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Segeberg Wie die Au wieder die Kurve kriegt
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Wie die Schmalfelder Au in bad Bramstedt wieder die Kurve kriegt

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18:58 14.07.2020
Von Sylvana Lublow
Die an der Renaturierung Beteiligten sehen sich die erste von geplanten neun Verschwenkungen an. Hier soll es in den kommenden Jahren vor Leben nur so wimmeln.
Die an der Renaturierung Beteiligten sehen sich die erste von geplanten neun Verschwenkungen an. Hier soll es in den kommenden Jahren vor Leben nur so wimmeln. Quelle: Sylvana Lublow
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Bad Bramstedt

Auf dieser rund zwei Kilometer langen Strecke sind für dieses und kommendes Jahr mehrere Maßnahmen geplant und zum Teil schon umgesetzt: Mit neun Verschwenkungen soll der Au ihr natürlicher, kurvenreicher Verlauf wiedergegeben werden. Zwei davon sind gegenüber des Klinikums bereits fertig gebaut. Zudem soll auch das Bachbett variantenreicher gestaltet werden – mit Geröll- und Kiesschüttungen, Wurzelstöcken und Ufergehölzen wie Weiden und Erlen.

Außerdem sind zwei Mäander-Sandfänge geplant, die, wie der Name verrät, treibenden Sand auffangen sollen, der von der Au mitgebracht wird. "Zu viel Sand belastet Gewässer. Ein purer Sandboden tötet alles ab, Pflanzen und Tiere", erklärt Ingenieur Gert Soll, der für die Renaturierung der Bramstedter Auen die Bauleitung hat. 

1,4 Millionen Euro in drei Jahren

Die Gestaltung der Auen ist ein Projekt des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH), der die Maßnahmen auch finanziert. 2019 gab das LKN.SH 500.000 Euro aus, für dieses und kommendes Jahr ist mit rund 900.000 Euro Kosten zu rechnen. Die Renaturierung wird im Rahmen der im Jahr 2000 festgelegten Wasserrahmenrichtlinie durchgeführt, die zum Ziel hat, für alle Fließgewässer, Seen. Küstengewässer und Grundwasser bis 2027 den bestmöglichen Zustand zu erreichen. Die Arbeiten werden vom Gewässerpflegeverband Schmalfelder Au durchgeführt.

Klinikum übergab Grundstück

Ein erster großer Schritt in diese Richtung ist in den vergangenen Wochen schon gelungen. Auf dem Grundstück des Klinikums Bad Bramstedts wurden bereits zwei von drei geplanten Verschwenkungen und ein Sandfang gebaut. "Das Klinikum ist einer unserer größten Sponsoren", sagt Sönke Köneking, Vorsteher des Gewässerpflegeverbands. Damit meint er, dass das Klinikum bereitwillig sein Grundstück dem Verband zur Verfügung gestellt hat. Dafür habe es auch eine Entschädigung gegeben. 

Zwei weitere Grundstücke gehören dem Naturschutzbund – auch da habe es keine Probleme gegeben. Dass das leider nicht immer klappt, mussten die Naturfreunde an diesem Abschnitt der Au auch erfahren. "Wir hatten eigentlich zehn Verschwenkungen geplant, aber an einer der Stellen konnten wir uns mit dem Eigentümer des dort anliegenden Grundstücks nicht einig werden", erklärt Köneking. Also werde der Teil ausgelassen.

Eisvogel brütet an der Au

Etwa 50 Prozent des zwei Kilometer langen Au-Abschnitts werden verändert. "Der Rest soll sich nach und nach selbst entwickeln", so Köneking. Zu den an der Renaturierung Beteiligten gehört auch der Biologe Stefan Greuner-Pönicke. Er behält bei den Arbeiten das Naturschutzrecht im Blick. "Wir haben hier den Eisvogel entdeckt, der in den Steilwänden brütet. An diesen Stellen darf nicht gearbeitet werden, weil er dort sonst sein Gewässer verliert, von dem er sich ernährt", erklärt er.

In den Gehölzen rund um die Au kontrolliert Greuner-Pönicke die Brutstätten. Gibt es keine, könne in diesem Fall eine Ausnahme gemacht und gearbeitet werden. Das ist im Normalfall erst ab Herbst wieder erlaubt. "Doch bei öffentlichen Aufgaben können die Dinge anders geregelt werden."

Kreislauf des (Bach-)Lebens

Doch laut der EU-weiten Wasserrahmenrichtlinie gehe es bei der Renaturierung weniger um die Vögel, als vor allem um die im Wasser lebenden Pflanzen und Klein- sowie Kleinsttiere, erklärte Astrid Fischer von der LKN.SH: "Davon jedoch profitieren auch die anderen Tiere." Biologe Stefan Greuner-Pöncike erklärt es an einem Beispiel: "In einem sauerstoffhaltigen guten Bach leben Bachflohkrebse in großer Menge. Die sind Nahrung für die Bachforellen. Eisvögel fressen kleine Bachforellen." Die Bachflohkrebse ernähren sich übrigens von Erlenlaub. Deshalb pflanzt der Gewässerpflegeverband an den Ufern der Au Erlen, Weiden und Flatterulmen.

Viele Facetten gut für Tiere und Pflanzen

Noch sehen die beiden neuen Verschwenkungen sehr trostlos aus. Aber das werde sich in den kommenden ein bis vier Jahren ändern. Durch die Uferbepflanzung werde schnell Leben einkehren in die neuen Kurven der Au. Köneking erklärt nochmal, warum die Renaturierung so wichtig ist: "Die Au verlief fast nur gerade und hatte auch keine unterschiedlichen Tiefen. Dafür viel Sand und weniger Geröll. Da können nur die sportlichen Fische vorankommen. Aber auch die nicht so sportlichen Fische müssen wandern können." Je facettenreicher ein Bach, desto lebendiger die Pflanzen- und Tierwelt. Biologe Greuner-Pönicke hat auch da noch Beispiel parat: "Die Prachtlibellen legen ihre Larven im Wasser ab, wo diese dann zwei Jahre lang bleiben. Dafür brauchen sie aber Kies, Steine, Strömung und Sauerstoff."

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