßig gewählt: In der Gruppe der 35- bis 59-Jährigen sind fünf Jahrgänge mehr eingerechnet als in der Gruppe der 15- bis 34-Jährigen. Das verzerrt die Verteilung der Infektionen wahrscheinlich zuungunsten der 35- bis 59-Jährigen. Bei der Zusammenfassung der Fälle hat sich der Kreis nach eigener Aussage an die Altersgruppeneinteilung des Robert-Koch-Instituts (RKI) gehalten.

Sichtbar aber wird: Die Infizierten werden insgesamt jünger, der Anteil der Infektionen bei den Hochbetagten sinkt deutlich. Prozentual gesehen stiegen die Virusinfektionen aber bei den Kindern im Kreis am stärksten an. Lediglich 38 Kinder bis vier Jahre waren 2020 nachweislich mit dem Coronavirus infiziert gewesen. 330 waren es dagegen in diesem Jahr bis zum 20. Dezember. Der Anteil an allen Infektionen des Jahres verdoppelt sich von zwei auf vier Prozent.

Über 500 Segeberger mit Corona im Krankenhaus behandelt

In der Altersgruppe der fünf- bis 14-Jährigen ist es noch deutlicher: Von 148 Fällen in 2020 stiegen die Ansteckungen mit Corona in diesem Jahr auf 1232. Der Anteil an allen Ansteckungen stieg von sechs auf 14 Prozent. Im Krankenhaus wurden jedoch nur sehr wenige Kinder wegen einer Coronaerkrankung behandelt, gestorben ist kein Kind an dem Virus im Kreis Segeberg.

580 Segeberger und Segebergerinnen wurden mit oder wegen Corona in Kliniken behandelt. 192 Menschen waren zwischen 60 und 79 Jahren alt. In der Altersspanne zwischen 35 und 59 Jahren waren es 157, erst dann kommen in der Statistik die Menschen über 80 Jahren mit 151 Krankenhausbehandlungen.

Allerdings, so Kreissprecher Robert Tschuschke, sagen diese Zahlen nichts über die Dauer des Krankenhausaufenthalts aus, die Schwere der Erkrankung oder überhaupt den primären Grund. Gezählt wurden die Patienten, die mit einem positiven PCR-Test im Krankenhaus waren.

Intensivmedizinisch behandelt wurden jedoch 64 Menschen im Kreis Segeberg mit einer Coronaerkrankung. Das sind gut neun Prozent der mit Corona infizierten Krankenhauspatienten.

Die meisten Todesopfer in Segeberg waren über 80 Jahre alt

Gestorben sind im Kreis Segeberg in diesem Jahr 133 Menschen, seit Pandemiebeginn im Frühjahr 2020 sind es 193. Das Durchschnittsalter betrug 78,6 Jahre. Das jüngste Todesopfer war 44 Jahre alt, das älteste 99.

Ende 2020 ist die Impfkampagne mit mobilen Teams in den Altenheimen auch im Kreis Segeberg angelaufen. Zu Beginn des Jahres machten vor allem Coronaausbrüche in Pflegeheimen Schlagzeilen. Zeitweise waren sieben Einrichtungen parallel im Kreis Segeberg betroffen. Es gab viele Todesfälle. So hatte etwa das „Haus Ilse“ in Norderstedt am Ende ein Dutzend tote Bewohner zu beklagen im Januar, im „Haus Goldenbek“ in Pronstorf starben damals mindestens 14 Menschen.

Mit Fortschritt der Impfkampagne in den Pflegeeinrichtungen wurden solche schweren Ausbrüche selten. Zuletzt aber gab es wieder einige Fälle – etwa in der Seniorenresidenz im Köhlerhof in Bad Bramstedt. Im Oktober und November machte der Ausbruch im Haus Hog’n’Dor in Norderstedt Schlagzeilen mit mindestens acht gestorbenen Bewohnern.

Coronapatienten im Krankenhaus waren meist nicht geimpft

Seit Februar sind die ersten Menschen im Kreis Segeberg vollständig geimpft nach dem Impfstart Ende Dezember 2021, einer dreiwöchigen Pause zwischen den damalig zwei Impfdosen und einer anschließenden Wartezeit von 14 Tagen bis Eintreten des vollständigen Impfschutzes. Aber erst Mitte des Jahres war es allen möglich, sich einen Impftermin zu organisieren.

Die Erfassung des Impfstatus von Verstorbenen und Hospitalisierten ist nicht vollständig. Bei 114 Verstorbenen bis zum 20. Dezember ist der Impfstatus dem Kreis Segeberg bekannt: 84 Menschen waren nicht geimpft, 14 unvollständig und 16 vollständig geimpft.

Bei den Krankenhauspatienten mit einer Coronainfektion waren 407 Menschen nicht geimpft, 95 nur unvollständig, 37 Patienten hatten eine vollständige Impfung erhalten nach Kreisangaben. Allerdings ist unklar, wie viele tatsächlich wegen der Coronainfektion klinisch behandelt wurden. 64 Coronapatienten aber mussten auf einer Intensivstation versorgt werden, von ihnen waren lediglich sechs vollständig geimpft (9 Prozent).

15 Prozent Impfdurchbrüche in Segeberg

Und das, obwohl inzwischen über 75 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein zwei Mal geimpft und mehr als 40 Prozent auch geboostert sind. Lokale Zahlen zur Impfquote für den Kreis Segeberg gibt es nicht. Obwohl also der Anteil der Ungeimpften landesweit inzwischen unter 25 Prozent beträgt, machen sie die überwiegende Mehrheit der Erkrankten im Kreis Segeberg aus.

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Trotzdem können sich auch geimpfte Menschen mit dem Coronavirus infizieren. Sind vollständig geimpfte Menschen symptomatisch, definiert das RKI dies als Impfdurchbruch. 1328 dieser Impfdurchbrüche wurden bisher im Kreis Segeberg dokumentiert. Je mehr Menschen geimpft werden, desto häufiger werden auch solche Durchbrüche auftreten, erklärt Kreissprecher Robert Tschuschke zu den Zahlen.

Von allen Infektionen in diesem Jahr, machen die Impfdurchbrüche (Stand 20. Dezember) 15 Prozent aus. Das heißt aber auch, dass 85 Prozent der nachgewiesenen Infektionen bei einer kleiner werdenden Gruppe von Nicht-Geimpften aufgetreten sind.

Nicole Scholmann 31.12.2021
Gerrit Sponholz 31.12.2021
Nadine Materne 30.12.2021