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Segeberg Veranstalter-Ticketkonto bei Eventim wurde gepfändet
Region Segeberg Veranstalter-Ticketkonto bei Eventim wurde gepfändet
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09:00 05.07.2019
Geplatztes Spring Break Festival in Bornhöved: Vollständige Ticketerstattung noch immer nicht möglich wegen einer Pfändung gegen den Festivalorganisator.
Geplatztes Spring Break Festival in Bornhöved: Vollständige Ticketerstattung noch immer nicht möglich wegen einer Pfändung gegen den Festivalorganisator. Quelle: Sönke Ehlers (Archiv)
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Bornhöved

Die ersten Ticketkäufer haben nach der überraschenden Absage des Spring Break Festivals in Bornhöved im Mai 2019 inzwischen ihr Geld wieder. Aber: „Eine vollumfängliche Rückerstattung ist noch nicht möglich“, sagt Eventim-Sprecher Christian Steinhof. Grund ist eine Pfändung gegen den Festivalorganisator, wie Steinhof bestätigt.

Offene Forderung vom Spring Break 2018

Eine Forderung über 15.300 Euro stammt noch vom Spring Break 2018 von einem Unternehmer aus dem Raum Bad Segeberg. Er ist der Redaktion namentlich bekannt. Er habe damals unter anderem Zäune für das Festival und Geräte gestellt – mehr als ursprünglich vereinbart gewesen sei. Die Rechnung hinterher beglich der Veranstalter nicht. Mahnungen an die im Vertrag angegebene Firmenadresse konnten nicht zugestellt werden. 

Damals traten der Veranstalter und seine Partnerin als Inhaber auf. Nachfragen beim Adressbetreiber ergaben: Für die Firma wurde nie ein Mietvertrag geschlossen. Laut der Hamburger Gerichtspressestelle existierte nie ein Unternehmen mit diesem Namen. 

Auf gerichtlichem Weg erwirkte der geschädigte Unternehmer einen Vollstreckungsbescheid gegen den Veranstalter, den die Redaktion einsehen konnte. Ursprünglich wollte der Gläubiger die Abendkasse des Spring Breaks pfänden lassen am 31. Mai 2019. Als die Veranstaltung in Bornhöved abgesagt wurde, erwirkte er eine Pfändung des Ticketkontos bei Eventim – und hat sein Geld erhalten. Dieser Betrag fehlt nun für die Rückerstattung und wurde laut Eventim bisher nicht ausgeglichen. 

Dienstleister beklagen offene Rechnungen über mehrere 10.000 Euro

Der Veranstalter des Spring Break war als „Inhaber“ der Firma Vertragspartner von Eventim – so stand es im Veranstaltungsimpressum, was Screenshots belegen. Bereits im Dezember war der Ticketverkauf gestartet.

Allerdings: Laut Handelsregisterauszug ist die Firma erst seit Mitte Mai 2019 eingetragen – zwei Wochen vor dem geplanten Spring Break Festival in Bornhöved. Der Notartermin zur Erstanmeldung war am 1. April 2019. Monate nach Start des Ticketverkaufs. Eine geschäftsführende Funktion hat der Veranstalter in der UG laut Handelsregister jedoch nicht.

Geschäftspartner vom Veranstalter sind aufgebracht

„Er hat gar keine Prokura, das ist ein Nobody“, ärgert sich Caterer Ulfert Georgs, der das Festival in diesem Jahr noch retten wollte. Er habe mit dem Veranstalter einen Vertrag über die Cateringrechte für das Spring Break 2020 abgeschlossen und 20 000 Euro angezahlt. Er fühlt sich betrogen und hat Anzeige bei der Polizei gestellt. Das Geld habe er bisher nicht zurückerhalten und den Anwalt eingeschaltet.

Georgs ist nicht der einzige Betroffene. Der Merchandise-Dienstleister gibt an, von ihm seien Rechnungen im „niedrigen fünfstelligen“ Bereich offen. 

