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Fußball Der Jogi auf dem Bolzplatz
Sport Fußball Der Jogi auf dem Bolzplatz
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06:59 14.06.2016
Von Michael Kluth
Prüft den Anstand des Bundestrainers – und den von Millionen EM-Beobachtern: KN-Sportchef Michael Kluth. Quelle: Ulf Dahl

Jogi Löw hat offenbar die erstaunliche Fähigkeit, ein Stadion mit 50000 Menschen und eine TV-Übertragung mit 26,57 Millionen Zuschauern allein in Deutschland einfach zu vergessen oder wenigstens komplett zu ignorieren. Er denkt, er steht auf dem Bolzplatz, höchstens.

Auf dem Bolzplatz kann man(n) sich schon mal unbeobachtet und ungestraft – pardon: am Sack kratzen. Und danach die Hand zur Nase führen. So etwas sieht echt eklig aus. Wenn es einer sieht. Aber es sieht ja keiner. Denkt der Jogi auf dem Bolzplatz.

Die virale Wirklichkeit sieht anders aus. Das Video mit dem öffentlichen Fehlgriff des Nationaltrainers hat noch in der Nacht des 2:0-Sieges von Jogis Jungs gegen die Ukraine weltweit die Runde gemacht; die Kommentare in den sozialen Netzwerken ließen nicht lange auf sich warten: „Jogi ordnet sein Mittelfeld neu und kann den Sieg riechen“, zum Beispiel. YouTube, Facebook und Twitter kennen keine noble Zurückhaltung, keine soziale Distanz, keinen Respekt vor dem Menschen. Da wird so eine Szene unaufhaltsam dokumentiert, kommentiert, seziert, je peinlicher, desto genüsslicher.

Natürlich muss ein Bundestrainer wissen, dass er im Stadion in jeder Sekunde unter Kamerabeobachtung steht. Natürlich muss sein Verstand seine Triebe für diese zwei Stunden unter Kontrolle haben. Natürlich hat Jogi Löw selber Schuld, wenn er glaubt, er steht nur auf dem Bolzplatz. Die Szene ließ jeden Anstand vermissen. Ihre Verbreitung aber auch.

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