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Segeberg Kisdorfer schwer gestürzt, weil der Asphalt plötzlich aufhörte
Region Segeberg

Kisdorfer schwer gestürzt, weil der Asphalt plötzlich aufhörte

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12:15 22.11.2021
Von Einar Behn
Radfahrer meiden den Granluat-Radweg wie hier bei Sievershütten. Die feinen Steine verursachen schnell Plattfüße und sind kein fester Untergrund, vor allem nicht bei schmalen Reifen.
Radfahrer meiden den Granluat-Radweg wie hier bei Sievershütten. Die feinen Steine verursachen schnell Plattfüße und sind kein fester Untergrund, vor allem nicht bei schmalen Reifen. Quelle: Einar Behn
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Kreis Segeberg

Es war an einem schönen Spätsommertag im September. Der Kisdorfer John Dakin (66) hatte sich zu einer Radtour aufgemacht, die schmerzhaft und im Krankenhaus endete. Er radelte auf abschüssigem Radweg, als plötzlich der Asphalt in eine Granulatoberfläche wechselte, wie sie mittlerweile vermehrt eingesetzt wird. Der Radler verlor die Kontrolle, stürzte und zog sich drei Brüche zu. Trotzdem behauptet der Landesbetrieb Straßenbau, der Belag sei „uneingeschränkt verkehrssicher.“

Dakin laboriert noch immer an den Folgen seiner Verletzungen. Er hatte sich das Nasenbein, das Schlüsselbein und das Jochbein gebrochen. Zur Stabilisierung befindet sich eine Metallplatte in seinem Oberkörper, die demnächst operativ entfernt wird.

Kisdorfer war zwischen Stocksee und Dersau unterwegs

Der pensionierte Speditionskaufmann erinnert sich nur noch schwach an den Unfall. „Wahrscheinlich hatte ich für kurze Zeit das Bewusstsein verloren.“ Er war damals zwischen Stocksee und Dersau auf der Landesstraße 68 unterwegs. An der Kreisgrenze zu Plön wechselte der Belag des Radweges. Obwohl das Mountainbike dick bereift ist, verlor er die Kontrolle auf dem Granulat, stürzte auf die rechte Körperseite. Als Dakin zu sich kam, beugten sich Autofahrer über ihn und irgendwann war dann auch der Rettungswagen eingetroffen, der ihn nach Bad Segeberg ins Krankenhaus brachte.

Der Kisdorfer John Dacin war mit dem Mountainbike schwer gestürzt, weil plötzlich der Asphalt endete. Noch immer hat er eine Metallplatte in der Schulter. Quelle: Einar Behn

„Es gibt dort kein Schild, das die Radfahrer vor dem Belagwechsel warnt“, sagt der Kisdorfer. Und dass, obwohl er nicht der erste Radler ist, der dort verunglückt ist. Stattdessen steht dort eine Werbetafel der Firma Hanse-Grand, die ihren Belag als besonders „wasserdurchlässig und klimafreundlich“ preist.

Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr setzt das Material vor allem dort ein, wo Baumwurzeln den Asphalt zerstört haben. „Bei der Sanierung von Wurzelaufbrüchen in Asphaltbauweise sind die Schäden häufig bereits nach wenigen Tagen bis Wochen wieder aufgetreten“, erklärte die Pressestelle des Landesbetriebs auf Anfrage von KN-Online. Sie seien eine Gefahrenquelle für Radfahrer. Die Bauweise mit dem Splittgemisch, ein sogenannter wassergebundener Aufbau, habe sich dagegen bewährt und sei auch nicht als Provisorium gedacht. „Wassergebundene Wegedecken sind uneingeschränkt verkehrssicher“, erklärt der Landesbetrieb.

Immer mehr Radwege mit wassergebundenem Aufbau

„Durch die laufende Sanierungsoffensive hat die Anzahl der Radwege mit wassergebundenem Aufbau in den letzten Jahren zugenommen“, heißt es in der Erklärung. Einziger Nachteil sei ein erhöhter Unterhaltungsaufwand, weshalb das Material auch nicht überall verwendet werde.

Auch im Kreis Segeberg wird der Splitt eingesetzt, allerdings nicht vom Kreis Segeberg. „Bei Kreisstraßen wird die geschilderte Bauweise nicht praktiziert“, erklärte Kreissprecherin Sabrina Müller. Wo jedoch das Land zuständig sei, werde auf das Material zurückgegriffen. Das sind Landes- und Bundesstraßen. Hinzu kommt, dass Städte und Gemeinden gerne auf wassergebundenes Material zurückgreifen, wenn Wurzeln den Radweg zerstört haben. In Bad Bramstedt finden sich dafür am Liethberg und in der Hamburger Straße Beispiele.

Asphalt für die Autos, Split für die Radfahrer

Vor zwei Jahren bekam die Fahrbahn zwischen Kattendorf und Oersdorf, die Landesstraße 80, eine neue Asphaltdecke. Gleichzeitig wurde der Asphalt auf dem parallel verlaufenden Radweg entfernt und durch das Granulat ersetzt. Auch zwischen Sievershütten und Oering findet sich abschnittsweise statt Asphalt das Granulat. Auf beiden Abschnitten stehen die blauen Verkehrsschilder für einen kombinierten Rad- und Gehweg, wodurch eine Benutzungspflicht besteht. Radfahrer, vor allem die mit Rennrädern, meiden die Wege dennoch. Der Untergrund ist gefährlich instabil, außerdem führen die kleinen Steinchen leicht zu Plattfüßen.

ADFC-Aktivist Joachim Brunkhorst hat sich daraufhin an den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr gewandt. „Es soll sich um einen wissenschaftlich begleiteten Versuch handeln, habe ich zur Antwort bekommen.“ Das war allerdings schon Anfang 2020. Seitdem habe er davon nichts mehr gehört. Brunkhorst will die Angelegenheit nun zum Thema im Radverkehrsbeirat des Kreises Segeberg machen, dem er angehört.

Wurzelsperren können Radwege schützen

Der Norderstedter widerspricht dem Landesbetrieb entschieden. Die Splittwege seien nicht verkehrssicher, wie der Unfall von John Dakin zeige. Anstatt darauf zurückzugreifen, sollte der Landesbetrieb lieber Wurzelsperren einsetzen, die zuverlässig verhindern, dass Wurzeln den Asphalt aufbrechen. Dabei handelt es sich um Platten, die unterirdisch den Radweg vor den Bäumen abschirmen, ein andernorts längst praktiziertes Verfahren.

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Dass das Verständnis der Behörden für die Radfahrer nicht immer sehr ausgeprägt ist, musste John Dakin auf der zuständigen Polizeiwache im Kreis Plön erfahren. „Ich wollte dort erreichen, dass ein Warnschild aufgestellt wird, damit es nicht noch mehr Unfälle gibt. Der Beamte hat abgewunken. Ich sei mit unangepasster Geschwindigkeit gefahren“, erzählt der Kisdorfer. „Dabei waren es nur 25 Stundenkilometer.“

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