Lesen Sie hierzu auch: Spring Break Festival - Betrugsvorwürfe gegen Organisator

Besonders betroffen ist Martin Paulsen, der Gastronom hatte die Cateringrechte für den Spring Break 2019 erworben und „viel Geld“ investiert. Zahlreiche Händler habe er bestellt für das Festival, das dann abgesagt wurde. Bisher habe er sein Geld nicht zurückbekommen. Der Anwalt sei eingeschaltet.

Von einer geplanten Neuauflage des Spring Breaks wisse er nichts. Dafür stünde er nicht zur Verfügung: „Auf gar keinen Fall. Das Festival war nicht aufbaufähig gewesen. Da stand keine Bühne, es gab kein Wasser, keine Toiletten.“ 

Neues Festival im September angekündigt - Partner sagen ab

Nach der Absage des Spring-Break-Festivals im Mai 2019 soll es dieses Jahr noch eine Neuauflage geben: Auf der Spring-Break-Homepage wird seit dem Wochenende ein neuer Termin für Ende September angekündigt. Bereits gekaufte Tickets für die Veranstaltung im Mai sollen für das Spring Break verwendet werden können. Wer dieses Mal genau hinter dem Event steht, ist nur zu vermuten, ein Impressum gibt es derzeit nicht. 

Wie Sänger Rodney Greie, bekannt als Vollker Racho (“Das rote Pferd“), berichtet, habe der Veranstalter bei ihm angefragt wegen des neuen Festivaltermins im September 2019. Er habe aus zeitlichen Gründen abgesagt. Zudem wartet er noch auf die Gage für das abgesagte Festival: 2000 Euro.

Der Veranstalter wird sich für September einige neue Partner suchen müssen. Auch die Agentur, über die unter anderem die Künstler Niels van Gogh, Sean Finn, Plastic Funk und Dopebwoy gebucht waren für Mai, werde an einer eventuellen Fortführung nicht teilnehmen, heißt es vom Geschäftsführer, der ungenannt bleiben möchte. Über die Gründe möchte er sich nicht äußern, einen finanziellen Schaden habe er nicht. 

Ob Headliner Culcha Candela für einen weiteren Auftritt in Bornhöved zur Verfügung stehen, dazu hat sich das Management auf Nachfrage bisher nicht geäußert. Ob die Band für den abgesagten Auftritt im Mai bezahlt wurde, dazu äußerte sich die Agentur neutral, „grundsätzlich bleibt in einem solchen Fall der Gegenanspruch unberührt von der Absage“.

Genehmigungsbehörde wurde bisher nicht informiert

Keine Gage bisher erhalten hat der Trappenkamper DJ Pulsedriver, teilt Melanie Petrovic-Anders von Aqualoop Productions GmbH mit. Von einem Nachholtermin im September wisse man nichts. „Sollte dies stimmen, würde Pulsedriver jedoch dort nicht spielen.“

Nicht alle angefragten Künstler äußerten sich zum Thema. DJ Tomekk teilt auf die Frage, ob er zu den Geschädigten gehört, mit: „Unser Eindruck war, dass der Veranstalter der Geschädigte ist.“ Er drücke die Daumen, dass das Festival schnell nachgeholt werden kann. 

Bei der zuständigen Genehmigungsbehörde im Amt Bornhöved ist unterdessen noch nichts von einem geplanten Spring Break Bornhöved im September bekannt. Der Veranstalter hatte zu kurzfristige und zu hohe Auflagen der Behörde für das Scheitern im Mai verantwortlich gemacht. Das Amt widersprach.

Anmerkung der Redaktion

Anmerkung der Redaktion: Dem Veranstalter wurde die Möglichkeit gegeben, schriftlich zu allen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Dies hat er auf mehrfache Aufforderung nicht getan. Zwei vereinbarte Treffen mit der Redaktion, bei denen er Unterlagen vorlegen wollte, die sämtliche Vorwürfe entkräften würden, hat er nicht wahrgenommen.

Von Nadine Materne

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