Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Segeberg Stadt will sich Ausnahme genehmigen
Region Segeberg Stadt will sich Ausnahme genehmigen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:51 05.07.2019
Von Einar Behn
Das Jugendzentrum liegt neben dem Schloss, das als Kulturdenkmal Umgebungsschutz genießt.
Das Jugendzentrum liegt neben dem Schloss, das als Kulturdenkmal Umgebungsschutz genießt. Quelle: Einar Behn
Anzeige
Bad Bramstedt

Nach der Abrisswut der 1960er und 70er Jahren hatte die Stadt 1986 eine Gestaltungssatzung erlassen, um die Reste des historischen Stadtbildes nicht weiter durch unmaßstäbliche Bauten, riesige Leuchtreklamen und breite Fensterfronten zu beeinträchtigen. Sie hat bis heute Gültigkeit, wenngleich ihre Wirkung immer wieder durch großzügige Ausnahmeregelungen aufgeweicht wurde. Die Raiffeisenbank am Bleeck ist ein augenscheinliches Beispiel. 

400.000 Euro kostet der Anbau

 Aber nun will die Stadt selbst gegen ihre Satzung verstoßen. Der geplante, rund 400.000 Euro teure Anbau an die Rückseite des Jugendzentrums soll nach dem vorliegenden Architektenplan ein leicht geneigtes Flachdach erhalten. Die Satzung lässt aber nur Spitzdächer zu. Um einen schönen Ausblick auf die Schlosswiese zu haben, ist eine breite Fensterfront geplant, ebenfalls ein glatter Verstoß gegen die Satzung. Und eine Außentreppe, die als zweiter Fluchtweg zu den oberen Stockwerken geplant ist, findet sich in dem Regelwerk ebenfalls nicht wieder.

CDU-Stadtverordneter Stefan Bornhöft: „Die Stadt muss mit gutem Beispiel vorangehen. Unsere öffentliche Darstellung ist gefährdet, wenn wir mit Privaten strenger umgehen als mit uns selbst.“ Das geschieht bisweilen. Das Eiscafé am Kirchenbleeck hat seine Terrasse überdacht, was die Gestaltungssatzung ebenfalls nicht zulässt. Die Mitglieder des Bauausschusses waren empört und fordern einen Rückbau.

Spitzdach verdeckt die Fenster

Beim Juz steckt die Stadt allerdings in einem Dilemma. Ein Anbau mit Spitzdach wäre nicht sinnvoll, weil dadurch die Fenster der oberen Stockwerke verdeckt würden. Allenfalls die geplante Fensterfront ließe sich vermeiden. 

Ein weiteres Problem könnte der Denkmalschutz des benachbarten Schlosses sein, das auch einen Umgebungsschutz genießt. Bürgermeisterin Verena Jeske schlug vor, den Architektenplan zunächst dem Denkmalamt vorzulegen. So wird nun auch verfahren. Anschließend sollte so geplant werden, dass „so viel wie möglich von der Gestaltungssatzung eingehalten wird“, so die Bürgermeisterin. 

Hier lesen Sie weitere Nachrichten aus dem Kreis Segeberg.

Michael Stamp 04.07.2019