Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Fußball Fahnen-Spaß auf der Autobahn verboten
Sport Fußball Fahnen-Spaß auf der Autobahn verboten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 13.06.2014
Von Bastian Modrow
Alle zwei Jahre wieder: Zur WM- und EM-Zeit wehen an deutschen Autos die Deutschland-Fähnchen im Fahrtwind. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

„Innerhalb geschlossener Ortschaften oder beim Autokorso spricht nichts dagegen, sie am Fahrzeug zu montieren“, sagt Lothar Gahrmann vom Landespolizeiamt in Kiel. Bei Überlandfahrten sollten die Mini-Fahnen aber aus Sicherheitsgründen unbedingt abgenommen werden. „Die Autoflaggen können zu gefährlichen Geschossen werden“, sagt der Behördensprecher. Mit Spaßverderberei hat das strikte Vorgehen der Polizei nichts zu tun. In der Vergangenheit hatte es aber mehrfach gefährliche Situationen und sogar Unfälle durch abgerissene und abgebrochene WM-Wimpel gegeben.

 „Je länger eine Plastikfahne am Fahrzeug hängt, desto bruchgefährlicher wird sie durch Materialermüdung“, argumentiert der Behördensprecher. Insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten, wie sie auf Autobahnen und Überlandstraßen gefahren werden, vergrößert sich die Bruchgefahr der Aufhängung und die Fahnen können zu einer erheblichen Gefährdung nachfolgender Fahrzeugführer werden. „Das Fahren auf diesen Straßen mit solchen Fan-Utensilien kann bereits wegen der grundsätzlich davon ausgehenden Gefahr als Ordnungswidrigkeit mit bis zu 30 Euro geahndet werden“, droht Gahrmann. Gleiches gelte auch für Spiegelüberzüge, Autoflossen, Fan-Magneten und ähnliche Schmuckartikel. Auch diese sollten nur innerhalb geschlossener Ortschaften am Fahrzeug angebracht werden. Mehr noch: Kommt es zu einem Unfall, könnte dies als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr strafrechtlich verfolgt und sogar mit Haft bestraft werden.

 Elisabeth Pier, Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht, hat Verständnis für das konsequente Vorgehen der Polizei. „Jeder Autofahrer muss dafür Sorge tragen, dass von seinem Fahrzeug keine Gefahr ausgeht.“ Andernfalls sei dies eine Verletzung der Sorgfaltspflicht. Auch die Versicherungen sehen die Wimpel mit Skepsis: Zwar würden Schäden, die durch umherfliegende Fähnchen entstehen, über die Kfz-Haftpflicht abgedeckt. Heiko Wischer von der Provinzial-Versicherung in Kiel rät Autofahrern überdies, vor allem nachts den WM-Schmuck abzubauen und die Fenster vollständig zu schließen. Sollten nämlich Diebe das Auto knacken, könnte es für Besitzer teuer werden. Das Offenlassen eines Fensterspalts könnte als grobe Fahrlässigkeit ausgelegt werden, die wiederum zu Leistungskürzungen führen kann.

 Im Internet haben Aktivisten derweil wieder zur Aktion „Deutschland knicken“ aufgerufen. Um gegen vermeintlichen Nationalismus zu protestieren, sollen WM-Fähnchen von Autos abgerissen oder abgebrochen werden. Auch in Schleswig-Holstein gibt es Unterstützer der Aktion – sehr zum Ärger vieler speziell zur WM-Zeit fußballbegeisterter Autofahrer.