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Segeberg Viel zu tun für die beiden Aufpasser im Naturparadies Königsmoor
Region Segeberg

Königsmoor: FFH-Gebiet Hasenmoor soll zum Naturschutzgebiet werden

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09:02 08.01.2022
Von Nicole Scholmann
Heino Burmeister (links) und Volker Kundikow sind Gebietsbetreuer im Hasenmoor, auch Königsmoor genannt. Beide kennen das FFH-Gebiet schon aus Kindertagen.
Heino Burmeister (links) und Volker Kundikow sind Gebietsbetreuer im Hasenmoor, auch Königsmoor genannt. Beide kennen das FFH-Gebiet schon aus Kindertagen. Quelle: Nicole Scholmann
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Hasenmoor

Die Kraniche rufen an diesem schönen und frostigen Vormittag im Königsmoor. Auch die Singschwäne sind weithin zu hören. Graugänse steigen aus den vernässten Flächen auf. Dem Besucher des Fauna-Flora-Habitats (FFH) zeigt sich das offiziell als FFH-Gebiet Hasenmoor bezeichnete Schutzgebiet auch im Winter von seiner schönsten Seite. Termin mit Heino Burmeister und Volker Kundikow. Die beiden Naturfreunde kennen das Moorgebiet seit ihren Kindertagen und sind schon als lütte Steppke durch Büsche und Sträucher gepirscht, immer auf der Suche nach einem Abenteuer.

Seit gut zwei Jahren sind Burmeister und Kundikow in offiziellem Auftrag im Königsmoor unterwegs. Burmeister und Kundikow sind eingesetzte Gebietsbetreuer und behalten das Hasenmoor und vor allem seine Besucher im Blick.

Das Hasenmoor ist nicht ganz 300 Hektar groß und liegt am Rande des Hasenmoorer Ortsteiles Fuhlenrüe. Der Besucher fährt am Lokal Tanzhase hinein und gelangt über asphaltierte Straßen und Feldwege zu einem kleinen Parkplatz. Vor dort geht es nur zu Fuß weiter. „Radfahrer, Motorradfahrer und Reiter sind nicht erwünscht“, sagt Burmeister. Vor allem bei Zweiradfahrern stoßen er und sein Kollege Kundikow auf wenig Verständnis. Aber es gibt eine Erklärung: Im Sommer ist der Wanderweg zum Aussichtspunkt so verwachsen, dass die Ringelnattern und Kreuzottern sowie Frösche sich dort gerne aufhalten und dann vom Drahtesel erwischt werden könnten. Kein Verbot ohne Begründung.

1921 begann der Torfabbau im Hasenmoor

Einige hundert Meter geht man vom Parkplatz aus, bis man den hohen Aussichtspunkt am Ufer von wieder gefluteten Torfabbauflächen erreicht. Schon von weitem sind die Singschwäne zu hören, die ihre Runden auf der leicht zugefrorenen Wasserfläche drehen. 1919 begann man mit den Vorbereitungen für den Torfabbau für das Elektrizitätswerk Neumünster. Ab 1921 wurde abgebaut. Auch jeder Hof in Hasenmoor erhielt eine Moorparzelle und konnte für sich Torf stechen. Es wurde in den Anfangsjahren eine neun Kilometer lange Feldbahn errichtet, die den Brennstoff bis zum Umladeplatz in Großenaspe transportierte. Bis Ende der 1960 Jahre wurden etwa 800.000 Tonnen Brenntorf abgebaut. Dann gab es Alternativen, der Torf wurde nicht mehr gebraucht.

1976 wurden die ersten Flächen, die überwiegend im Besitz des Kreises Segeberg sind, wieder vernässt, um die häufig auftretenden Brände im Moor zu verhindern. Heute gibt es im Königsmoor große Wasserflächen, die von Wildvögeln zur Rast und Nahrungssuche genutzt werden. „Auch Schwarzangler waren hier häufig zu Gast“, erzählt Gebietsbetreuer Kundikow. Mittlerweile habe man dieses Problem gut in den Griff bekommen.

Unterschied FFH-Gebiet und NSG

Naturschutzgebiete bieten neben der Kategorie Nationalpark den höchsten Schutzstatus für ein Gebiet, das unter anderem zum Schutz von Pflanzen- und Tierarten und ihrer Lebensräume dauerhaft gesichert werden soll. Sie werden in Schleswig-Holstein seit 1923 ausgewiesen. „Sie sind das vielleicht bekannteste Instrument des Naturschutzes und nach wie vor gemeinsam mit anderen Schutzinstrumenten unverzichtbar zur Bewahrung der heimischen Natur“, heißt es aus Kiel.

Durch Verordnung der obersten Naturschutzbehörde soll die Nutzung der Flächen beispielsweise durch Landwirte reduziert werden, sodass der Schutz des Gebietes gewährleistet ist. In Schleswig-Holstein gibt es über 200 Naturschutzgebiete. Sie umfassen insgesamt mehr als 212.000 Hektar, davon über 51.000 Hektar Landfläche.

Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH) umfassen alle Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung. Mit dem Netz „Natura 2000“, zu dem die FFH-Gebiete gehören, werden die natürlichen Lebensräume und gefährdeten wildlebenden Tiere und Pflanzen in den Mitgliedsländern der Europäischen Gemeinschaft geschützt.

Schleswig-Holstein hat – vergleichbar mit anderen Bundesländern – seit 1996 FFH- und Vogelschutzgebiete ausgewählt und nach Brüssel gemeldet. Dieser Prozess ist inzwischen in Schleswig-Holstein abgeschlossen. Danach wird das europäische Schutzgebietsnetz „Natura 2000“ in Schleswig-Holstein von 311 Gebieten (271 FFH- und 46 Vogelschutzgebiete) mit einer Landfläche von rund 156.000 Hektar und einer Meeresfläche von rund 765.000 Hektar gebildet, heißt es aus dem zuständigen Ministerium in Kiel.

Rund 80 Prozent der Gesamtfläche des Hasenmoores sind Moorflächen und dürfen nicht betreten werden. Regelmäßig sind Kundikow und Burmeister auf dem Wanderweg anzutreffen. Sie kontrollieren, ob die Naturfreunde, die das Königsmoor besuchen, sich auch an die Regeln halten. Die Untere Naturschutzbehörde hat im vergangenen Jahr beim Land den Antrag gestellt, das FFH-Gebiet zu einem Naturschutzgebiet heraufzustufen. Das ist ganz im Sinne der beiden Betreuer. Dadurch sei der Schutzstatus höher als bisher und es gelten noch strengere Regeln. Auch könnten – anders als jetzt – für ganz uneinsichtige Besucher Bußgelder verhängt werden.

Nicht immer haben Burmeister und Kundikow es mit verständnisvollen Mitmenschen zu tun. „Ich habe mal einen Mann angesprochen, der querfeldein gegangen war“, erzählt Volker Kundikow. Auch nach der Ansprache sei der Besucher stur weiter durchs Moor gewandert. Auf dem Rückweg aus der Sperrzone habe er den Gebietsbetreuer nur amüsiert angegrinst und war für die Argumente des Fachmannes nicht sonderlich empfänglich.

Artenvielfalt im FFH-Gebiet Hasenmoor.

Gerade im ersten Corona-Lockdown habe das Naturparadies Hasenmoor einen wahren Besucheransturm erlebt. Alle Feldwege seien zugeparkt gewesen, es habe Müll, uneinsichtige Besucher und viel Unruhe gegeben, bedauern die Gebietsbetreuer. Sie erinnern sich ungern an diese Zeit zurück, in der sie viele Diskussionen mit Moorbesuchern führen mussten. Freilaufende Hunde seien ein weiteres Problem gewesen.

Vor einigen Tagen zwischen Weihnachten und Silvester, als es nachts wie tags gefroren hatte, mussten Heino Burmeister und Volker Kundikow sogar Schlittschuhläufer vertreiben, die auf den Eisflächen Hockey spielten. Nicht nur die Störung der Wildtiere sei das Problem, sondern auch die Gefahr, einzubrechen. Die ehemaligen Abbauflächen sind unterschiedlich tief, wer dort einbreche, könne in akute Lebensgefahr geraten.

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Es gibt keinen Rundweg durchs Königsmoor, dafür, so Heino Burmeister, sei es einfach zu klein. Die Wildtiere würden zu stark gestört werden. Im künftigen Naturschutzgebiet sind Rotwild, Kraniche, verschiedene Schwanarten, See- und Fischadler sowie Insekten und Amphibien zuhause. Im vergangenen Jahr wurden am Rand der Wasserflächen extra Schutzwände mit Gucklöchern aufgebaut, sodass der Besucher hinter ihnen versteckt die Tierwelt beobachten kann. Jetzt im Winter machten unter anderem 500 Kraniche auf ihrem Zug Rast im Königsmoor. Auch der Wolf lief bereits durch das Naturparadies.

Gebietsbetreuer können sich ausweisen

Volker Kundikow (67) ist begeisterter Naturfilmer und hatte schon oft das Glück, so manches scheue Wildtier auf dem Film einzufangen. Viele Fotografen schauen in dem FFH-Gebiet vorbei, um ihre Aufnahmen zu machen. Wer sich an die Regeln halte, sei willkommen, betonen die Gebietsbetreuer. Sie stehen für Fragen der kleinen und großen Besucher bereit. Zu erkennen sind Burmeister und Kundikow an ihren gelben Abzeichen „Naturschutzdienst“. Zudem können sie sich als Betreuer ausweisen. Mit etwas Glück erhält man von Heino Burmeister auch ein kleines Bestimmungsheft. „Wir haben immer welche in der Tasche“, verrät der 62-Jährige.

Thorsten Beck 07.01.2022