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Segeberg Die Herrin der Requisiten
Region Segeberg Die Herrin der Requisiten
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09:58 24.07.2019
Von Matthias Ralf
Requisiteurin Katja Paprzik sorgt dafür, dass bei den Karl-May-Spielen nicht nur Darsteller, Pferde und Pyrotechnik auf der Bühne sind, sondern auch all die Kleinigkeiten, die den Wilden Westen erst lebendig und liebenswert machen.
Requisiteurin Katja Paprzik sorgt dafür, dass bei den Karl-May-Spielen nicht nur Darsteller, Pferde und Pyrotechnik auf der Bühne sind, sondern auch all die Kleinigkeiten, die den Wilden Westen erst lebendig und liebenswert machen. Quelle: Matthias Ralf
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Bad Segeberg

„Jetzt läuft alles“, ist Katja Paprzik erleichtert. Nicht jeder Versuch mit dem leuchtenden Stein hat von Anfang an funktioniert und so mancher Speer hat den Belastungen der Proben und Vorstellungen nicht Stand gehalten. Die Requisiteurin der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg findet aber letztlich immer eine Lösung. Auch 2019 kümmert sich die Hamburgerin um all die Kleinigkeiten, die den Wilden Westen am Kalkberg lebendig und liebenswert machen. Katja Paprzik hat im Freilichttheater ihre Berufung gefunden.

Sie macht die Löcher in den Käse

Wie kommen eigentlich die Löcher in den Käse? Der Schweizer Pionier Urs Bürgli, gespielt von Jogi Kaiser, will leckeren Spezialitäten mit dem besonderen Duft bei der diesjährigen Inszenierung der Karl-May-Spiele „Unter Geiern – Der Sohn des Bärenjägers“ unter die Leute bringen. Mit einem Karren voller riesiger Käselaibe macht er sich auf, um den Wilden Westen zu erobern. Damit der Käse, der eigentlich nur gelb bemaltes Styropor ist, authentisch rüberkommt, sind Spezialisten gefragt. Für die Feinheiten ist Katja Paprzik zuständig. 

"Es ist eine Materialschlacht"

Die Hamburgerin muss viel ausprobieren, damit dem Publikum am Ende ein gutes Ergebnis präsentiert werden kann. Für den löchrigen Käse, den Urs Bürgli durch die Vorstellung trägt, benötigte die Requisiteurin mehrere Versuche. „Einiges landet in der Tonne“, erklärt die 51-Jährige im Gespräch mit der Segeberger Zeitung. Bei Kämpfen kann es vorkommen, dass Speere zerbrechen. „Es ist eine Materialschlacht. Man muss sich immer etwas Neues ausdenken.“ Für die Speerspitzen hat Katja Paprzik eine Lösung gefunden: Die Theaterwaffen werden mittlerweile aus einem Stück Holz hergestellt und in ihre typische Form geschnitzt. Das hat sich als deutlich bruchfester erwiesen.

Schwierig sei auch das Bärenfell gewesen, das eines der Hütten in der Aufführung ziert. Ein echtes Fell wäre für den Zweck unpassend gewesen und hätte zudem das Budget gesprengt. Die Lösung war ein Kunstfell, das aber bei nasser Witterung nicht mehr überzeugend wirkte. Mit einem Spezialspray fand die Herrin über Tomahawk, Schreibfeder oder Co. die passende Lösung.

Sie studierte Kunstgeschichte

Zur ihrer jetzigen Aufgabe ist Katja Paprzik über Umwege gekommen. Sie studierte Kunstgeschichte und machte eine Ausbildung zur Kunstglaserin. Es folgten Stationen an zahlreichen Theatern und bei Filmproduktionen. Vor 15 Jahren erhielt sie das Angebot, sich langfristig um die Requisiten bei den Karl-May-Spielen zu kümmern. „Ich kann mich hier voll ausleben“, weiß Katja Paprzik, dass sie das Richtige für sich gefunden hat. Langweilig werde der Job nie. Während der laufenden Saison ist Katja Paprzik damit beschäftigt, die Requisiten zu reparieren oder zu verbessern. Manchmal kommt hat sie die beste Idee erst, wenn das Stück bereits ein paar Mal aufgeführt worden ist.

Am Kalkberg gefalle ihr neben der interessanten Aufgabe die gute Zusammenarbeit mit den vielen Kollegen hinter den Kulissen. „Wir halten immer zusammen und helfen uns gegenseitig“, hebt Katja Paprzik hervor. Das führt allerdings auch dazu, dass die Requisiteurin für Tätigkeiten eingesetzt wird, die eigentlich gar nicht zu ihrem Aufgabenbereich gehören. Während der diesjährigen Inszenierung ist sie unter anderem dafür zuständig, Schauspieler Patrick L. Schmitz ein Stinktier zu überreichen. Für die Zuschauer bleibt sie dabei allerdings versteckt. Wenn der Bühnenauftritt des Skunks vorüber ist, kümmert sich Katja Paprzik liebevoll um den Vierbeiner. Bei der Premiere rettete sie sogar eine ganze Szene. Die Feuerschale, an der eine Fackel entzündet werden sollte, brannte nicht. Katja Paprzik warnte die Schauspieler, die dann auf der Bühne improvisieren mussten. Alles lief glatt und nur die wenigsten Zuschauer werden bemerkt haben, dass etwas anders gelaufen ist als noch in der Generalprobe.

Herausforderung durch Staub, Hitze und Regen

In der verbleibenden Spielzeit hat Katja Paprzik alle Hände voll zu tun. „Es wird weiterhin viel verändert“, stellt die Requisiteurin klar. Die Anforderungen an die Materialien seien aufgrund des Spielens unter freiem Himmel extrem. „Staub, Hitze, Regen – das bringt viele Herausforderungen mit sich.“ 

Doch mit viel Hingabe, den nötigen kreativen Ideen und der Hilfe ihrer Kollegen sorgt Katja Paprzik dafür, dass immer genügend angespitzte Speere und Löcher im Käse zur Verfügung stehen.

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