Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Segeberg Nahes Pastor Wulf sucht das Gespräch mit Montagsspaziergängern
Region Segeberg

Montagsspaziergänger und Grabgesteck in Nahe: Pastor Wulf sucht das Gespräch

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:10 11.01.2022
Von Sylvana Lublow
Pastor J.-Ekkehard Wulf wollte am Montagabend das Grabgesteck der Spaziergänger zurückgeben, weil er die damit verbundene Botschaft nicht teilt.
Pastor J.-Ekkehard Wulf wollte am Montagabend das Grabgesteck der Spaziergänger zurückgeben, weil er die damit verbundene Botschaft nicht teilt. Quelle: Sylvana Lublow
Anzeige
Nahe

Es war kein Aufruf zu einer Gegenveranstaltung, diese hätte Pastor Jobst-Ekkehard Wulf aus Nahe nämlich anmelden müssen. Er betonte am Montagabend: „Wir wollen nur Flagge und Gesicht zeigen und vielleicht mit den Spaziergängern ins Gespräch kommen.“ Rund zehn Gemeindemitglieder hatten sich zu ihrem Pastor gesellt, um zu zeigen, dass sie eine andere Meinung als die sogenannten „Montagspaziergänger“ vertreten. Diese kritisieren die Coronamaßnahmen, vorrangig eine sich abzeichnende Impfpflicht. Von ihnen kamen an diesem Abend (nach Polizeiangaben) rund 70 Menschen zusammen. In der Vorwoche hatte die Polizei noch 55 gezählt.

Grabgesteck mit Botschaft verbunden, die Pastor Wulf nicht teilt

Am vergangenen Montag, 3. Januar, hatten vermutlich einige der Spaziergänger ein Grabgesteck vor die Auferstehungskirche gelegt. Dieses wollte Pastor Wulf nun zurückgeben. „Das Gesteck war verbunden mit der Botschaft, dass in Deutschland die Meinungs- und die Religionsfreiheit gefährdet sind. Das ist Unfug und Quatsch“, sagte Wulf, nahm das Gesteck und eine Kerze und ging zu einigen der Spaziergänger, die sich auf dem großen Parkplatz vor der Kirche versammelt hatten. Die meisten machten sich zwar schon auf den Weg zu ihrem Rundgang, doch einige wenige blieben, um sich mit dem Pastor zu unterhalten. Das Grabgesteck wollten sie ihm aber nicht abnehmen.

„Ich würde mich freuen, wenn Sie Verantwortung übernehmen würden für das Grabgesteck“, sprach Wulf die Spaziergänger an. „Was ist denn an einem Gesteck so schlimm?“, fragte jemand. „Die damit verbundene Botschaft“, antwortete Wulf. „Ja, und stimmt das denn nicht, dass die Meinungs- und die Religionsfreiheit gefährdet sind“, wurde zurück gefragt. „Nein“, so Wulf: „Wir haben uns in der Kirche bewusst für 3G statt 2G entschieden, weil die Kirche für alle offen sein soll.“ Auf die Frage eines Spaziergängers, wo der Pastor denn alle sein Informationen in Sachen Corona hernehme, antwortete er: „Von den Virologen. Man muss in so einer schwierigen Situation Vertrauen haben. Ich glaube nicht, dass wir belogen werden.“

Pastor fordert, sich von Rechts zu distanzieren

In der kleinen Gesprächsrunde kam neben Impfung, gesteuerten Medien, Lügen seitens der Politik und einigem mehr auch die Verbindung der Spaziergänge mit Rechtsgesinnten auf. Die Naher Spaziergänger der kleinen Runde kritisierten, dass sie von Medien und Politik immer wieder in die „rechte Ecke“ gesteckt würden. Pastor Wulf betonte: „Die freie Meinung zu äußern, ist ein hohes Gut. Und dafür trete ich auch ein.“

Ein Mann erklärte, dass er bei den Demos in den Großstädten wie Hamburg keine Rechten gesehen habe. „Da gibt es immer ein paar Provokateure, ja, das stimmt. Aber keine Rechten“, meinte er. Außerdem seien die ja auch nicht erkennbar.

Unter den anwesenden Spaziergängern befand sich auch die Oeringer Gemeindevertreterin Karin Warzecha. Sie erklärte: „Mir ist es völlig egal, wer da mitläuft. Wenn da zufällig ein Rechter dabei ist, dann sind da immer noch 20.000, die nicht rechts sind. Es geht doch nicht darum, dass man die gut findet. Außerdem habe ich bei den großen Demos auch noch keinen einzigen Rechten gesehen.“ Aber wenn man solche Menschen bei den Demos oder Spaziergängen erkennen sollte, dann, so forderte Pastor Wulf, sollte man sich eindeutig davon distanzieren: „Ich weiß, hier in Nahe gibt es so etwas nicht. Ich möchte, dass das so bleibt.“ Gegen die friedlichen Spaziergänge in seiner Gemeinde habe er nichts. Dass diese in der Form weitergeführt werden dürfen, dafür werde er sich sogar einsetzen.

Der Newsletter der Segeberger Zeitung

Alles Wichtige aus dem Kreis Segeberg. Jeden Montag gegen 17 Uhr im E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Am Ende des Gesprächs zieht Pastor Wulf das Fazit: „Argumentativ werden wir wohl nicht mehr zusammen kommen. Aber wir haben Gesicht gezeigt. Ich erwarte einfach, dass sie sich von Rechts distanzieren.“ Das Grabgesteck werde er jetzt in die Mülltonne schmeißen.

Nils Göttsche 11.01.2022
Klaus-Ulrich Tödter 11.01.2022
Sylvana Lublow 11.01.2022